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Tagung zur Geschichte der Chemie

Die Fachgruppe Geschichte der Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) trifft sich vom 12. bis zum 14. September 2011 am Institut für Chemie der Universität Rostock zu Gedankenaustausch und Diskussion von Methoden und Ergebnissen der Forschung zur Wissenschafts- und Technikgeschichte. Direkt im Anschluss an die deutsche Veranstaltung findet am gleichen Ort bis zum 16. September die 8. Internationale Konferenz der Arbeitsgruppe Geschichte der Chemie der European Association for Chemical and Molecular Sciences (EuCheMS) unter dem Motto "Pathways of Knowledge - Wege des Wissens" statt.

Die Vorträge beider Veranstaltungen umfassen alle Aspekte der Geschichte der Chemie und der chemischen Industrie. So beginnt die deutsche Veranstaltung beispielsweise mit einem Vortrag über die Gewinnung von Erzen und die Herstellung verschiedener Kupfer¬legierungen im China des 16. bis 11. Jahrhundert v. Chr. Ein anderer Beitrag widmet sich der zufälligen Entdeckung des Berliner Blau im Jahre 1706 und der langen Geheimhaltung der Rezeptur seiner Herstellung. So war die Vermarktung des Pigmentes zwanzig Jahre lang ein lukratives Geschäft für die Entdecker.

Der Beitrag über den Chemiker Friedlieb Ferdinand Runge (1794 bis 1867) dürfte das Interesse nicht nur von Chemikern wecken. Als die herausragenden Leistungen Runges werden vor allem die Aufarbeitung des Steinkohleteers und seine Entdeckungen auf dem Gebiet der Phytochemie, wie die Isolierung von Coffein oder Chinin, gesehen. Es gelang ihm, aus Steinkohleteer Anilin, Phenol und Pyrrol zu gewinnen. Der äußerst produktive Autor Runge verfasste u.a. ein mehrbändiges Werk über Farbenchemie. In den Büchern enthalten sind auf Filterpapier durch chemische Reaktionen und Kapillartransporte entstandene bizarre Bilder. Rückblickend betrachtend stand Runge am Beginn der für die Chemie so wichtigen Stofftrennung, doch er fühlte sich als Künstler. Nach mehr als 150 Jahren langte er tatsächlich in der modernen Kunst an: 1994 wurde der "Friedlieb Ferdinand Runge Preis für unkonventionelle Kunstvermittlung" von der Stiftung Preußische Seehandlung ins Leben gerufen.

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Der Beitrag über die Entwicklung der Anilinproduktion passt gut zur diesjährigen Veranstaltung, weil sich zum 150. Mal der Beginn der Anilinölherstellung durch J.W. Weiler in (Köln-)Ehrenfeld jährt. Dies gilt als die historische Wurzel der Anilinherstellung der späteren Bayer AG. Ein weiterer Vortrag widmet sich den unternehmensökonomischen Perspektiven des Elementes Chlor, das infolge seiner vielfältigen Verwendung in der Produktion, den damit verbundenen Zwischen- und Endprodukten in der chemischen Industrie eine ganz wesentliche Rolle spielt.

Die Vorträge der internationalen Veranstaltung zeichnen die Wege des chemischen Wissens in den Norden nach Skandinavien, in den Süden nach Zentraleuropa, in den Westen bis hin nach Amerika und in den Osten nach Russland nach. Ein Themenblock widmet sich Robert Wilhelm Bunsen, der in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag feiert. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts forschte und lehrte Bunsen an der Universität Heidelberg, wo er jedes Jahr zahlreiche Studenten auch aus England, Russland und Amerika zu seinen Schülern zählte. Von diesen haben etliche in ihren Ländern eine Karriere als Wissenschaftler oder Unternehmer gemacht. Auch der russische Chemiker Dmitri Iwanowitsch Mendelejew verbrachte zwei Jahre in Heidelberg. Dort wollte er in Bunsens Institut arbeiten, doch empfand er es für seine Untersuchungen als nicht geeignet und richtete sich daher ein eigenes Labor in seiner Wohnung ein. Ein Grund dafür mag die Enttäuschung darüber gewesen sein, dass der Experimentalchemiker Bunsen kein Interesse an Mendelejews theoretischen Arbeit, der Systematik der Elemente, hatte. Mendelejew blieb in Heidelberg, weil diese Stadt eine Hochburg der Naturwissenschaften war und er gute Kontakte zu anderen Chemikern unterhalten konnte. Darunter war Emil Erlenmeyer, ein Schüler von Bunsen, der ihm später bei der Veröffentlichung seines Werkes "Periodensystem der Elemente" behilflich war.

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