Interview

Barbara Schick,

Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit in Laboren von Hochschulen

Prof. Dr. (mult.) Dr. h.c. (mult.) Walter Leal ist Leiter des Forschungs- und Transferzentrums „Nachhaltigkeit und Klimafolgenmanagement“ an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) und Initiator des Projekts „NACH-LABS“, das auf mehr Nachhaltigkeit in Hochschulen abzielt. Im Interview erläutert er Näheres zum Projekt. Die Fragen stellte Dr. Barbara Schick.

LABO: Herr Professor Leal, Sie haben das Projekt „NACH-LABS“ ins Leben gerufen, mit dem Ziel, Nachhaltigkeit in Laboren deutscher Hochschulen zu verbessern und in diesen Laboren verursachte nachteilige Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern. Am 9. März ging das Projekt mit einem Fachsymposium an den Start. Ich hoffe, Sie waren zufrieden mit diesem „Kick-off“ zum Projekt-Auftakt? Hier wurden ja verschiedene Ansätze präsentiert, um die Arbeit in Laboren nachhaltiger zu gestalten. Können Sie uns hierüber schon etwas verraten?

Prof. Dr. (mult.) Dr. h.c. (mult.) Walter Leal. © HAW Hamburg

Prof. Walter Leal: Das Fachsymposium ist aus unserer Sicht ein voller Erfolg gewesen. Wir haben erleben können, dass das Interesse an dem Thema groß ist. Wir haben viel Rückmeldung bekommen, dass eine persönliche Anwesenheit leider nicht möglich war und eine hybride Variante für zukünftige Veranstaltungen grade auch interessierten Studierenden die Möglichkeit der Teilnahme gibt, die aufgrund von Praktika und eigenen universitären Veranstaltungen nicht persönlich erscheinen konnten. Diese Thematik sowie auch die Verschiedenheit der präsentierten und angesprochenen Ansätze zur nachhaltigen Arbeit in Laboren greifen wir auf in der von uns geplanten Online-Seminar-Reihe zum Thema. Im Austausch, mit weiteren Organisationen wollen wir ein regelmäßig wiederkehrendes Online-Format begründen, mit denen wir nach und nach alle verschiedenen Ansätze diskutieren können. Auch wenn es vermutlich nicht möglich sein wird, im Rahmen unseres „NACH-LABS“-Projektes jeden dieser Ansätze weiterzuverfolgen, so wollen wir doch zumindest diese in eine Übersicht einordnen und so auch anderen Ansätze zu Forschung und Austausch zur Verfügung stellen. Wir planen hierzu auch eine weitergehende Initiative; das Symposium hat uns gezeigt, dass ein solcher Bedarf besteht. Genaueres hierzu wird aber noch besprochen, wir werden in den kommenden Wochen genauere Informationen hierzu herausgeben können.

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Ich könnte mir vorstellen, dass es gerade in der Forschung Themen wie Reduktion von Lösungsmitteln, Einsparen umweltrelevanter Substanzen oder auch Einsparen von Energie skeptisch betrachtet werden. Denn das sollte ja keine Einschränkungen der Forschungsarbeiten mit sich bringen, diese sollten ja in ihrer Breite und Intensität nicht getrübt werden. Wie sieht man das Thema unter Forschenden?

Das Thema Nachhaltigkeit in der Forschung ist in der Tat ein zweischneidiges Schwert, da dies häufig zuerst einmal mit zusätzlicher Arbeit assoziiert wird. Man muss sich aber auch darüber klar werden, dass Forschungsprojekte häufig an bestimmte Budgets gebunden sind und dass bei hohen Kosten vermutlich weniger Forschung möglich ist, als die meisten sich wünschen würden. Wenn wir an die Kollegen aus dem DESY oder dem Deutschen Klimarechenzentrum denken, deren Stromrechnungen im vergangenen Jahr sicherlich in ungeahnte Höhen geschossen sind, dann zeigt uns das schon, dass Lösungen für nachhaltige Forschung auch Entlastungen für die Forschungsbudgets bringen können. Hier muss aber auch immer an die Komplexität der Situation gedacht werden, denn in Forschungsinstitutionen sind häufig individuelle Lösungen nur wenig hilfreich. Strukturelle Lösungen sind dann nötig, die sich erst mit gewisser Vorlaufzeit umsetzen lassen. Entscheidend ist jedoch bei allen möglichen Optionen, dass die Sicherheit und Qualität der Abläufe im Labor durch die gewünschte Optimierung nicht gefährdet werden.

Welchen Eindruck haben Sie? Wie steht es um die Motivation der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen auf nachhaltigere Arbeitsweisen umzustellen?

Die Erkenntnis unter Wissenschaftler/-innen wächst, dass nicht grenzenlos so weitergemacht werden kann, das zeigt nicht zuletzt auch das große Interesse an Formaten wie unserem Fachsymposium oder einer „DG-HochN“-Veranstaltung mit ähnlichem Fokus vom 23.03. Was die Motivation drückt, ist häufig die große Frage, welche Verhaltensänderung tatsächlich einen Effekt bringt, hier wird viel spekuliert, aber nur wenig ist bislang konkret. Wir glauben, dass Projekte wie „NACH-LABS“ hier auch eine Lücke füllen und Wegweiser für die Transformation hin zu einer nachhaltigeren Wissenschaft sein können.

Können Sie kurz beschreiben, wie Sie an das Projekt „NACH-LABS“ herangehen werden? Werden Sie Aspekte aus Diskussionen auf dem Fachsymposium für Ihre Projektarbeit mitnehmen?

Unsere Forschungsarbeit für „NACH-LABS“ fußt auf drei Säulen, mit je einem Projektpartner zum Bearbeiten. Die Verknüpfung von LEAF* mit der Ecomapping-Methode als mögliches deutsches Modell zur individuellen Bewertung der Labore (also ohne institutionelle Aspekte, wie sie für andere Zertifizierungen nötig sind) bildet einen zentralen Aspekt, um motivierten Labormitarbeitenden einen Rahmen zu bieten, nach dem das Labor nachhaltig ausgerichtet werden kann. Das Prinzip der Miniaturisierung als zweite Säule ist entscheidend bei der Frage der Effizienz von Laborplätzen, nicht nur aus räumlicher Perspektive, sondern auch bei Verbrauchsstoffen. Und die Bewertung der Rohstoffkreisläufe vom Einkauf über Nutzung hin zur Müllentsorgung soll eine Hilfestellung bieten bei der Gestaltung und Planung von Experimenten.

Da diese Säulen ein gemeinsames Fundament besitzen, ohne sich jedoch selbst zu berühren, hat jedes Team die Möglichkeit, für weitere Aspekte nach links und rechts zu schauen und Schnittmengen zu erkennen. Es wird wohl zu großen Teilen auf unser Kommunikations-Team ankommen, das die neuen Aspekte einordnet und auf diese Weise die noch bestehenden Lücken füllt. Um dieses noch recht neue Feld gemeinsam zu erkunden sind wir daran interessiert, Beziehungen und Verbindungen zu interessierten Personen und Organisationen herzustellen und begrüßen jede Kontaktaufnahme.

Vielen Dank für das Interview. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg für das Projekt „NACH-LABS“!

*Anmerkungen der Redaktion: LEAF = Laboratory Efficiency Assessment Framework; DG-HochN: Deutsche Gesellschaft für Nachhaltigkeit an Hochschulen e.V.

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