Gesichter der Branche
Dr. Soeren Schumacher
In unserer Kurzinterviewreihe Gesichter der Branche stehen Menschen im Mittelpunkt, die die Laborbranche in Deutschland prägen. Diesmal haben wir mit Dr. Soeren Schumacher gesprochen. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Cryondo GmbH und stellvertretender Geschäftsführer des Medizinisch Genetischen Zentrums (MGZ) in München. Seine Expertise in strategischen Partnerschaften und Business Development bringt nicht nur die Forschung voran, sondern auch die Patientenversorgung. Im Interview erzählt Schumacher, warum steigende Kosten manchmal sogar Innovationen antreiben, wie Long-Read-Sequencing neue diagnostische Ansätze ermöglicht und was Cryondo im Biotech-Cluster München plant. Außerdem gibt er spannende Einblicke in aktuelle Trends und verrät, wohin die Reise 2025 aus seiner Sicht gehen könnte.
Welche Erfolge konnten Sie im vergangenen Jahr erzielen, und welchen Herausforderungen mussten Sie sich stellen?
Man kann es ja gar nicht mehr hören, aber das letzte Jahr war immer noch stark geprägt von Kostensteigerungen, die höher ausgefallen sind als in der Vergangenheit. Dieser „Druck“ hat sich – wie so oft im Leben – als Innovator erwiesen, um Prozesse weiterzuentwickeln und strategische Partnerschaften zu stärken. Am MGZ haben wir beispielsweise mit verschiedenen Partnern neue diagnostische Ansätze im Bereich Long-Read-Sequencing etabliert. Bei Cryondo konnten wir mit SOL Deutschland eine spannende Zusammenarbeit starten und durch unseren Umzug ins IZB nicht nur unseren Managed-Sample-Storage-Service ausbauen, sondern auch Gase für die Region anbieten. Eine interessante Blaupause für andere Biotech-/Klinik-Cluster in Deutschland.
Welche Themen prägen Ihrer Meinung nach aktuell die Branche?
Die Biotech-Szene zeigt Licht und Schatten: Internationale Investoren kehren zurück und wagen wieder größere Finanzierungsrunden – ein positives Signal für den Standort Deutschland. Allein in München flossen letztes Jahr über 530 Millionen Euro in die Biotech-Branche. Gleichzeitig sehen wir in der labornahen Zuliefer- und Servicebranche eine fortschreitende Konsolidierung, oft getrieben durch notwendige Unternehmensnachfolgen, die oftmals nur von großen multinationalen Playern gestemmt werden können. Inwieweit sich dies als Vor- oder Nachteil für den Standort Deutschland entpuppt, bleibt abzuwarten. In Bezug auf medizinische Labore lohnt sich eine internationalere Betrachtung. Ein prominentes Beispiel: Ein großes, ehemals milliardenschweres Genetiklabor in Amerika geriet finanziell ins Wanken. Das Businessmodel basierte auf diagnostischer Spitzenqualität zu günstigen Preisen. Die negative Entwicklung zeigt, dass selbst bei erhofften Skalierungseffekten Qualität nicht unbegrenzt preiswert sein kann. Dies wird umso relevanter, wenn es umneue Technologien wie Liquid Biopsy, Long-Read-Sequencing oder Polygenic Risk Scores geht, die diagnostische Lücken schließen, aber auch eine nachhaltige Finanzierung und regulatorische Klarheit brauchen.
Gibt es besondere Pläne oder Projekte, die Sie in diesem Jahr verfolgen?
Ich freue mich auf das Jahr 2025, denn viele Projekte, deren Grundstein wir gelegt haben, gehen jetzt in die Skalierung. Der Fokus liegt darauf, mit Partnern innovative Services und Tests zu entwickeln, die echten Mehrwert bieten. Gleichzeitig ist es essenziell, den Standort Deutschland als Biotech-Hub weiter zu stärken. Es gibt enormes Potenzial, das durch gezielte Investitionen, strategische Kooperationen und innovationsfreundliche Rahmenbedingungen gehoben werden kann. Ich bin gespannt auf den Austausch und neue Impulse.










