Analytica 2018 – Megatrend Digitalisierung

Die Digitalisierung beflügelt alle analytischen Disziplinen

Ob neue Werkzeuge zur Auswertung von Big Data oder vernetzte Geräte, die sich per App steuern lassen: Die digitale Transformation beflügelt alle analytischen Disziplinen vom industriellen Prozessmonitoring bis zur Lebensmittel- und Umweltüberwachung.

Morgens den Roboter im Labor mit Handschlag begrüßen? Im Forum Digitale Transformation der Analytica 2018 werden reale und visionäre digitale Anwendungen diskutiert. (Bild: Messe München)

Den Megatrend Digitalisierung greift die analytica 2018 in vielfältiger Form auf. Neben den bewährten Foren Biotech und Laboratory & Analysis gibt es jetzt das Forum Digitale Transformation mit anwendungsnahen Expertenvorträgen und Diskussionsrunden. Der Umgang mit steigenden Probendurchsätzen und der stetig anschwellenden Datenflut zieht sich zudem als roter Faden durch das Programm der analytica conference.

Auf dem Weg ins smarte Labor
Vor allem in den Messehallen werden Besucher spüren, dass das smarte, vernetzte Labor längst mehr ist als eine kühne Vision. So präsentieren Eppendorf, BioTek und andere Aussteller auf der analytica neue Soft- und Hardware, mit der sich Geräte verknüpfen und von überall aus kontrollieren lassen. Läuft das Experiment wie gewünscht? Bleibt die eingestellte Temperatur stabil? Die Antwort liefert fortan das Smartphone. Stimmen die Parameter, erübrigt sich der Gang ins Labor, und bei Problemen verschicken die Systeme eine Warnung.

Überhaupt erleichtern zahlreiche neue Features das Arbeiten in und außerhalb des Labors. Umweltanalytiker etwa dürfen sich über ein mobiles Instrument von Echo freuen, das Methan und andere Bodengase erfasst: Dank eines GPS-Moduls ordnet es den Daten automatisch den korrekten Messort zu. Auch RFID-Tags und andere digital auslesbare Label zur Probenidentifikation oder zur Steuerung von Instrumenten setzen sich immer mehr durch.

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Material- und Prozessanalytik: Imaging im Aufwind
Der Trend zu Geräten, die verschiedene Messmethoden vereinen, hält ebenfalls an. Vor allem das Raman-Imaging befindet sich weiter im Aufwind. Aussteller wie WITec und Jasco kombinieren die chemische Analyse per Raman-Spektroskopie mit optischen Informationen aus der Mikroskopie. Leica Microsystems hingegen versieht die Lichtmikroskopie mit einem Modul für die laserinduzierte Plasmaspektroskopie. Auch damit gelingen Bildgebung und chemische Charakterisierung in einem Schritt – praktisch zum Beispiel für die Partikelanalyse.

Raman-Analysatoren spielen in der industriellen Material- und Qualitätskontrolle ohnehin eine immer wichtigere Rolle, da sie zerstörungsfrei arbeiten. Ein Raman-Spektrometer von B&W Tek analysiert Materialien sogar durch Verpackungen hindurch. Renishaw wiederum hat ein Gerät speziell für die Pharmaindustrie entwickelt: Es kombiniert die Untersuchung der Oberflächenbeschaffenheit mit der chemischen Analyse und macht so die Verteilung von Wirkstoffen und anderen Partikeln in einer Tablette sichtbar. 

Für die berührungslose industrielle Prozess- und Qualitätskontrolle bietet sich ferner die noch relativ junge Terahertz-Technik an, die Strahlung im Frequenzbereich zwischen Mikrowellen und infrarotem Licht nutzt. Terahertz-Licht ist viel energieärmer als Röntgenstrahlen und daher nicht gesundheitsschädlich. Dennoch durchdringt es viele nichtmetallische Verpackungsmaterialien. Auf der analytica zeigt Toptica Photonics ein Terahertz-System, das Objekte auf schnell bewegten Förderbändern durchleuchtet. So lässt sich unter anderem das Fehlen von Beipackzetteln in Arzneiverpackungen erkennen.

Neue Schadstoffe erfassen
Unbekannte Schadstoffe aufspüren statt nur bereits regulierte Substanzen messen: Dieses Ziel verfolgen Lebensmittel- und Umweltanalytiker immer stärker. Auf der analytica finden sie die komplette Ausstattung für die Non-Target-Analytik und das Suspect-Screening – angefangen bei Zubehör und Geräten für Bioassays, mit denen sich umwelt- und gesundheitsschädliche Wirkungen abschätzen lassen, bis zu hochauflösenden Massenspektrometern für die Identifikation von unbekannten Stoffen.

Ein Beispiel für Chemikalien, die sowohl in der Lebensmittel- als auch in der Umweltanalytik aktuell viel Aufmerksamkeit erregen, sind poly- und perfluorierte Verbindungen. Ihre Messung ist eine Herausforderung, da es für die meisten Vertreter dieser großen Stoffklasse noch keine Referenzstandards gibt. Aussteller a1-environsciences koppelt daher einen Hochtemperaturaufschluss an die Ionenchromatographie und bestimmt organische Fluorverbindungen als Summenparameter. Über weitere Methoden für die Analytik von fluorierten Substanzen informiert die analytica conference in einer eigenen Session.

Cannabis-Analytik, Neutronen-Imaging und mehr
Die oben genannten Neuheiten zeigen nur einen kleinen Ausschnitt aus dem weiten Spektrum der analytica. Beim Gang durch die Hallen werden Besucher auf Lösungen für analytische Herausforderungen jeglicher Art treffen. Für Drogenanalytiker hat z.B. Shimadzu einen Cannabis-Analyzer entwickelt, für Biowissenschaftler präsentiert Thermo Fisher Scientific ein Orbitrap-GC-MS-System mit zugehöriger Metabolomics-Bibliothek und für Materialforscher sowie Archäologen dürfte der Neutronen-Imager am Stand von Photonis interessant sein.

Die Liste lässt sich beliebig verlängern und zeigt vor allem eins: Die Innovationskraft der Branche ist ungebrochen. Und das ist gut so, denn ausgefeilte Analysenmethoden bilden die Basis für technologischen Fortschritt, in der Materialentwicklung ebenso wie in der Pharmaforschung und vielen anderen Bereichen. Außerdem lässt sich die Sicherheit unserer Lebensmittel und anderer Konsumgüter, die Einhaltung von Umweltauflagen sowie der Erfolg medizinischer Behandlungen nur mit einer verlässlichen Analytik überprüfen. Dass die Hersteller von Analysen-, Bio- und Labortechnik diesen Ansprüchen gerecht werden, demonstrieren sie nirgendwo deutlicher als auf der analytica.

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