LEAF-Zertifizierung
Pilotprojekt für mehr Nachhaltigkeit im Laboralltag
Die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) geht mit gutem Beispiel voran und bringt Nachhaltigkeit direkt in den Forschungsalltag. Mit der Einführung der LEAF-Zertifizierung (Laboratory Efficiency Assessment Framework) startet an der JLU ein Pilotprojekt, das Ressourcenschonung in Forschungslaboren systematisch vorantreiben soll. Den Anfang macht die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Hermann A. Wegner am Institut für Organische Chemie im Fachbereich Biologie und Chemie. Sie ist die erste Gruppe an der Universität, die den international anerkannten Zertifizierungsprozess umsetzt. Ein wichtiges Ziel: Der nachhaltige Laboralltag soll auch in der Lehre verankert und damit für Studierende erlebbar werden.
Chemie als Schlüssel zu einer nachhaltigeren Gesellschaft
„Chemie bietet den Schlüssel, um viele Herausforderungen unserer Gesellschaft nachhaltiger zu gestalten. Aber es sind nicht nur die Themen, die Nachhaltigkeit adressieren, auch die Forschung selbst soll der Nachhaltigkeit verpflichtet sein“, erklärt Prof. Wegner. Besonders wichtig ist ihm dabei der Bezug zur Ausbildung: „Dies gilt auch für die Lehre, insbesondere in unserem internationalen Masterstudiengang Sustainable Chemistry. Deswegen werden wir unsere Forschungs- und Lehrlabore nach dem Laboratory Efficiency Assessment Framework (LEAF) zertifizieren.“
LEAF-Programm
Das LEAF-Programm wurde am University College London (UCL) entwickelt und bietet Forschungslaboren einen strukturierten Rahmen, nachhaltige Arbeitsweisen zu etablieren. Das Programm verbindet gezielte Maßnahmen mit digitalen Monitoring-Tools, die den Ressourcenverbrauch messbar machen und so eine kontinuierliche Verbesserung ermöglichen. Dabei werden zentrale Bereiche wie Abfallmanagement, energieeffiziente Nutzung von Geräten, nachhaltiges Proben- und Chemikalienmanagement sowie die Organisation von Personal besonders berücksichtigt. Alle Maßnahmen werden auf einer digitalen Plattform dokumentiert.
Ein besonderes Merkmal des LEAF-Systems ist die schrittweise Einführung der Nachhaltigkeitsmaßnahmen über Bronze-, Silber- und Gold-Zertifizierungen. So können Labore individuell entscheiden, welche Maßnahmen sie zuerst umsetzen und transparent dokumentieren wollen. Zusätzlich fördern Peer-Audits den wissenschaftlichen Austausch und das gegenseitige Lernen.
Prof. Dr. Wencke Gwozdz, Vizepräsidentin für Forschung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses an der JLU, begrüßt den Projektstart: „Mit dem Start des Pilotprojekts setzt die Arbeitsgruppe von Prof. Wegner einen wichtigen Impuls für nachhaltige Labore an der JLU.“ Sie zeigt sich zuversichtlich, dass die gewonnenen Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt als Basis dienen können, um die LEAF-Zertifizierung an der Universität breit zu etablieren.
Forschungspraktiken in Laboren systematisch nachhaltiger gestalten
Labore an der JLU, die Interesse haben, können sich kostenfrei am LEAF-Programm beteiligen und so ihre Forschungspraktiken systematisch nachhaltiger gestalten. Die Gesamtkoordination des Programms an der Universität übernimmt das Büro für Nachhaltigkeit (BfN). Dieses unterstützt die Forschungsgruppen nicht nur bei der Einführung und Administration des LEAF-Programms, sondern organisiert auch die Peer-Audits.
Mit diesem Pilotprojekt setzt die JLU ein klares Zeichen für nachhaltige Forschung und fördert gleichzeitig eine Kultur des bewussten Umgangs mit Ressourcen – eine Entwicklung, die auch den Studierenden zugutekommt und langfristig die wissenschaftliche Praxis verändert.
Quelle: Justus-Liebig-Universität Gießen










