Labo Online - Analytic, Labortechnik, Life Sciences
Home> Wirtschaft + Wissenschaft> Archiv>

Organ-on-a-Chip-System für Medikamententests erhält Lush Prize

Organ-on-a-Chip-System prämiertLush Prize zur Förderung tierversuchsfreier Forschung

Miniaturisierte Organe auf einem Chip ermöglichen, Arzneimittel vor der Anwendung am Menschen zu testen. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat die Forschungsgruppe von Professorin Ute Schepers ein solches Organ-on-a-Chip-System mit naturgetreu nachgebildeten Blutgefäßen entwickelt. 

sep
sep
sep
sep
Organ-on-a-Chip-System prämiert: Lush Prize zur Förderung tierversuchsfreier Forschung

Klinische Studien mit neu entwickelten Medikamenten sind langwierig und teuer. Darüber hinaus gehen solche Tests am Menschen mit Risiken einher. Deshalb werden neue Wirkstoffe zuvor in konventionellen 2-D-Zellkulturen und Tierversuchen getestet, charakterisiert und validiert. Resultate aus 2-D-Zellkulturen sind allerdings oft zweifelhaft, da die Zellen im menschlichen Körper in einer 3-D-Architektur wachsen und mit ihrer Umgebung sowie anderen Zelltypen wechselwirken. Tierversuche sind zeit- und kostenaufwendig und lassen sich aufgrund des unterschiedlichen genetischen Hintergrunds nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen. Überdies sind Tierversuche ethisch umstritten.

Forscher entwickeln daher sogenannte Organ-on-a-Chip-Systeme: Aus Zellen von gesunden Menschen und Patienten werden miniaturisierte Organe mit 3-D-Drucktechniken auf einen Chip aufgebracht. Die Forschungsgruppe von Professorin Ute Schepers am Institut für Toxikologie und Genetik (ITG) des KIT hat ein solches System entwickelt, das sich durch ein naturgetreu nachgebildetes Blutgefäßsystem mit runden, porösen Kanälen auszeichnet. In der Ausgründung vasQlab des KIT entwickelt Schepers den „vasQchip“ mit Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen weiter – unter ihnen die Doktorandin Vanessa Kappings, die am KIT Chemische Biologie studiert hat und auf dem Gebiet des Tissue Engineering, das heißt der künstlichen Herstellung biologischer Gewebe, tätig ist. Kappings, die an der Weiterentwicklung des „vasQchip“ beteiligt ist, hat nun den Lush Prize 2017 zur Förderung tierversuchsfreier Testmethoden in der Kategorie „Nachwuchsforscher“ gewonnen und erhält 12 000 Euro für ihr Projekt.

Anzeige

Künstliche Blutbahnen auf Chip

Auf dem „vasQchip“ gelangen die zu testenden Wirkstoffe über die künstlichen Blutbahnen in die miniaturisierten Organe. Deren Reaktion lässt sich automatisiert auswerten. So lassen sich Wirkung und Verträglichkeit eines Wirkstoffs bereits in der präklinischen Phase untersuchen, ohne Experimente am Tier oder am Menschen durchzuführen. Die Miniaturisierung ermöglicht die Parallelisierung und Automatisierung Tausender Tests auf kleinstem Raum.

Derzeit arbeitet das Team an der Entwicklung von durchbluteten Haut-, Leber-, Darm- und Hirnmodellen sowie Tumormodellen und an der Kombination verschiedener miniaturisierter Organe auf einem Chip. „Unser Ziel ist, der Pharmaindustrie und auch der Kosmetikindustrie geeignetere Alternativen zu Tierversuchen zu liefern und sie von den Vorteilen zu überzeugen: präzisere Vorhersagbarkeit der Wirkung auf den Menschen, geringere Kosten sowie Schonung von Mensch und Tier“, erklärt Vanessa Kappings. Die Doktorandin widmet sich zurzeit vor allem der Entwicklung von verschiedenen Tumormodellen.

Der Lush Prize wird gemeinsam von der britischen Kosmetikfirma Lush und der in Manchester ansässigen Forschungs-, Verlagswesen- und Kampagnengenossenschaft Ethical Consumer vergeben. Die Verleihung des Lush Prize 2017 mit Fördergeldern von insgesamt rund 390 000 Euro fand am 10. November in London statt.

Anzeige
Diesen Artikel …
sep
sep
sep
sep
sep

Weitere Beiträge zum Thema

Produktionshalle für medizinische Cannabis-Pflanzen

Vom Rauschmittel zur sicheren MedizinCannabis – Made in Germany

Im März 2017 erfolgte die Freigabe von Cannabis für medizinische Zwecke in Deutschland. Seither rauchen die Köpfe von Produzenten, Investoren und Behörden. Es geht um einen Milliardenmarkt und die Frage, wie aus einem Rauschmittel eine sichere Medizin wird.

…mehr
Molekülmodell eines Membranrezeptors

Wechselwirkungen von ProteinenProtein-Metabolit-Interaktomik

ETH-Forschende haben mit einem neuen Ansatz in Bakterienzellen bisher unbekannte Wechselwirkungen zwischen Proteinen und kleinen Stoffwechselmolekülen entdeckt.

…mehr
Smartphone-Test auch für Privatkunden anwendbar: Neues Verfahren zum Fälschungsschutz

Smartphone-Test auch für Privatkunden...Neues Verfahren zum Fälschungsschutz

Um Produktpiraterie zu verhindern, markieren einige Industriebtriebe Originalprodukte mit fälschungssicheren Leuchtstoffen. Dass diese Methode auch für Privatkunden interessant sein kann, um Produkte auf Echtheit zu überprüfen, haben Forscher der Ruhr-Universität Bochum jetzt gezeigt.

…mehr
Naturstoffe aus dem Meer: Neu entdeckte Bakterien als potenzielle Arzneiquelle

Naturstoffe aus dem MeerNeu entdeckte Bakterien als potenzielle Arzneiquelle

Eine in Meeresschwämmen lebende Bakteriengattung produziert derart viele Naturstoffe, dass Wissenschaftler sie als potente Quelle für neue Medikamente einstufen. Bei der Suche nach neuen Arzneistoffen aus der Natur spielen Meeresschwämme eine wichtige Rolle.

…mehr

Weitere Beiträge in dieser Rubrik

Krapfen

Belohnung fürs GehirnDie Kombi ist schuld: Fette und Kohlenhydrate aktivieren Hirnareale besonders stark

Nahrungsmittel, die sowohl reich an Fetten als auch Kohlenhydraten sind, haben einen besonders starken Einfluss auf das Belohnungssystem in unserem Gehirn.

…mehr
Anzeige
Anzeige

Mediadaten 2018

LABO Einkaufsführer

Produktkataloge bei LABO

Produktkataloge zum Blättern


Hier finden Sie aktuelle Blätter-Kataloge von Herstellern aus der Branche. Einfach durchblättern oder gezielt nach Stichwort suchen!

Anzeige

LABO Web-Guide 2016 als E-Paper

LABO Web-Guide 2016

Web-Guide 2016


- Stichwortregister

- Firmenscreenshots

-Interessante Webadressen aus dem Labor

Anzeige

Neue Stellenanzeigen

Jetzt den LABO Newsletter abonnieren

LABO Newsletter abonnieren

Der kostenlose LABO Newsletter informiert Sie wöchentlich über neue Produkte, Lösungen, Technologietrends und Innovationen aus der Branche sowie Unternehmensnachrichten und Personalmeldungen.

LABO bei Facebook und Twitter