Herausforderungen der Digitalisierung

Wo bleibt der Mensch?

Die diesjährige Veranstaltung „perspectives“ von Infraserv Höchst, die im Rahmen der Achema auf dem Frankfurter Messegelände stattfand, betrachtete die Herausforderungen der Digitalisierung bei Vorträgen und in Diskussionsrunden.  

Zu den Referenten der „perspectives“ gehörten der Philosoph Richard David Precht, der Unternehmer Michael Heraeus und Francesco Grioli, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der IG BCE (von rechts), die sich in der von Dr. Lothar Meier, Leiter Business Development von Infraserv Höchst (links im Bild) moderierten Diskussionsrunde austauschten. (Bild: Infraserv Höchst, 2018)

Die Digitalisierung verändert das Leben der Menschen und wirkt sich auch gravierend auf die Arbeitswelt aus. Wie können Unternehmen den Wandel aktiv gestalten? Wie lassen sich die mit dem technologischen Wandel verbundenen Chancen nutzen? Welche Risiken sind zu berücksichtigen? Zentrale Themen der von mehr als 150 Teilnehmern besuchten Veranstaltung, für die Infraserv Höchst namhafte Referenten gewinnen konnte.

Erster Referent war der Philosoph Richard David Precht, der in seinem Impulsvortrag das Bildungssystem anprangerte. Aktuell sei die Unterrichtsstruktur in den Schulen nicht darauf ausgelegt, individuelle Fähigkeiten zu fördern und die „Selbstbefähigung“ zu stärken. Hier seien projektorientierte und flexible Unterrichtsformen nötig. In Bezug auf die Arbeitswelt der Zukunft prognostiziert Precht einen radikalen Wandel, der mit dem Wegfall vieler Arbeitsplätze verbunden sein werde. Wie stark sich das auf die Gesellschaft auswirken wird – hier zieht Precht den Vergleich zur ersten industriellen Revolution.

Für die Vertreter der Chemie- und Pharmaunternehmen hatte Francesco Grioli, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der Gewerkschaft IG BCE, eine beruhigende Botschaft. „Unsere Branche kann mit der digitalen Transformation besser umgehen als andere“, sagte Grioli und verwies auf das hohe Qualifizierungsniveau der Mitarbeiter und die weitreichenden technologischen Veränderungen, die Chemie- und Pharmaunternehmen bereits erfolgreich bewältigt haben. Allerdings sei es erforderlich, das Bildungssystem mit Blick auf die digitale Transformation weiterzuentwickeln. 

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Mitarbeiter mitnehmen
„So lange der flächendeckende Ausbau des schnellen Internets in Deutschland nicht vorankommt, brauchen wir eigentlich gar nicht über Digitalisierung zu diskutieren“, sagte der Unternehmer Michael Heraeus. Auch er sieht Nachholbedarf im Bildungssystem – nicht ohne Grund engagiert sich die Heraeus-Bildungsstiftung seit vielen Jahren im Bereich der Lehrer-Fortbildung. Für Firmen sei es entscheidend, die Mitarbeiter beim technologischen Wandel mitzunehmen und sich auch beim Thema Digitalisierung der unternehmerischen Verantwortung bewusst zu sein.

Digitalisierung in der Praxis
Oliver Coenenberg, Geschäftsführer Personal und Organisation, stellte „Leben und Arbeiten bei Sanofi“ vor. Diese gemeinsame Plattform der Sozialpartner widmet sich unter anderem den Veränderungen in Bezug auf Prozesse, die Gestaltung von Arbeitsplätzen, aber auch Fragen von Organisation und Qualifikation. „Der Mensch bleibt im Mittelpunkt, wenn er Veränderungen offen gegenübersteht“, sagte Coenenberg.

Sjef Arets, Vice President Manufacturing EU/China beim niederländischen Chemie-Konzern DSM, berichtete, wie Ergebnisse aus Continuous Improvement-Projekten nachhaltig implementiert werden konnten und auf diese Weise die Unternehmenskultur weiterentwickelt wurde. „Die Art der Zusammenarbeit ist wichtig“, sagte Arets und untermauerte seine These mit einem Vergleich zum Fußball: „Elf Spitzenspieler sind noch keine Spitzenmannschaft.“

Dr. Henrik Hahn, Chief Digital Officer von Evonik, meint, dass die Digitalisierung die Arbeitswelt und einzelne Berufsbilder stark verändert, diese aber nicht zwangsläufig ersetzt: „Die Herausforderung besteht darin, bestehende Geschäftsmodelle und Prozesse an die digitale Umwelt anzupassen und ein Bewusstsein für neue Geschäftsmöglichkeiten zu schaffen“.

Die nächste „perspectives“ findet am 5. Juni 2019 statt.

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