Schnittverletzungen im Labor

Die Vorteile von Glas liegen in der Durchsichtigkeit, wodurch Veränderungen bei Reaktionsabläufen gut erkannt und verfolgt werden können. Glas hat außerdem eine relativ gute Beständigkeit gegenüber den meisten Chemikalien. Der Nachteil von Glas besteht in der geringen mechanischen Belastbarkeit und den scharfkantigen Scherben, die bei Glasbruch entstehen können. Der Umgang mit Glas ist eine der häufigsten Unfallursachen in Laboratorien.

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Schnittverletzungen im Labor

Von Michael Klosky*)

  1. M. Klosky, B.Sc., NOVIA GmbH. Dieser Artikel entstand unter der Federführung der Infraserv GmbH & Co. Höchst KG – Arbeits- und Gesundheitsschutz. E-Mail: Michael.Klosky@novia.de

Die Vorteile von Glas liegen in der Durchsichtigkeit, wodurch Veränderungen bei Reaktionsabläufen gut erkannt und verfolgt werden können. Glas hat außerdem eine relativ gute Beständigkeit gegenüber den meisten Chemikalien.

Der Nachteil von Glas besteht in der geringen mechanischen Belastbarkeit und den scharfkantigen Scherben, die bei Glasbruch entstehen können. Der Umgang mit Glas ist eine der häufigsten Unfallursachen in Laboratorien. Folgende Szenarien werden Ihnen sicherlich nicht fremd sein:

  • Mit einem Glasstab sollte Substanz im Kolben verrieben werden, dabei brach der Glasstab durch und verletzte den Mitarbeiter an der Hand.
  • Beim Spülvorgang ist ein Glasaufsatz vom Rundkolben abgebrochen und der Mitarbeiter schnitt sich am Finger.
  • Der Mitarbeiter hat sich beim Entsorgen eines gebrochenen Messkolbens an diesem verletzt.
  • Beim Einräumen eines Glasgeräts in den Laborschrank ist dieses zersplittert und die Mitarbeiterin hat sich eine Schnittverletzung zugezogen.
  • Beim Herausnehmen eines defekten Reagenzglases aus einer Schublade hat sich ein Mitarbeiter geschnitten.
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Glas sollte – soweit möglich – durch bruchsichere Materialien ersetzt werden. In der Praxis werden bereits Vorratsbehälter und Trichter aus Kunststoff verwendet sowie Rührstäbe aus Holz, Teflon oder Metall eingesetzt. Glas wird durch seine Vorteile im täglichen Gebrauch immer eine Rolle spielen. Unfälle durch Glas, meist Stich- und Schnittverletzungen, sind jedoch durch vorsichtige Handhabung und der Beachtung der sicheren Arbeitsweise vermeidbar.
Bei der Gestaltung des Laborarbeitsplatzes ist darauf zu achten, dass die Glasgeräte sicher gehandhabt werden können. Eine Anzahl ausreichender Schränke zur Aufbewahrung sollten zur Verfügung stehen. Durch zusätzliche Einlageböden und Innenschubkästen lässt sich die Funktionalität der Schränke verbessern. Glasgeräte sollten nur bis zur Griffhöhe in Schränken verstaut werden.

In Schubläden gelagerte Glasteile sind mittels entsprechender Einbauten (Abtrennungen gegen Bruch durch heftiges Auf- und Zumachen) zu sichern. Die Entnahme von Glasgeräten aus Schubladen bedarf besonderer Vorsicht.

Nicht selten werden Glasgeräte eingesetzt, die schon eine Schädigung z.B. ausgebrochene Kanten an Rändern bzw. Schliffverbindungen haben. Die Schäden entstehen häufig beim Reinigen in Spülmaschinen, da durch die mechanische Wirkung des Wasserstrahls die Glasgeräte bewegt werden. Um dieses leichte „Abheben“ und wieder „Aufsetzen“ bzw. Aneinanderstoßen von Glasteilen auszuschließen, ist bereits beim Einräumen in die Spülmaschine auf festen Sitz und ausreichenden Platz zu achten. Beim Ausräumen der Spülmaschine und vor jeder Neuverwendung sind die Glasgeräte auf eventuelle Beschädigungen zu überprüfen.

Nach fest kommt kaputt!
Auch beim Spülen mit der Hand – insbesondere mit Handschuhen – ist Vorsicht geboten, da die Glasteile aus der Hand rutschen können. Bei der Aufnahme der Scherben aus dem Becken kann es dann zu Schnittverletzungen kommen.

Beim Aufbau von Glasapparaturen ist darauf zu achten, dass Stativklammern z.B. mit Kork- oder Kunststoffbeschichtung verwendet werden, die die Glasteile schonend umfassen. Die Größe der Klammer ist entsprechend der Schliffgrößen auszuwählen. Die Apparaturen sind übersichtlich und spannungsfrei an festen Stativen aufzubauen. Hier gilt der Grundsatz: „Nach fest kommt kaputt!“. Bei größeren Apparaturen sollten Kugelschliffe anstatt Kegelschliffe verwendet werden. Schliffverbindungen sind mit speziellen Klammern zu sichern.

Beim Einsatz von Glasapparaturen mit Schliffverbindungen besteht die Gefahr, dass sich diese nicht einfach wieder lösen lassen. Eine sichere Methode, den Schliff wieder zu lösen, besteht darin, ihn zu erwärmen, wobei sich die Schliffhülse schneller ausdehnt als der Schliffkern. Nach einiger Zeit kann durch eine Drehbewegung mit nur leichtem Kraftaufwand die Verbindung gelöst werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Hände mit schnittfesten Handschuhen geschützt werden, da die Bruchgefahr der Glasgeräte nicht ausgeschlossen werden kann. Zur Vermeidung der festsitzenden Schliffe sind spezielle Fette bzw. Teflonhülsen zu verwenden.


Gefährliche Bruchkanten
Eine häufige Unfallursache ist das Aufschieben von Schläuchen auf Anschlüsse beispielsweise bei Kühlern und Gaseinleitungsrohren oder der Bruch der sogenannten Glasoliven. Das Befeuchten bzw. ein Tropfen Öl vereinfacht das Aufschieben der Schläuche auf die Glasansätze. Auch das Entfernen der Schläuche von den Glasteilen führt immer wieder zum Glasbruch und damit zu Verletzungen. Je länger die Schläuche auf diesen Anschlüssen verweilen, umso schwieriger kann deren Entfernung werden. Während (rote) Gummischläuche spröde werden und regelrecht auf dem Glasanschluss festkleben, werden PVC-Schläuche hart und verlieren an Elastizität.

Auch im Fall von Objektträgern besteht Gefahr, denn durch die geringe Glasstärke der Objektträger ist bei der Handhabe mit erhöhter Bruchgefahr zu rechnen. Dabei entstehende scharfe Glaskanten können schwere Schnittverletzungen verursachen.

Schon die Entnahme aus der Vorratsverpackung kann zu Schnittverletzungen führen. Beim Umgang ist besonders das „Einspannen“ am Mikroskop zu beachten. Hierbei können durch Ausbruch der Kanten bzw. Brechen des kompletten Objektträgers äußerst scharfe Kanten entstehen.

Zur Vermeidung von Unfällen sollten Objektträger mit schräg geschliffenen Kanten verwendet werden. Diese reduzieren die Gefahr von Schnittverletzungen erheblich.

Ein weiteres Gefahrenpotenzial besteht bei Glasscheiben. Sie werden nicht nur in Fenstern, sondern auch in Türen, Frontschiebern von Abzügen, Schranktüren etc. verwendet. Trotz der Verwendung von relativ stabilem vorgespanntem Glas, Verbundglas bzw. Drahtglas ist auch bei diesen Materialien die Bruchgefahr nicht ausgeschlossen. Obwohl die Scheibe nicht spontan auseinanderfällt, entstehen möglicherweise doch Sprünge und Risse mit Unebenheiten, die scharfkantige Oberflächen aufweisen (siehe Abbildung). Defekte Scheiben sind daher unverzüglich auszutauschen. Die Frontscheiben der Abzüge sind regelmäßig auf Beschädigungen zu prüfen, mindestens jedoch einmal jährlich.


Scherben bringen nicht immer Glück
Besondere Vorsicht ist beim Beseitigen von Glasscherben geboten. Häufig kommt es beim Anfassen der Scherben mit der ungeschützten Hand oder beim Aufnehmen der kleinen Splitter mit einem Lappen zu Verletzungen. Grundsätzlich sollten Glasscherben mit Schaufel und Besen aufgekehrt werden. Sollte das Aufnehmen der Splitter mit dem Besen nicht möglich sein, wird die Verwendung eines Staubsaugers empfohlen. Die aufgekehrten Glasscherben sind anschließend in einen festen Abfalleimer zu entsorgen. Der Abfalleimer ist in einen festen Sammelbehälter umzufüllen bzw. direkt in die Abfallmulde zu entleeren. Das Umfüllen von Abfällen mit spitzen und scharfkantigen Teilen in Kunststoffsäcke ist verboten, da die Gefahr von Unfällen mit Schnittverletzungen an den Händen bzw. an den Beinen besteht.

Wenn der Kontakt mit scharfkantigen oder zerbrochenen Glasteilen nicht ausgeschlossen werden kann, sind schnittfeste Schutzhandschuhe zu tragen. Die Schutzbrille schützt nicht nur vor Gefahrstoffspritzern, sondern grundsätzlich auch vor herumfliegenden Splittern, sollte doch mal ein Gefäß bersten.


Fazit
Der Werkstoff Glas ist im Laboralltag nicht wegzudenken. Mit entsprechender Umsichtigkeit und Vorsicht lassen sich Unfälle jedoch vermeiden! Dabei ist darauf zu achten, dass stets die sichere Arbeitsweise gewählt wird und wenn nötig geeignete persönliche Schutzausrüstung zum Schutz der eigenen Gesundheit eingesetzt wird.

Weitere Qualitätstipps finden Sie unter http://www.novia.de/qualitaets_tipps.de.

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