Genetischer Einfluss auf Lungenfunktion

Sechs weitere Gene identifiziert

Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat in einer Analyse mehrerer Genom-Studien sechs Genregionen identifiziert, die mit der Funktion der Lunge in Zusammenhang stehen. Ihre Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift 'Nature Genetics' veröffentlicht.

In ihren Untersuchungen, so genannten Genom-weiten Assoziationsstudien, verglich das Forscherteam das genetische Profil der Studienteilnehmer mit der forcierten Vitalkapazität (FVC), einem Volumen-Parameter der Lungenfunktion. Sechs Genorte zeigten dabei eine deutliche Assoziation mit FVC-Werten. Für diese Gene wird außerdem eine Beteiligung an der Lungenentwicklung bzw. bestimmten Lungenerkrankungen vermutet.

Besseres Verständnis für den Zusammenhang von Genen, Lungenfunktion und -erkrankungen
Die identifizierten Gene eröffnen neue molekularbiologische Ansätze, um die Entwicklung der Lunge sowie Heilungs- und Umbauprozesse bei der Krankheitsentstehung besser zu verstehen. "Die Ergebnisse liefern die Grundlage, um Lungenerkrankungen detailliert zu erforschen und den Zusammenhang von Genetik, Lungenfunktion und Anfälligkeit für Atemwegserkrankungen aufzuklären", sagt Prof. Dr. Holger Schulz, Leiter der Arbeitsgruppe Lungenepidemiologie am Helmholtz Zentrum München (HMGU). "Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse können wir beispielsweise mögliche Risikogruppen identifizieren und neue therapeutische Ansätze entwickeln", fügt Dr. Christian Gieger (HMGU) hinzu.

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Umfassende Genomanalyse: über 85000 Teilnehmer aus 35 Studien
Das Team von internationalen Wissenschaftlern - unter der Leitung des US-amerikanischen National Institute of Environmental Health Sciences - analysierte die Daten von insgesamt 85170 Teilnehmern aus 35 Studienkohorten. Darunter fanden sich auch Teilnehmer der deutschen KORA-Studien*, deren Auswertung durch Wissenschaftler des HMGU erfolgte. Beteiligt waren dabei die Institute für Epidemiologie I und II (EPI I, EPI II), das Institut für Genetische Epidemiologie (IGE) sowie das Comprehensive Pneumology Center (CPC) am HMGU.

Lungenerkrankungen gehören weltweit zu den führenden Todesursachen. Bei ihrer Entstehung spielen Genetik, Lebensstil und Umweltfaktoren eine Rolle. Als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt liegt der Schwerpunkt des HMGU auf den großen Volkskrankheiten. Ziel ist es, neue Ansätze für Diagnostik, Therapie und Prävention zu entwickeln.

Weitere Informationen
* KORA (Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg): Seit über 20 Jahren wird in der international bekannten KORA-Studie die Gesundheit tausender Bürger aus dem Raum Augsburg untersucht, um die Auswirkungen von Umweltfaktoren, Verhalten und Genen zu erforschen. Kernthemen der KORA-Studien sind Fragen zu Entstehung und Verlauf von chronischen Erkrankungen, insbesondere Herzinfarkt und Diabetes mellitus. Hierzu werden Risikofaktoren aus dem Bereich des Gesundheitsverhaltens (u.a. Rauchen, Ernährung, Bewegung), der Umweltfaktoren (u.a. Luftverschmutzung, Lärm) und der Genetik erforscht. Aus Sicht der Versorgungsforschung werden Fragen der Inanspruchnahme und Kosten der Gesundheitsversorgung untersucht (www.helmholtz-muenchen.de/kora).

Original-Publikation:
Loth, D. et al. (2014): Genome-wide association analysis identifies six new loci associated with forced vital capacity, Nature Genetics (2014). doi:10.1038/ng.3011. Link zur Fachpublikation: http://www.nature.com/ng/journal/vaop/ncurrent/full/ng.3011.html

Fachlicher Ansprechpartner:
Prof. Holger Schulz
Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Institut für Epidemiologie I
Ingolstädter Landstr. 1
85764 Neuherberg
E-Mail: schulz@helmholtz-muenchen.de.

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