Kooperation von Sandoz und Universität Innsbruck

Barbara Schick,

CD-Labor zwecks Optimierung von Arzneiformen eröffnet

Am 27. März 2025 wurde an der Universität Innsbruck das Christian-Doppler-Labor für Innovative-Crystal-Engineering-Strategien in der Arzneimittelentwicklung eröffnet. Gemeinsam mit dem Pharmaunternehmen Sandoz erforscht das Team des neuen Christian-Doppler (CD)-Labors die Wechselwirkungen von Molekülen und deren Einfluss auf die chemische Stabilität, Verarbeitbarkeit und Wirksamkeit von Arzneistoffen. Fördergeber ist das Bundesministerium für Wirtschaft.
Bei der Eröffnung: Martin Gerzabek (Präsident Christian Doppler Forschungsgesellschaft), Doris Braun (Leiterin des CD-Labors), Veronika Sexl (Rektorin der Universität Innsbruck) und Markus Becker (Head Strategic Sourcing, Sandoz GmbH). © Universität Innsbruck

Die meisten pharmazeutischen Wirkstoffe bestehen aus kleinen Molekülen, die aufgrund ihrer chemischen Stabilität meist in kristalliner Form zu Tabletten verarbeitet werden. Die zunehmende Komplexität moderner Arzneistoffe führt oft zu einer Verschlechterung der Wasserlöslichkeit, die wiederum für die Wirksamkeit der Medikamente im menschlichen Körper entscheidend ist. Bei ihrer Arbeit legen die Forscher und Forscherinnen des Christian-Doppler-Labors für Innovative-Crystal-Engineering-Strategien in der Arzneimittelentwicklung unter der Leitung von Dr. Doris Braun vom Institut für Pharmazie der Universität Innsbruck das Hauptaugenmerk auf die Erforschung kritischer Stoffeigenschaften von pharmazeutischen Hilfs- und Wirkstoffen, die für die Herstellung, Qualität und Sicherheit von Arzneimitteln entscheidend sind. Durch Optimierung dieser Eigenschaften wird es auch möglich, Herstellungsprozesse zu beschleunigen und letztlich Kosten von essentiellen Arzneimittelprodukten zu senken. "Das neue CD-Labor leistet hier einen entscheidenden Beitrag, indem es die Produktion hochwertiger Medikamente beschleunigt und kostengünstiger gestaltet. Forschung ist ein Schlüsselfaktor für unsere Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft", so Österreichs Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer.

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Mithilfe von experimentellen und computerbasierten Methoden werden im neuen Labor nicht nur Materialeigenschaften optimiert, sondern auch innovative Ansätze für die Vorhersagbarkeit von Festkörperstrukturen und die Stabilisierung von Festformen mit optimierter Bioverfügbarkeit entwickelt. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die Wechselwirkung zwischen dem pharmazeutischen Wirkstoff und Hilfsstoffen gelegt, für maßgeschneiderte Formulierungen in der Produktion.

Materialwissenschaftliche Ansätze, wie das "Crystal Engineering", ermöglichen die Herstellung verschiedener Festformen von Wirkstoffen mit unterschiedlichen pharmazeutisch relevanten Eigenschaften. "Wir wollen die in Bezug auf Stabilität, Löslichkeit und Verarbeitbarkeit optimale Form biologisch aktiver Moleküle finden, um diese zu hochwertigen und marktfähigen Medikamenten zu entwickeln", fasst CD-Labor-Leiterin Doris Braun das Ziel der neuen Forschungseinrichtung zusammen, die von Sandoz und der öffentlichen Hand mit einem Millionenbetrag finanziert wird.

Forschungskooperation mit Pharmaunternehmen

Priv.-Doz. Mag. Dr. Doris Braun, hier am Mikroskop, leitet die Forschung am CD-Labor. © Universität Innsbruck

Firmenpartner ist das Pharmaunternehmen Sandoz in Kundl. Markus Becker, Head Strategic Sourcing bei Sandoz, betont die Bedeutung eines umfassenden Verständnisses der Bildung von Festformen, deren Stabilität und Eigenschaften für die Produktion von Arzneimitteln: "Der anhaltende Trend in der modernen Arzneimitteltherapie zu chemisch immer komplexeren Arzneistoffen erfordert bereits im Vorfeld der eigentlichen Entwicklung ein umfassendes Verständnis der physikalisch-chemischen Eigenschaften der jeweiligen Moleküle. Diese Daten ergeben aus dem Zusammenspiel zwischen universitärer Wissenschaft und industrieller Entwicklung die Basis für maßgeschneiderte Medikamente zum Wohle der Patienten."

Auch die Tiroler Wissenschaftslandesrätin Cornelia Hagele zeigte sich erfreut: "Das neue Christian-Doppler-Labor ist eine Bereicherung für den Wissenschafts- und Innovationsstandort Tirol: Hier wird Spitzenforschung betrieben, die nicht nur zur Optimierung pharmazeutischer Wirkstoffe beiträgt, sondern auch industrielle Prozesse effizienter gestaltet. Die enge Zusammenarbeit zwischen der Universität Innsbruck und Sandoz zeigt, wie wissenschaftliche Exzellenz und wirtschaftliche Anwendung Hand in Hand gehen – ein bedeutender Impuls für Tirol als führenden Forschungsstandort."

Univ.-Prof. Dr. Veronika Sexl, Rektorin der Universität Innsbruck: "Die Polymorphie-Forschung genießt an der Universität Innsbruck eine lange Tradition. Wegweisende Methoden zur Identifizierung und Charakterisierung verschiedener Kristallformen von Wirkstoffen gehen auf Ludwig Kofler und dessen Nachfolgerin Maria Kuhnert-Brandstätter zurück, die in Innsbruck die Grundlagen für dieses Forschungsfeld gelegt haben. In Zusammenarbeit mit Sandoz können wir diese erfolgreiche Arbeit weiter ausbauen und damit auch den Industriestandort Tirol nachhaltig stärken."

Zu Christian-Doppler-Laboren

Christian-Doppler-Labore dienen der anwendungsorientierten Grundlagenforschung, bei der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen mit Unternehmen kooperieren. Für die Förderung dieser Zusammenarbeit gilt die Christian Doppler Forschungsgesellschaft international als Best-Practice-Beispiel. Christian-Doppler-Labore werden von der öffentlichen Hand und den beteiligten Unternehmen gemeinsam finanziert.

Quelle: Universität Innsbruck

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