Editorial

Mehr Licht am Ende des Tunnels

Als sich Professor Dr. Gerhard Keysa, Geschäftsführer der DECHEMA e.V., auf der schon traditionellen Internationalen Pressekonferenz kurz vor der offiziellen Eröffnung der ACHEMA recht zuversichtlich im Hinblick auf die zu erwartende Besucheranzahl gab, blickten doch etliche meiner schreibenden Kollegen und ich – liebe LABO-Leser – etwas skeptisch in die Runde. Schließlich hatten die diesjährige CeBIT und Hannover Messe Industrie ganz andere Zeichen gesetzt, nämlich deutlich weniger Besucher.

Um es gleich vorwegzunehmen: Professor Kreysa sollte Recht behalten. Mit mehr als 173000 Gästen kamen fast genau so viele wie beim letzten Mal. Schon am ersten Tag, als ich vorsichtshalber mit der S-Bahn, vom Taunus kommend, zum Messegelände fuhr, sah ich den vertrauten Stau auf der von Wiesbaden zum Frankfurter Messegelände führenden Autobahn. Denn die Staulänge ist schon eine Art von „Besucherbarometer“. Auch vor den Rolltreppen vom S-Bahnhof hoch ins sogenannte Torhaus standen Trauben von Leuten, die an den beiden drauffolgenden Tagen noch größer waren. Die belegte Ausstellungsfläche von rund 134000 m² entsprach ebenfalls ungefähr der von 2006 und kann in diesen Zeiten als Erfolg gewertet werden.

Rund 47 % der Aussteller und 28 % der Besucher kamen aus dem Ausland. Die ACHEMA 2009 war damit internationaler als je zuvor und ein Beleg dafür, dass die Globalisierung weiter voranschreitet. Auf den Plätzen 7 und 8 der ausländischen Aussteller landeten inzwischen China und Indien. Die Zahl der chinesischen Aussteller hat sich damit gegenüber 2006 verdoppelt! Dass dort auch einige Plagiate zu sehen waren, sei nur am Rande erwähnt…
Neben den Exponaten stand zwangsläufig die aktuelle wirtschaftliche Lage mit im Mittelpunkt meiner Gespräche. Gejammert wurde – wie eigentlich erwartet – zwar auch, aber das war eher die Ausnahme als die Regel. Denn die meisten Gesprächspartner blickten doch erstaunlich zuversichtlich in die Zukunft. Die Talsohle sei anscheinend erreicht. Jetzt könne es eigentlich nur aufwärts gehen. Über das Tempo gab es allerdings recht unterschiedliche Ansichten. Den dazu passenden und berühmten Blick nach vorne richtete Professor Kreysa bei Toresschluss: „Aussteller und Besucher haben Präsenz gezeigt und damit ein Signal über die ACHEMA hinaus gesetzt: Unsere Branchen wollen anpacken und die Krise hinter sich lassen.“

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Das Wetter meinte es übrigens ebenfalls gut: Es war nämlich für ACHEMA-Verhältnisse schlecht, so dass die Hallen nicht – wie schon so oft – zu tropischen Gewächshäusern mutierten. Und eine kleine Anekdote, die Professor Kreysa am Ende seines Statements auf der oben erwähnten Pressekonferenz erzählte und von seinen Reisen mitbrachte, möchte ich Ihnen hier nicht vorenthalten. Im Ausland seien die Deutschen ja für ihre Ingenieurskunst geachtet. Frage: Was machen die Deutschen, wenn sie Licht am Ende des Tunnels sehen? Antwort: Sie verlängern den Tunnel!

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