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Artikel und Hintergründe zum Thema

Pyrolyseöl-Qualität ist entscheidend

Chemisches Recycling von Kunststoffabfällen

Um die Lücken in der Kreislaufwirtschaft für Plastikmüll zu schließen, kommen neue chemische Recyclingtechnologien für Kunststoffe ins Spiel. Dabei ist die Pyrolyseöl-Qualität entscheidend für die weitere Verwendung.
© Meaw_stocker/adobe.stock.com

Um die Lücken in der Kreislaufwirtschaft für Plastikmüll zu schließen, kommen neue chemische Recyclingtechnologien für Kunststoffe ins Spiel. Dabei werden Kunststoffabfälle in chemische Grundstoffe und chemische Ausgangsmaterialien zurückverwandelt, so dass sie wiederverwendet werden können. Dem thermochemischen Recycling (die Pyrolyse) kommt eine Schlüsselrolle auf dem Weg zu einer Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe zu. Um die Qualität von Pyrolyseölen aus diesem Recycling-Prozess festzustellen, ist die Elementaranalytik eine geeignete Methode. Die CHNOS-Analyse kann genutzt werden, um chemische Recyclingtechniken zu beurteilen und zu verfeinern. Möglich ist beim chemischen Recycling schon viel, doch es wird kontrovers diskutiert.

Derzeit trägt Kunststoff in erheblichem Maße zur globalen Umweltkrise bei. Jährlich werden Millionen Tonnen Kunststoffe weggeworfen und gelangen oft in Form von Mikroplastik in den Boden, ins Grundwasser und in die Ozeane. Lediglich bis zu 20 % der weltweiten Kunststoffabfälle werden bislang überwiegend mechanisch recycelt und bleiben im Umlauf. Ein weiteres Problem: Das werkstoffliche Recycling führt häufig zu einem qualitativ schlechteren Produkt als bei Kunststoffen, die aus fossilen Rohstoffen hergestellt werden. Daher kann mechanisch recycelter Kunststoff nicht für medizinische Komponenten, Lebensmittelverpackungen und andere wichtige Kunststoffprodukte verwendet werden. Zudem können nicht alle Kunststoffabfälle mechanisch recycelt werden.

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Um die Lücken in der Kreislaufwirtschaft für Kunststoffabfälle zu schließen, kommen neue Recyclingtechnologien ins Spiel. Ein wichtiger Baustein kann dabei das chemische Recycling sein. Es umfasst verschiedene Verfahren zum Aufbereiten von Kunststoffabfällen in chemische Grundstoffe und chemische Ausgangsmaterialien. Die Polymerketten können dabei mit verschiedenen Methoden aufgespalten werden: durch Pyrolyse (Verflüssigung), die Umwandlung in Gas (Gasifizierung) oder die Zersetzung der Kunststoffe in ihre einzelnen chemischen Bausteine (Depolymerisation).

Das chemische Recycling steckt noch in den Kinderschuhen und wird derzeit kontrovers diskutiert. Kritiker betonen, dass die Verfahren geringe CO2-Reduktionen ausweisen und der Energiebedarf zu hoch sei. Auch Materialverluste und die Erzeugung giftiger Nebenprodukte werden angeführt. Beide Seiten versuchen gerade, durch Studien, ihren Standpunkt pro oder kontra chemisches Recycling zu untermauern. Kurz gesagt: Chemisches Recycling hat i. d. R. eine schlechtere Energiebilanz als das mechanische Recycling, ist aber umweltfreundlicher als Müllverbrennung.

Voraussichtlich wird kein Weg am chemischen Recycling vorbeiführen. In einer kürzlich durchgeführten VDMA-Interviewreihe zum Chemischen Recycling machte beispielsweise Prof. Dr. Manfred Renner, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT, deutlich: "Bei der Transformation zur Kreislaufwirtschaft ergänzen sich das chemische und das mechanische Recycling. Es gibt hier kein Entweder-oder, sondern immer nur ein Sowohl-als-auch. Beide Technologien werden gebraucht, wenn man den Kunststoff nach seiner Nutzung wieder als Rohstoff einsetzen möchte. Für das chemische Recycling gibt es vor allem zwei Einsatzgebiete: zum einen dort, wo das mechanische an seine Grenzen kommt. Wenn zum Beispiel der Aufwand für das Sortieren und Reinigen zu groß ist. Zum anderen kommt das chemische Recycling zum Zug, wenn Material bereits mehrmals mechanisch aufbereitet wurde. Denn mit jeder dieser Aufbereitungen verkürzen sich die Polymerketten und oft reichern sich auch Additive im Rezyklat an. Wenn man aber Material von hoher Qualität haben möchte, dann braucht man chemisches Recycling, damit man das Polymer in seine Bestandteile zerlegen und danach wieder zusammensetzen kann." [1]

Autor Moritz Kreinbihl neben einem CHNS-Analysator „vario EL cube“. © Elementar Analysensysteme

In einem aktuellen Positionspapier des Unternehmerforums Chemisches Recycling [2] werden neun Bereiche identifiziert, welche für das erfolgreiche Etablieren des chemischen Recyclings notwendig sind. Auch in diesem Papier heißt es, dass chemische Recyclingverfahren eine notwendige Ergänzung zu mechanischen und physikalischen Verfahren sind. Die Rahmenbedingungen in Deutschland seien jedoch aus Sicht der Verfasser nicht optimal für die Weiterentwicklung und Skalierung der Anlagen und Verfahren. Dies liege etwa an fehlenden Regulierungen zur Bestimmung des Abfall-Endes, fehlender Technologieoffenheit und offenen Fragen zur Massenbilanzierung.

Die Abfallwirtschaft in Deutschland hat 2021 laut Umweltbundesamt (UBA) fast 35 % aller gesammelten Kunststoffabfälle werkstofflich und 64 % energetisch verwertet (UBA, 2023). Lediglich 0,4 % wurden rohstofflich oder chemisch verwertet. Das Potenzial des chemischen Recyclings wird gegenwärtig also nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft.

Reinheitsanspruch an Pyrolyseöl

In den letzten Jahren hat sich vor allem das thermochemische Recycling (Pyrolyse) zu einer vielversprechenden Methode der chemischen Recyclingverfahren entwickelt. Bei dieser Methode werden organische Verbindungen in kleine Moleküle aufgespalten, indem der Kunststoff bei hoher Temperatur (300 °C bis 700 °C) und unter Ausschluss von Sauerstoff "gekocht" und in kürzere Kohlenwasserstoffketten gespalten wird. Dabei bilden sich ölartige Flüssigkeiten (Pyrolyseöl) und Gasgemische. Aus den Pyrolyseprodukten können beispielsweise neue Chemikalien und Materialien für hochwertige Kunststoffe hergestellt werden.

Im Sauerstoffanalysator „rapid OXY cube“ wird das zu untersuchende organische Probenmaterial bei 1 450 °C pyrolysiert und so der in der Probe enthaltene Sauerstoff in CO überführt, das dann detektiert wird. © Elementar Analysensysteme

Pyrolyseöl hat etwas andere Eigenschaften als fossiles Rohöl. Hohe Konzentrationen vonSchwefel, Stickstoff und Sauerstoff in recycelten Rohstoffen sind unerwünscht, da sie die Katalysatoren vergiften oder Korrosion in Raffinerieanlagen verursachen können. Um sicherzustellen, dass das recycelte Öl für die Weiterverarbeitung zu neuen Chemikalien, neuen Kunststoffprodukten oder Kraftstoffen geeignet ist, muss sein Gehalt an Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff und Schwefel (CHNOS) genau qualifiziert gemessen werden. Für solche Analysen für die Qualitätskontrolle von Pyrolyseöl können Elementaranalysatoren für CHNOS, wie "vario EL cube" und "rapid OXY cube®", eingesetzt werden. Durch thermische Zersetzung des Pyrolyseöls werden die CHNOS-Gehalte der Probe in die Zielanalytengase umgewandelt, die mit hochempfindlichen Detektoren gemessen werden, so dass sich die genaue chemische Zusammensetzung der recycelten Materialien bestimmen lässt. Das Gerät "vario EL cube" ist für die gleichzeitige Analyse von Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff und Schwefel ausgelegt und hat zusätzliche Optionen für die Bestimmung von Sauerstoff, Chlor und anorganischem Gesamtkohlenstoff (TIC). Öle enthalten sehr viel Kohlenstoff und Wasserstoff und wenig Stickstoff und Schwefel. Eine sehr gute Peakabtrennung ist daher entscheidend, um genaue analytische Daten zu erhalten. In dem Gerät kommen drei gasspezifische Adsorptionssäulen zum Einsatz. Hierdurch werden die einzelnen Zielanalyte in separaten Adsorptionssäulen aufgefangen, aufkonzentriert und einzeln freigegeben, wodurch auch sehr geringe Elementkonzentrationen zu ausgeprägten Peaks führen. Diese Peaktrennung passt sich dynamisch an jede einzelne Probe an, gerade bei der C-H-Peaktrennung von Ölproben. In den Analysegeräten verhindern beheizte Leitungen zudem die Kondensation von Wasserspuren im System, die sonst zu einer Falschquantifizierung von Wasserstoff und Schwefel führen.

Während CHNS-Analysen von fossilen Rohstoffen schon seit Jahrzehnten durchgeführt werden und Routine sind, ist die Notwendigkeit einer Sauerstoffanalyse neu und speziell mit recycelten Rohstoffen verbunden. Recyceltes Öl ist in der Regel stärker mit Sauerstoff angereichert als Rohöl. Daher kann die Kenntnis des genauen Sauerstoffgehalts bei der Entscheidung helfen, wie Rohöl und recyceltes Öl gemischt werden sollen, um einen für die Raffinerieverarbeitung akzeptablen Sauerstoffgehalt zu erreichen.

Um eine präzise Sauerstoffanalyse im niedrigen ppm-Bereich über die Kohlenmonoxid- Bestimmung zu ermöglichen, sind folgende Punkte essenziell: eine hohe Zersetzungstemperatur, damit der in der Probe enthaltenen Sauerstoff vollständig in den Zielanalyt CO umgewandelt wird und nicht in CO2 vorliegt und matrixunabhängige Analyseergebnisse erhalten werden. Außerdem ist zu beachten, dass Probenaufnahme und Quarzglas-Pyrolyse-Reaktor bei der Analyse zu schwankenden Sauerstoffblindwerten führen können. Dem wurde beim Sauerstoffanalysator "rapid OXY cube" durch eine spezielle Probenzufuhr-Methode und einen Pyrolysereaktor aus Glaskohlenstoff Rechnung getragen. Der Analysator liefert matrixunabhängige Ergebnisse, da die Pyrolyse der Proben bei 1 450 °C in einem Ofen mit einer besonders langen heißen Zone stattfindet. In der Standardkonfiguration wird Sauerstoff über die Bestimmung von Kohlenmonoxid (CO) durch einen Wärmeleitfähigkeitsdetektor nachgewiesen, im unteren ppm-Bereich kann auch ein IR-Detektor eingesetzt werden.

Fazit

Die Pyrolyse ist von zentraler Bedeutung auf dem Weg zu einer Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe. Elementaranalysatoren für die CHNOS-Analyse können dabei eine Schlüsselrolle bei der Verfeinerung chemischer Recyclingtechniken sowie bei der genauen Zuordnung von Recyclingkennzeichnungen zu Produkten übernehmen. Die CHNOS-Analyse von Pyrolyseöl kann auch bei der Optimierung von Pyrolysetechnologien helfen, denn sie bietet eine schnelle und einfache Möglichkeit zu überprüfen, ob kleine Veränderungen zu einem noch hochwertigeren Produkt führen.

Literatur
[1] "Es gibt nicht die eine Lösung im Recycling", Interview des VDMA e. V., Juni 2023, unter: www.vdma.org

[2] Unternehmerforum Chemisches Recycling: Handlungsfelder der Politik für die Rohstoffwende und die Transformation zu einer zirkulären Wirtschaft mittels chemischen Recyclings in Deutschland, Hrsg. THINKTANK Industrielle Ressourcenstrategien angesiedelt am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Juli 2023, unter: www.thinktank-irs.de

AUTOR
Moritz Kreinbihl
Elementar Analysensysteme GmbH
[email protected]
www.elementar.com

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