9. Internationaler Kongress „Forum Life Science“

Das Öl der Zukunft

Wasser, fruchtbare Böden und fossile Ressourcen stehen der wachsenden Weltbevölkerung nicht unbegrenzt zur Verfügung. Dabei bilden sie nicht nur die Grundlage für Nahrungsmittel, sondern auch für die Energieversorgung und für Ausgangsmaterialien zur Herstellung von Kunststoffen und Chemiefasern.

So wird z. B. Phosphat zusehends knapp, ist aber als Bestandteil von Dünger wichtig in der Landwirtschaft. Das gilt auch für Seltene Erden, die für die Herstellung von High-Tech-Materialien in Produkten wie Flachbildschirmen, Windrädern und Hybridfahrzeugen benötigt werden. Europa ist größtenteils von Importen abhängig.

Abhilfe können neue Verfahren und biotechnologische Methoden schaffen, welche wertvolle Rohstoffe aus Abwässern und Abfällen rückgewinnen. „Green Mining“ und „Bioleaching“ sind zwei von vielen Themen auf dem 9. Internationalen Kongress „Forum Life Science“ an der Technischen Universität München.

Neben den genannten Themen, zu denen die Unternehmen B.R.A.I.N. und Fritzmeier Umwelttechnik referieren, treffen sich vom 11. bis 12. März 2015 Experten in Garching, um Konzepte und Lösungsansätze in der Vortragsreihe „Industrielle Biotechnologie“ vorzustellen.

Weitere hochkarätige Referenten berichten über politische Rahmenbedingungen und Kooperationen in der Bioökonomie, neue Verfahren und Bioraffineriekonzepte für die Produktion von biobasierten Chemikalien und den Einsatz von biotechnologischen Methoden zur Bereitstellung von Industrieenzymen und neuen biokatalytischen Verfahren. Zugesagt habe Vertreter der Unternehmen Animox, BASF, Clariant, Corbion, Deutsche Lufthansa, Evocatal, Evonik, Fuchs Europe Schmierstoffe, Linde Engineering, Novamont, Procter & Gamble, aus der Europäischen Kommission und vom Biobased Industry Consortium sowie von wissenschaftlichen Einrichtungen wie dem Fraunhofer-Institut IZI und der Technischen Universität München. Nachfolgend sind Beispiele aus dem Programm näher vorgestellt.

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Konzepte zur Nutzung nachwachsender Rohstoffe
Bioraffinerien stellen das Herzstück für eine nachhaltige Nutzung nachwachsender Rohstoffe dar. Lignozellulose, Agrarreststoffe oder Gras sollen als Rohstoffe möglichst ganzheitlich genutzt und zu hochwertigen Materialien und Ausgangsstoffen für die chemische Industrie umgewandelt werden.

Im Rahmen des Joint Ventures zwischen den italienischen Unternehmen Versalis und Novamont wurde eine stillgelegte Erdölraffinerie in eine Bioraffinerie umgerüstet. Mittlerweile werden verschiedene Grundchemikalien für Anwendungen in der Chemie, Kunststoffverarbeitung, im Konsumgüter- und Kosmetikbereich produziert. Die Besonderheit ist die Integration der regionalen Agrarwirtschaft. Als Rohstoff dienen Disteln, die keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion darstellen, Reste aus der Olivenöl-Produktion und gebrauchtes Speiseöl. In seinem Vortrag berichtet Stefano Facco, Novamont, wie dieser Umbau unter Einbeziehung der verschiedenen Partner gelungen ist.

Eine wachsende Zahl von Unternehmen setzt auf biobasierte Materialien für ihre Produkte. Mit dem „Mass-Balance-Verfahren" der BASF ist es möglich, erneuerbare Rohstoffe im bestehenden Produktionsverbund zu nutzen. Dabei wird Biomasse, z.B. Biogas oder Bio-Naphtha, anstelle fossiler Ressourcen am Anfang der Wertschöpfungskette als Rohstoff eingespeist und kann damit später den jeweiligen Produkten definiert zugeordnet werden.

Dr. Marianna Pierobon, BASF SE, stellt das Verfahren vor, das bereits für Superabsorber, technische Kunststoffe und Dispersionen eingesetzt wurde. So kann je nach Kundenwunsch der Anteil an nachwachsenden Rohstoffen bei gleicher Produktqualität zwischen 25 und 100 % liegen.

Biokraftstoffe der zweiten Generation
Das Spezialchemieunternehmen Clariant setzt mit seinem Biotech & Renewables Center den Schwerpunkt auf Entwicklung und Herstellung biobasierter Chemikalien und Kraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen. Prof. Andre Koltermann, Clariant Produkte Deutschland, stellt Neuerungen im sunliquid-Prozess und die Nutzung von Zellulose-Ethanol als E20-Kraftstoff vor. Dieser Bioethanol der zweiten Generation wird in der Pilotanlage in Straubing produziert.

Die Luftverkehrswirtschaft hat sich u.a. selbst dazu verpflichtet, die CO2-Emissionen bis 2050 um 50 % gegenüber 2005 zu reduzieren. Die Lufthansa setzt dabei auch auf Biokraftstoffe, um Kerosin langfristig zu ersetzen und eine verbesserte CO2-Bilanz zu erreichen. Dr. Alexander Zschocke, Deutsche Lufthansa, berichtet über Kooperationen mit verschiedenen Partnern und über Projekte, bei denen unterschiedliche biobasierte Treibstoffarten evaluiert werden. Im Test befindlich ist zum Beispiel Bio-Isobutanol, welches das US-amerikanische Biotech-Unternehmen Gevo mit dem „Alcohol-to-Jet“-Verfahren herstellt.

Die Gewinnung von Biokerosin aus Mikroalgen ist ein Verfahren, das noch am Beginn der Entwicklung steht. EADS und die Technische Universität München arbeiten eng zusammen und haben am Innovationscampus in Ottobrunn ein „Algentechnikum“ errichtet. Dort sollen Wachstumsbedingungen und Algengewinnung untersucht und Machbarkeitsstudien unter verschiedenen klimatischen Bedingungen durchgeführt werden. Erneuerbare Flugkraftstoffe ließen sich in Zukunft dann dezentral unter den jeweiligen optimalen Voraussetzungen produzieren. Aktuelle Fortschritte bei der Skalierung der Produktion vom Labor- in den technischen Maßstab im Rahmen des „AlgenFlugKraft“-Projekts präsentiert Prof. Thomas Brück, Technische Universität München.

Der Kongress
Neben dem Themenblock „Industrial Biotechnology“ stellt die Vortragsreihe „Pharma Development“ ebenfalls innovative Anwendungsfelder der Life-Science-Technologien vor. Behandelt werden Trends und Strategien in der Pharma-Entwicklung, neue Ansätze in der Immunonkologie und der Impfstoffentwicklung sowie zell- oder DNA/RNA-basierte Therapieoptionen. „Food & Nutrition“ präsentiert Wissenschaftstrends in Ernährung und Gesundheit, personalisierte Lösungen und Perspektiven der Nahrungsmittelversorgung sowie Aspekte der Lebensmittelsicherheit.

Mehr als 60 Referenten aus Europa, Thailand, den USA und Kanada konnten für Vorträge gewonnen werden; erwartet werden wie im Jahr 2013 wieder rund 1000 Teilnehmer. Erneut verleihen die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) e. V. und Roche als Sponsor den German Life Science Award an talentierte Nachwuchsforscher aus den Biowissenschaften.

Eine große Fach- und Posterausstellung ergänzt das Programm
Dieser im Abstand von zwei Jahren ausgerichtete internationale Kongress bietet direkten Kontakt zu Experten und Anwendern der Biotech-, Chemie-, Pharma- und Lebensmittelindustrie sowie der Medizin. Er vermittelt Information über neueste Entwicklungen, Trends, Strategien und Märkte und ermöglicht den aktiven Erfahrungsaustausch. Daraus lassen sich gezielt neue interdisziplinäre Kooperationen anbahnen – für die nächste Generation innovativer Produkte in den Life Sciences.

Der Kongress wird von der Bayern Innovativ GmbH, Gesellschaft für Innovation und Wissenstransfer des Freistaates, konzipiert und organisiert und durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Energie, Medien und Technologie gefördert. Mit dem Kongress werden auch die Ziele der Cluster-Offensive mit den bayernweiten Clustern Biotechnologie, Ernährung und Chemie unterstützt.

Das vollständige Programm und weitere Informationen zum Kongress finden Sie unter www.bayern-innovativ.de/fls2015.

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