Labo Online - Analytic, Labortechnik, Life Sciences
Home> Wirtschaft + Wissenschaft> Archiv>

Ab in die Falle: Projekt zur Bekämpfung der Kirschessigfliege

Mit Licht, Duft und Strom gegen SchädlingeAb in die Falle: Projekt zur Bekämpfung der Kirschessigfliege

Hat sie eine Fläche befallen, drohen Total-Ernteausfälle: Die Kirschessigfliege macht Landwirten und Winzern das Leben schwer. Aufgrund des Klimawandels breitet sich die aus Asien eingeschleppte Fliege auch in Deutschland immer weiter aus. Umweltschonend kann sie bisher nicht bekämpft werden. Bestehende Mittel sind entweder nicht wirksam oder töten zu viele andere Insekten.

sep
sep
sep
sep
Blaue Weintrauben an Reben

Mit Licht und Düften will die Firma 3win Maschinenbau (Aachen) nun gemeinsam mit Forschern der Universität Hohenheim eine spezielle Falle entwickeln, die die Fliegen anlockt und abtötet. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt das Projekt fachlich und finanziell mit rund 300.000 Euro. „Zielgerichtet schützen wir so die Obst- und Rebenbestände vor dieser eingewanderten Art und schonen zeitgleich andere Insekten. Damit tragen wir zum Erhalt der Artenvielfalt bei und helfen den betroffenen Produzenten“, so der stellvertretende Generalsekretär der DBU, Prof. Dr. Werner Wahmhoff.

Zielinsekt ohne Beifang töten
Bisherige Ansätze, die Schädlinge zu bekämpfen, seien nicht zufriedenstellend, betont auch DBU-Experte Dr. Holger Wurl. Bekannte Abwehrstoffe zeigten nicht die gewünschte Wirkung, sodass die Fliegen weiterhin ihre Eier in reifen Früchten ablegten. Wirksame Bekämpfungsmittel gegen die eingewanderte Art gefährdeten hingegen auch nützliche Insekten wie Bienen und führten so zu weniger Biodiversität. Fallen würden bisher nur zur Beobachtung genutzt. Massenfang gelte als zu teuer. Um nun allein die Kirschessigfliege zu bekämpfen und gleichzeitig andere Insekten zu schonen, plant 3win Maschinenbau gemeinsam mit der Universität Hohenheim eine umweltverträgliche Falle für den Schädling. Mithilfe von Licht und Duftstoffen sollen die Tiere gezielt in die Falle gelockt werden, wo sie ein kurzer Stromschlag abtöte.

Anzeige

Massive Ernteausfälle drohen
Globalisierung und Klimawandel führten dazu, dass Schädlinge aus anderen Teilen der Welt auch bei uns heimisch würden, so Wurl weiter. Die Kirschessigfliege aus Asien versetze die deutschen Winzer und Obstbauern seit 2009 in Schrecken: Ihre hohe Vermehrungsrate und Vorliebe für viele Obstsorten hätten sie zu einem der gefährlichsten Schädlinge Europas gemacht. Habe sie ihre Eier erst in reifen Früchten abgelegt und hätten sich die Maden entwickelt, drohten Total-Ernteausfälle. 2014 sei es in Deutschland zu massiven Ernteverlusten gekommen. Allein in Mittelbaden seien es Einbußen von drei Millionen Euro gewesen. „Schon heute ändern Obstbauern und Winzer wegen dieser Fliege ihre Anbaugewohnheiten. In Südeuropa werden die gefährdeten Herbsthimbeeren bereits nicht mehr angebaut. Damit der Erwerbsobstbau dauerhaft bestehen kann, ist es dringend notwendig, neue und gleichzeitig nachhaltige Produktionsverfahren zu entwickeln, die einen Beitrag zur ressourcenschonenden Produktion leisten und gleichzeitig wirtschaftlich sind“, meint auch die Geschäftsführerin von 3win Maschinenbau, Dagmar Wirtz.

Anbaubetriebe, Verbraucher und Natur profitieren
Bei dem Projekt sollen auch Praxisbetriebe mit Testflächen dabei sein. Ihre aktive Mitarbeit zeige, dass die Entwicklung einer Fliegenfalle für die Betroffenen von zentraler Bedeutung sei, so Wahmhoff. Zudem entspreche die Entwicklung eines umweltverträglichen Fallensystems dem Ziel nachhaltiger Anbauverfahren. Aber nicht nur Obst- und Weinproduzenten profitierten, der Verbraucher erhalte bei erfolgreichem Abschluss und Verwendung der Falle später Lebensmittel, die nicht mit Bekämpfungsmitteln behandelt wurden, und die Biodiversität werde gefördert. Wahmhoff: „Mit solchen Projekten wollen wir helfen, Boden, Biodiversität und Gewässerqualität zu sichern und dem Erwerbsobstbau Zukunftsperspektiven zu sichern. So stellen wir die Weichen dafür, dass auch nachfolgende Generationen in einem intakten Ökosystem leben können.“

Anzeige
Diesen Artikel …
sep
sep
sep
sep
sep

Weitere Beiträge zum Thema

Achromatium oxaliferum mit großen Calciumkristallen, Schwefeltröpfchen und grün fluoreszierenden DNA-Spots

Verfälschte Biodiversität?Riesenbakterium enthält Erbgut für eine ganze Bevölkerung

Bisher werden Umweltproben mittels der DNA/RNA-Sequenzen analysiert, die in einer Probe vorkommen. Enthält die Probe aber Bakterienzellen, die hunderte von unterschiedlichen Genomen mit sich herumträgt, kann die bisherige Verfahrensweise zu einer Überschätzung der Diversität führen.

 

…mehr
Asiatischer Marienkäfer

SEICAT-KlassifizierungWenn eingeschleppte Insekten zum Problem werden

Ein internationales ForscherInnenteam hat ein neues Bewertungsschema entwickelt, mit dem wirtschaftliche und gesundheitliche Auswirkungen von invasiven gebietsfremden Tier- und Pflanzenarten klassifiziert werden können.

…mehr
Satellitendaten zeigen bedrohte Affenpopulationen auf der Erde.

Multidisziplinäre BiodiversitätsforschungEchtzeitbeobachtung der Einflüsse von Landschaftsveränderungen auf Biodiversität

Affen aus dem Weltraum zählen? Eine neue Methode soll helfen die Artenvielfalt zu erfassen: Satellitenbilder, Foto- und Audiodateien, genetische und statistische Daten bilden die Grundlage des neuen Forschungsansatzes.

…mehr
Kanonenkugelbaum

BlütendiversitätDie beinahe unendliche Vielfalt der Blüten

Mit weit über 250000 Arten sind die Blütenpflanzen die mit Abstand größte Pflanzengruppe. Aber gibt es einen Zusammenhang zwischen Formenvielfalt und dem Artenreichtum?

…mehr
Kultivierter Urwald

Präkolumbianische Völker domestizierten...Der Mythos vom unberührten Amazonaswald

Bäume, die von präkolumbianischen Völkern domestiziert wurden, spielen bis heute eine wichtige Rolle in den Wäldern des Amazonasbeckens. Die Vorstellung, dass die Regenwälder unberührt von menschlichem Einfluss waren, hat damit einen Dämpfer erhalten.

…mehr
Anzeige

Mediadaten 2018

LABO Marktübersichten

Produktkataloge bei LABO

Produktkataloge zum Blättern


Hier finden Sie aktuelle Blätter-Kataloge von Herstellern aus der Branche. Einfach durchblättern oder gezielt nach Stichwort suchen!

Anzeige

LABO Web-Guide 2016 als E-Paper

LABO Web-Guide 2016

Web-Guide 2016


- Stichwortregister

- Firmenscreenshots

-Interessante Webadressen aus dem Labor

Anzeige

Neue Stellenanzeigen

Jetzt den LABO Newsletter abonnieren

LABO Newsletter abonnieren

Der kostenlose LABO Newsletter informiert Sie wöchentlich über neue Produkte, Lösungen, Technologietrends und Innovationen aus der Branche sowie Unternehmensnachrichten und Personalmeldungen.

LABO bei Facebook und Twitter