Editorial

Stammzellforschung

Wie schnell – liebe LABO-Leser – doch die Zeit vergeht, wurde mir die Tage einmal wieder gewahr, als ich las, dass das Klonschaf „Dolly“ inzwischen zehn Jahre alt geworden wäre. Seither hat sich der Klonzoo schon deutlich vermehrt. Hund und Katze, Maus, Kuh und Pferd, die Liste wird garantiert noch viel länger werden. Beim Menschen gelang es aber noch nicht. Denn dass der südkoreanische Wissenschaftler, der vor drei Jahren behauptete, einen Menschen geklont zu haben, log und betrog, das ist ja wohl hinlänglich bekannt.

Allerdings muss man beim Klonen zwei Arten unterscheiden: Das reproduktive und das therapeutische Klonen. Erstgenanntes dient, wie der Name schon sagt, der Erzeugung genetisch identischer Individuen wie bei Dolly. Die überwältigende Mehrheit der Wissenschaftsgemeinde (Ausnahmen wie oben bestätigen auch hier die Regel) ist sich glücklicherweise einig, dass das reproduktive Klonen eines Menschen aus vielerlei Gründen ethisch nicht vertretbar ist. In Deutschland wurde es deshalb strikt verboten.

Beim therapeutischen Klonen aber gehen die Meinungen auseinander. Denn dabei wird ein Embryo genutzt, um daraus Stammzellen zu erzeugen. Um dieses zu bewerkstelligen, wird in eine entkernte Eizelle das Erbmaterial eines Patienten eingeschleust. Nach mehrmaligem Teilen der Eizelle können dann daraus die gern als biologische Alleskönner bezeichneten embryonalen Stammzellen gewonnen werden. Endziel ist es, aus diesen wiederum körpereigenes neues Gewebe von Patienten (beispielsweise Herzmuskel oder Nerven) züchten zu können, was folglich vom Immunsystem nicht als artfremd angesehen und daher auch nicht abgestoßen wird. Beim Menschen selbst ist das Klonen zu Therapiezwecken noch nicht geglückt, aber bei einem unserer engsten Verwandten – dem Rhesusaffen –, wie kürzlich berichtet wurde. Doch von der Stammzelle zum Ersatzorgan ist es noch ein sehr weiter Weg.

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Wie ich in meinem Editorial im Juni schon schrieb, gibt es ja noch einen anderen Weg, solche pluripotenten Stammzellen zu gewinnen, und auch da inzwischen weitere Fortschritte: Das Reprogrammieren von Körperzellen, was dieses Frühjahr bei Hautzellen von Mäusen schon gelang und kürzlich auch bei menschlichen Hautzellen geglückt sein soll. Hier gibt es kaum ethische Bedenken, dafür aber viele andere noch ungelöste Probleme, auf die an dieser Stelle aber nicht mehr näher eingegangen werden soll.

Welche der beiden Techniken sich letztendlich durchsetzt, das kann zurzeit noch niemand abschätzen. Denn an beiden Methoden wird fieberhaft weitergearbeitet. Eines aber ist schon seit Heinz Erhardts Zeiten ganz sicher: „Das Leben entspringt auf alle Fälle aus einer Zelle. Doch manchmal endet´s auch bei Strolchen in einer solchen.“ Und damit wünsche ich Ihnen im Namen des gesamten LABO-Teams frohe Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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