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Salmonellen, Escherichia coli & Co

Melanie Steinbeck,

Was eine aktuelle Studie über Küchenschwämme zeigt

Eine aktuelle Untersuchung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zeigt: Küchenschwämme können Krankheitserregern als Reservoir dienen. Das Problem: Weder Geruch noch Aussehen verraten, wie stark sie tatsächlich belastet sind.

© Chris/Stock.adobe.com

„Wer sich beim Austausch eines Küchenschwamms auf Nase oder Augen verlässt, erhält keine verlässliche Auskunft über dessen hygienischen Zustand.“

Ein Küchenschwamm wirkt harmlos. Er liegt neben der Spüle, wischt Arbeitsflächen sauber, entfernt Essensreste und kommt täglich mit Wasser in Kontakt. Doch genau diese Eigenschaften machen ihn zu einem idealen Lebensraum für Mikroorganismen. Neben zahlreichen sogenannten Allerweltskeimen können sich darin auch lebensmittelbedingte Krankheitserreger wie Escherichia coli oder Salmonellen ansiedeln, vermehren und von dort auf andere Oberflächen in der Küche übertragen werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Das Überraschende daran: Dem Schwamm ist seine mikrobielle Belastung nicht anzusehen. Selbst bei hoher Keimzahl zeigten die Versuchsschwämme keine auffälligen Veränderungen. Sie rochen nicht unangenehm, wirkten weder sichtbar verschmutzt noch schmierig. Wer sich beim Austausch eines Küchenschwamms auf Nase oder Augen verlässt, erhält also keine verlässliche Auskunft über dessen hygienischen Zustand.

„Nicht wenige Lebensmittelinfektionen haben ihren Ursprung im Privathaushalt und nicht immer sind sie mit ein, zwei Tagen Unwohlsein überstanden“, sagt BfR-Präsident Andreas Hensel. „Insbesondere empfindlichen Personengruppen wie älteren oder kranken Menschen, aber auch kleinen Kindern können solche Infektionen durchaus gefährlich werden.“

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Dass Lebensmittelinfektionen ein relevantes Gesundheitsproblem darstellen, zeigen auch die Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Nach ihren Schätzungen kommt es weltweit jedes Jahr zu rund 600 Millionen Lebensmittelinfektionen. Aufmerksamkeit erhalten meist Ausbrüche mit mehreren Erkrankten, deren Ursprung in Großküchen oder Cateringbetrieben liegt. Weniger sichtbar ist, dass auch die heimische Küche häufig Ausgangspunkt einer Infektion sein kann. So können Krankheitserreger beispielsweise bei der Verarbeitung von rohem Hähnchenfleisch durch unzureichende Hygiene auf Arbeitsflächen, Geräte oder andere Lebensmittel übertragen werden.

Ist ein Erreger erst einmal im Schwamm angekommen, findet er dort nahezu ideale Bedingungen vor. Die poröse Struktur bietet eine große Oberfläche, Feuchtigkeit ist meist dauerhaft vorhanden und kleine Lebensmittelreste liefern die notwendigen Nährstoffe. Entsprechend verwundert es nicht, dass Küchenschwämme bereits kurz nach ihrer ersten Nutzung von zahlreichen Mikroorganismen besiedelt werden. Im Vergleich zu anderen mikrobiellen Reservoiren in der Küche, etwa Spülen oder Schneidebrettern, werden in Schwämmen in der Regel sogar höhere Keimzahlen nachgewiesen.

„Viele Verbraucherinnen und Verbraucher entscheiden nach wie vor anhand des Geruchs oder des Aussehens, wann ein Küchenschwamm ersetzt werden sollte.“

In ihrer aktuellen Untersuchung wollten die Forschenden wissen, wie sich lebensmittelrelevante Krankheitserreger unter diesen Bedingungen verhalten. Dazu brachten sie Lösungen mit unterschiedlichen Konzentrationen von Escherichia coli und Salmonellen auf Küchenschwämme auf. Zusätzlich wurden einige Schwämme mit einer bakterienhaltigen Lösung von Staphylococcus aureus befeuchtet. Dieser Erreger kann Toxine bilden, die Lebensmittelvergiftungen verursachen.

Die Ergebnisse zeigen ein einheitliches Bild. Alle untersuchten Bakterien konnten sich bereits aus vergleichsweise geringen Ausgangskeimzahlen innerhalb weniger Tage erheblich vermehren. Selbst eine mehrtägige Austrocknung der Schwämme überstanden sie.

In weiteren Versuchen untersuchten die Forschenden, wie leicht sich die Mikroorganismen von den Schwämmen auf andere Oberflächen übertragen lassen. Das Ergebnis: Bereits leichter Druck genügte, um Bakterien aus dem Schwamm auf eine Oberfläche zu übertragen. Gelangen die Erreger anschließend durch direkten Kontakt auf Lebensmittel, die ohne weiteres Erhitzen verzehrt werden, können sie Lebensmittelinfektionen verursachen. Dafür reichen unter Umständen bereits sehr geringe Keimzahlen aus.

Keimbelastung kann durch Behandlung mit über 70 °C heißem Wasser reduziert werden

Viele Verbraucherinnen und Verbraucher entscheiden nach wie vor anhand des Geruchs oder des Aussehens, wann ein Küchenschwamm ersetzt werden sollte. Die Ergebnisse der BfR-Studie sprechen gegen diese Praxis. Eine hohe Keimbelastung bleibt häufig unsichtbar.

Wie oft ein Schwamm ausgetauscht werden sollte, hängt auch von seiner Verwendung ab. Kam er beispielsweise mit Oberflächen in Kontakt, auf denen zuvor rohes Fleisch verarbeitet wurde, empfiehlt sich seine unmittelbare Entsorgung. Alternativ kann die Keimbelastung durch eine mindestens zweiminütige Behandlung mit über 70 °C heißem Wasser reduziert werden.

Besonders in Haushalten mit immungeschwächten Menschen, älteren Personen oder kleinen Kindern raten die Forschenden zu einem häufigeren Austausch der Schwämme. Als Alternative kommen Bürsten oder Mikrofasertücher infrage. Frühere Studien zeigen, dass sie geringere Keimzahlen aufweisen. Gleichzeitig trocknen sie schneller und lassen sich in der Spül- beziehungsweise Waschmaschine reinigen. Damit die Keimbelastung wirksam reduziert wird, sollten Programme mit Temperaturen von mindestens 60 °C verwendet werden.

Publikation:
Neuhaus, S., Tausch, S. H., Gulich, K., Körber, N., Grützke, J., Hensel, A., Al Dahouk, S., & Dieckmann, R. (2026). Kitchen sponges as reservoirs of foodborne pathogens: Microbial growth dynamics, surface cross-contamination, and hygiene implications. Journal of Food Protection, 89(6), DOI:10.1016/j.jfp.2026.100794

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung

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