zurück zur Themenseite

Von Aufbewahren bis Reinigen

Für ein langes Pipettenleben

Sorgfältige Pflege und Handhabung von Pipetten ist von Bedeutung für das Pipettierergebnis und damit letztendlich auch für die Qualität von Forschungsergebnissen. Eine Spezialistin gibt eine ausführliche Anleitung zur Pipettenaufbewahrung, -pflege und -reinigung sowie Dekontamination bezogen auf Substanzen, die pipettiert werden.

© INTEGRA Biosciences

Die Entscheidung für eine Laufbahn in der Life-Science-Forschung entstammt in der Regel einer sehr großen Neugier und dem Wunsch, Probleme zu lösen – nicht einer Leidenschaft für Pipetten. Ein grundlegender Bestandteil vieler gängiger Arbeitsabläufe im Labor, und somit Teil der täglichen Arbeit in einer Forschungseinrichtung, ist jedoch – oft über viele Stunden hinweg – der Transfer von Flüssigkeiten in präzisen Mengen zwischen unterschiedlichen Laborgefäßen. Um trotz der Eintönigkeit solcher Tätigkeiten zuverlässige Ergebnisse zu erzielen, sind zwei Dinge erforderlich: die richtige Pipettiertechnik und die ordnungsgemäße Instandhaltung der Instrumente.

Ständig wachsende Arbeitsanforderungen und hoher Zeitdruck, der heutzutage in vielen Forschungslaboren herrscht, können leicht zur Vernachlässigung der sorgfältigen Pflege und Handhabung von Pipetten führen. Dadurch kann es zu übermäßigem Verschleiß kommen, der im Laufe der Zeit die Qualität der Forschungsergebnisse beeinträchtigen und kostspielige Reparaturen nach sich ziehen kann. Im Folgenden gibt es umfassende Anleitungen zur richtigen Pipettenpflege. Dabei wird auf alle Aspekte eingegangen, von der richtigen Lagerung bis hin zur regelmäßigen Kalibrierung.

Anzeige

Aufbewahrung von Pipetten

Korrekte Pipettiertechnik und sorgfältige Handhabung sind nicht nur für zuverlässige Ergebnisse wichtig, sondern es können auch Schäden durch übermäßigen Verschleiß verhindert werden. Viele Forschende sind sich jedoch nicht bewusst, wie wichtig die korrekte Aufbewahrung von Pipetten für ihre Arbeit ist. Die Umsetzung der folgenden Empfehlungen kostet über den Arbeitstag gesehen höchsten ein paar Sekunden, kann jedoch die Lebensdauer der Pipetten deutlich verlängern.

Pipetten immer auf einem Ständer lagern

Pipetten sollten grundsätzlich in einem Pipettenständer aufbewahrt werden. © INTEGRA Biosciences

Pipettenständer sind nicht nur nützlich, um im Labor für ordentliche Arbeitsflächen zu sorgen, sondern sie schützen Pipetten auch davor, durch verschüttete Flüssigkeiten beschädigt oder versehentlich von der Arbeitsfläche gestoßen zu werden. Manche Ständer erfüllen zudem eine Doppelfunktion und dienen als Ladestation für elektronische Pipetten, so dass diese stets ausreichend aufgeladen sind. Auch andere Probleme können entstehen, wenn Pipetten einfach auf der Arbeitsfläche abgelegt werden. Wenn sich etwa das Kolbenschmiermittel auf einer Seite sammelt, kann dies im Gerät zu Verschleiß führen. Auch können Kolben aus dem Lot geraten, was die Kalibrierung des Instruments beeinträchtigen kann. Schließlich können Restflüssigkeiten im Instrument in das Gehäuse gelangen und dort Korrosion oder sonstige Schäden verursachen.

Pipettenspitzen entfernen

Pipetten sollten – auch bei äußerst kurzen Arbeitsunterbrechungen – nie mit aufgesteckter Pipettenspitze beiseitegelegt werden. Restflüssigkeit in der Spitze könnte durch Verdunstung in das Gehäuse gelangen und darin Schäden verursachen.

Maximalvolumen einstellen

Nach Arbeitsende sind manuelle Pipetten immer auf ihr Maximalvolumen einzustellen. Dadurch kehrt die Feder in die am wenigsten belastete Position zurück, was zu einer längeren Lebensdauer der Pipette beiträgt. [1]

Reinigen von Pipetten

Viele Forschende denken nach Abschluss einer Reihe von Experimenten, die mehrere Wochen oder Monate in Anspruch genommen hat, sofort über ihr nächstes Projekt nach, anstatt ihre Pipetten vollständig zu zerlegen und gründlich zu reinigen. Diese Aufgabe sollte jedoch nicht zu lange aufgeschoben werden. Pipetten zählen zu den wichtigsten Instrumenten in Forschungslaboren und verdienen eine sorgfältige Pflege, um langfristig präzise zu funktionieren.

Reinigung außen:
Die Reinigung der Außenseite von Pipetten ist schnell und einfach erledigt und lässt sich mühelos in den Arbeitsalltag integrieren. In der Regel reicht es aus, das Instrument mit einem mit 70-prozentigen Ethanol befeuchteten fusselfreien Tuch abzuwischen. Allerdings empfiehlt es sich im Vorfeld stets, die chemische Verträglichkeit der Pipetten damit zu prüfen.

Reinigung innen:
Die meisten Hersteller empfehlen, Mehrkanalpipetten nur von speziell geschultem Personal zerlegen und reinigen zu lassen. Die Reinigung von Einkanalpipetten, die regelmäßig erfolgen sollte, kann jedoch in fünf einfachen Schritten durchgeführt werden [2–5]:

  • Pipette zerlegen: Die meisten Modelle müssen in Ober- und Unterteil zerlegt werden, um den O-Ring und den Kolben zu entfernen. Laborpersonal sollte jedoch unbedingt die Bedienungsanleitung beachten, um zu erfahren, wie ihre Pipette vollständig und richtig zerlegt wird.
  • Mit destilliertem Wasser abtupfen: alle Komponenten mit einem in destilliertem Wasser getränkten Wattetupfer reinigen und dabei Verschmutzungen in Luftkanälen gründlich entfernen.
  • Instandhaltungskontrolle vornehmen: Nach der Reinigung müssen alle Komponenten einzeln auf sichtbare Schäden inspiziert und ggf. ersetzt werden. Darüber hinaus empfiehlt es sich, die O-Ringe und Dichtungen bei jeder Inspektion zu ersetzen.
  • Alle Komponenten trocknen: Anschließend sind alle Komponenten auf einer sauberen Fläche auszulegen, bis sie an der Luft vollständig getrocknet sind.
  • Kolben schmieren: Die Angaben zu den geeigneten Schmiermitteln und Hinweise für deren Anwendung sind in der Regel der Bedienungsanleitung zu entnehmen. Wenn keine konkrete Empfehlung enthalten ist, sollte ein speziell für Pipetten vorgesehenes Schmiermittel verwendet werden, da andere Schmiermittel unterschiedliche Zusammensetzungen aufweisen und eventuell ungeeignet sind.
  • Pipette zusammenbauen: Vor dem Zusammenbau müssen alle Pipettenkomponenten fussel- bzw. staubfrei sein.
  • Funktionsprüfung durchführen:Mit einer Dichtheits- und Volumenprüfung ist nach der Reinigung sicherzustellen, dass die Pipette ordnungsgemäß funktioniert. Hierfür gibt es Schritt-für-Schritt-Anleitungen.

Dekontaminierung

Gelegentlich können Pipetten mit Flüssigkeiten kontaminiert werden, wenn etwa beim Ansaugen von Flüssigkeit das zulässige Volumen überschritten wird, Pipetten mit Flüssigkeit in der Spitze auf dem Labortisch abgelegt oder ungefilterte Spitzen zum Pipettieren von RNA/DNA-Lösungen verwendet werden. Auch bei größter Sorgfalt des Laborpersonals kann es versehentlich zu solchen Vorfällen kommen, daher empfiehlt es sich, mit den Dekontaminierungsschritten vertraut zu sein. Um Kreuzkontaminationen zu verhindern, müssen Pipetten nach dem obigen Reinigungsverfahren auseinandergebaut werden, wobei nach dem Zerlegen weitere Dekontaminierungsschritte durchführt werden müssen.

In der Tabelle (s. unten am Ende dieses Artikels) sind die häufigsten kontaminierenden Substanzen sowie die jeweils erforderlichen Dekontaminationsschritte aufgeführt. Vorher muss die chemische Verträglichkeit der Pipetten mit den Dekontaminierungsmitteln geprüft werden.

Sinn und Zweck einer regelmäßigen Kalibrierung

Auch Pipetten, die stets mit Sorgfalt behandelt, ordnungsgemäß gelagert und regelmäßig gereinigt werden, müssen regelmäßig – je nach Anforderungen der Arbeitsabläufe im Labor alle sechs bis 12 Monate – vom Hersteller oder einem Spezialunternehmen kalibriert werden. Das konsequente Erfassen der erfolgten Kalibrierungen ist wichtig, damit der Fälligkeitstermin der nächsten Kalibrierung nicht verpasst wird. Manche elektronischen Pipetten und entsprechende Softwareanwendungen bieten sogar die Möglichkeit, Kalibrierungserinnerungen einzustellen bzw. die Servicechronik aufzuzeichnen, um den Überblick zu behalten.

Mit regelmäßiger Kalibrierung wird die Präzision und Genauigkeit von Pipetten sichergestellt und potenzielle Probleme können frühzeitiger erkannt werden. So können Defekte behoben werden, bevor kostspieligere Reparaturen oder gar ein Austausch erforderlich werden. Durch die Einhaltung dieser einfachen Richtlinien können eine optimale Pipettenleistung über viele Jahre hinweg aufrechterhalten und zuverlässige Ergebnisse erreicht werden.

Fazit

Mit einfachen Schritten können Pipettennutzer dafür sorgen, dass Pipetten langfristig präzise funktionieren und über viele Jahre hinweg zuverlässige Ergebnisse liefern. Für eine optimale Pflege der Pipetten ist es wichtig, dass für jede Pipette ein Ständer vorhanden ist und ein Plan für die regelmäßige Reinigung, Instandhaltung und Kalibrierung vorliegt, der auch eingehalten wird.

Literaturangaben
[1] Bryant, S. (2017). How should I store my micropipettes? https://camblab.info/how-should- i-store-my-micropipettes
[2] Integra Biosciences (2020). Bedienungsanleitung Manuelle EVOLVE-Pipetten. https://www.integra-biosciences.com/deutschland-oesterreich/de/manuelle-pipetten/evolve#downloads
[3] Integra Biosciences (2020). Bedienungsanleitung VIAFLO/VOYAGER Elektronische Pipetten. https://http://www.integra-biosciences.com/ deutschland-oesterreich/de/elektronische- pipetten/viaflo#downloads
[4] Paul C. (2014). Take Care of Your Tools: How to Clean a Pipette. https://bitesizebio.com/20270/take-care-of-your-tools-how-to-clean-a-pipette
[5] Koeman K. (2017). Pipette Maintenance 101: Learn How to Properly Clean Pipettes. https://ttelaboratories.com/pipette-maintenance-101-learn-how-to-properly-clean-pipettes

AUTORIN
Marlene Frank
INTEGRA Biosciences AG, CH-7205 Zizers
Tel.: +41 81 286 95 55
info@integra-biosciences.com
www.integra-biosciences.com

Anzeige
706.3 KB
Tabelle: Dekontaminierung von PipettenDekontaminierungsschritte bezogen auf die kontaminierende Substanz
zurück zur Themenseite

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Automatisiertes Liquid Handling

Modulares System

Das System Lambda Omnicoll kann für Liquid-Handling-Prozesse in unterschiedlichen Anwendungen als Fraktions- oder Probensammler eingesetzt werden: zum Befüllen von Gefäßen, Mikrotiterplatten, Reagenzgläsern, Zentrifugalröhrchen, Flaschen und...

mehr...

Ein risikobasierter Ansatz

Pipettenleistung überprüfen

Für eine gleichbleibende Qualität und Genauigkeit von Pipettiervolumina müssen Pipetten regelmäßig geprüft und kalibriert werden. Ggf. könnten Maßnahmen hierzu und deren Häufigkeit bezogen auf die jeweilige Anwendung risikobasiert bewertet und...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Newsletter bestellen

Immer auf dem Laufenden mit dem LABO Newsletter

Aktuelle Unternehmensnachrichten, Produktnews und Innovationen kostenfrei in Ihrer Mailbox.

AGB und Datenschutz gelesen und bestätigt.
Zur Startseite