Industrielle Mikrobiologie
Paul Scholz erhält den VAAM-Innovationspreis 2023
Dr. Paul Scholz, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Brain Biotech AG, erhält den Innovationspreis 2023 der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM).
Der Biologe identifizierte und charakterisierte mit seinem Team eine neuartige Familie von CRISPR-Nukleasen und beschrieb den alternativen Mechanismus sowie Einsatzmöglichkeiten in verschiedenen Anwendungsbereichen. Die VAAM zeichnet damit zum zweiten Mal angewandte mikrobiologische Forschungsleistungen aus. Den Innovationspreis nahm Dr. Paul Scholz am 12. September 2023 im Rahmen der Jahrestagung der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) in Göttingen entgegen.
Gemeinsam mit seinem wissenschaftlichen Team konnte Scholz in verschiedenen Experimenten ein effizientes Genom-Editing in verschiedenen Organismen bzw. Zellarten – darunter Bakterien und Säugetierzellen – zeigen. Der Wissenschaftler entdeckte unter anderem eine als "G-dase E®" bezeichnete Nuklease und beschrieb deren enzymatischen Mechanismus, der sich von dem Mechanismus bisher bekannter CRISPR-Systeme unterscheidet. Die zum Patent angemeldete "G-dase E®" zerstört nach dem Erkennen von Veränderungen im Transkriptom der behandelten Zellen deren gesamte DNA und RNA, was den unmittelbaren Tod der Zelle zur Folge hat. Das könnte einen neuen Lösungsansatz für verschiedene medizinische Anforderungen, z. B. in der Krebstherapie bieten. Scholz und das Team von Akribion Genomics haben sich zum Ziel gesetzt, diese Technologie für die Entwicklung von Therapeutika nutzbar zu machen. Die Ausgründung und erweiterte Finanzierung von Akribion Genomics in eine dedizierte Tochtergesellschaft ist nach Unternehmensangaben von Brain Biotech aktuell in Vorbereitung.
Anwendungspotenzial für die Life Sciences
Adriaan Moelker, CEO der BRAIN Biotech AG, kommentiert die Verleihung des Innovationspreises: „Wir freuen uns und sind stolz darauf, dass die Forschungsarbeiten von Paul Scholz zu neuen CRISPR-Nukleasen von der VAAM als Innovation gewürdigt werden. Wir sind davon überzeugt, dass seine Entdeckungen ein enormes Potenzial für neuartige Krebstherapien, aber auch für weitere medizinische und andere Life-Sciences-Anwendungen haben.“
Dr. Michael Krohn, einer der beiden designierten Geschäftsführer von Akribion Genomics, sagt: „Unser gesamtes Team fühlt sich durch die Verleihung des VAAM-Innovationspreises an Paul geehrt. Wir sind davon überzeugt, dass unsere G-dase-Nukleasen-basierte Technologieplattform Therapien revolutionieren kann, insbesondere solche in der Onkologie. Deshalb arbeiten wir im Labor mit Hochdruck an der Zerstörung von Krebszellen.“ Krohn weiter: „Unserer Muttergesellschaft Brain Biotech AG danken wir für die uneingeschränkte Unterstützung bei unserer Grundlagenforschung und der Entwicklung in Richtung Genom-Editing und zu therapeutischen Anwendungen. Jetzt sehen wir mit Spannung erweiterten Kooperationen auch mit externen Unternehmen entgegen sowie zusätzlichen Investitionen in die beschleunigte Weiterentwicklung unserer Technologie.“
Die VAAM schreibt den VAAM-Innovationspreis alle zwei Jahre für herausragende aktuelle Arbeiten auf dem Gebiet der industriellen Mikrobiologie aus. (In diesem Jahr wird der mit 5.000 Euro dotierte VAAM-Innovationspreis von Evonik Operations GmbH unterstützt.) In ihrer Begründung zur Preisvergabe hob die Jury besonders die Expertise von Paul Scholz in den Bereichen Bioinformatik, Protein-Engineering und Zellphysiologie hervor, da die neuen Nukleasen auch in industriell genutzten Mikroorganismen eingesetzt werden können. Nicht nur die durch Publikationen und Patente belegte wissenschaftliche Exzellenz von Scholz, sondern auch das große Anwendungspotenzial seiner Forschungsarbeiten hatte die Jury überzeugt: „Diese umfassende Entwicklung hat Paul Scholz zielgerichtet verfolgt und umgesetzt“, so VAAM-Vizepräsident Prof. Dr. Stefan Pelzer in seiner Laudatio.
Zum Preisträger
Dr. Paul Scholz ist Leiter der Technologieplattform für Angewandte Bioinformatik sowie Wissenschaftlicher Leiter der Genome-Editing-Entwicklung der Brain Biotech AG in Zwingenberg. Er studierte Biologie an den Universitäten Köln und Bochum. 2015 promovierte er bei Prof. Dr. Dr. Hanns Hatt am Lehrstuhl für Zellphysiologie der Universität Bochum.
Quellen: VAAM; BRAIN Biotech









