IVD- und LSR-Industrie

Marktentwicklung vor dem Hintergrund der Pandemie

Dr. Peter Quick, Vorstandsmitglied im Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH) und Vorstandssprecher der Fachabteilung Life Science Research (LSR) im VDGH, stellte in einer Pressekonferenz im Vorfeld der virtuellen Analytica 2020 die Marktentwicklung der In-vitro-Diagnostika (IVD)- und LSR-Industrie 2019, auch mit Blick auf das erste Halbjahr 2020, vor.

Der deutsche LSR-Markt im globalen Vergleich. © VDGH

„2019 befand sich der IVD-Markt in Deutschland im Bereich der Stagnation. Insgesamt schloss die IVD-Industrie das Jahr 2019 mit 2,16 Milliarden Euro Umsatz ab, ein Minus von 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, so Quick. Auch das Ergebnis der LSR-Industrie enttäuschte: „Der LSR-Markt unterbrach 2019 seinen dynamischen Langzeittrend und legte mit einem Plus von 1,6 Prozent nur geringfügig gegenüber dem Vorjahr auf 2,34 Milliarden Euro Umsatz in Deutschland zu.“

Beide Märkte unterliegen unterschiedlichen Dynamiken und Bedingungen. Grundsätzliche Wachstumshemmnisse der IVD-Industrie liegen in der strikten Budgetierung der Laborausgaben sowie der schleppenden Aufnahme von Innovationen in die gesetzliche Krankenversicherung. Die LSR-Industrie kennt diese Problematik so nicht. Ihr Markt lebt von der Dynamik im Forschungsgeschehen und der Entwicklung ihres Marktumfeldes. Das Labor ist jedoch eine der wichtigsten Schnittstellen, an der sich beide Branchen berühren. „Dies wurde nie so deutlich wie in der Corona-Pandemie“, so Quick. „Zwar war bislang die Personalisierte Medizin eine bekannte Schnittstelle – aber die schnelle Identifizierung des SARS-CoV-2-Virus durch Next-Generation-Sequencing, die Entwicklung bzw. Validierung marktreifer Produkte wie Probenaufreinigungskits und RT-PCR-Testkits mithilfe von Produkten, Geräten und Technologien der LSR-Industrie innerhalb weniger Wochen sowie die Fertigung für die flächendeckende Versorgung durch die IVD-Branche in ebenso kurzer Zeit zeigen, wie eng verzahnt und leistungsstark beide Branchen auf dem Gebiet der klinischen Dia­gnostik sind“, erläutert Quick. Bis zur Jahresmitte hatten beide Branchen ihre Produktionskapazitäten bereits um das 18fache im Vergleich zum Stand zu Jahresbeginn gesteigert und ihre Produktionen auf 24/7 hochgefahren, um den Bedarf der Labore zu decken. „Dies allein war eine enorme Leistung unter Pandemiebedingungen“, sagt Quick.

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IVD-Markt: Aufwärtstrend im 1. Halbjahr
Für den IVD-Markt zeichnet sich im ers­ten Halbjahr 2020 erstmals seit langem ein positiver Trend ab, der sich jedoch so nicht automatisch in der Branche widerspiegelt. Dies ergab eine Mitgliederbefragung des VDGH im September 2020: „Fast die Hälfte der Unternehmen verzeichnete einen Umsatzrückgang, nur etwas mehr als ein Drittel einen Umsatzanstieg“, so Quick. „Es ist zwar offensichtlich, dass die Infektionsdiagnostik im ersten Halbjahr profitiert, allerdings verzeichnet z. B. der Bereich der Immunologie starke Rückgänge, da viele Arztbesuche, Vorsorgeuntersuchungen oder Operationen verschoben und die dafür nötige Diagnostik nicht durchgeführt wurden.“ In der LSR-Industrie hingegen steigen die Umsätze deutlich. Für das erste Halbjahr 2020 berechnete der Ausschuss Marktforschung der Fachabteilung LSR im VDGH 12,5 Prozent Umsatzwachstum. „Sowohl bei Geräten als auch bei Reagenzien und Verbrauchsmaterialien sehen wir zweistellige Zuwächse“, erklärt Quick. „Treiber sind hier vor allem Produkte für den SARS-CoV-2-Arbeitsablauf im Forschungs- und Diagnostiklabor, und die Forschungsaufträge im Bereich der Impfstoff- und Therapeutika-Entwicklung puffern den durch den Lockdown bedingten Einbruch in der akademischen Forschung etwas ab.“

Beide Branchen sind mittelständisch geprägt und zeichnen sich durch eine hohe Forschungsintensität aus. Die Unternehmen investieren im Schnitt rund zehn Prozent ihrer Umsätze in Forschung und Entwicklung. Die Kundensegmente der Life-Science-Research-Unternehmen sind mit öffentlich finanzierten akademischen Einrichtungen und Behörden einerseits und den Laboren der Pharma-, Analytik-, Diagnostik- und Biotech-Industrie andererseits hoch differenziert. Für die IVD-Hersteller ist der Zielmarkt mit Krankenhäusern, medizinischen Laboren, Arztpraxen und Eigenanwendern vergleichsweise homogener.

Quelle: Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH)

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