TU Chemnitz eröffnet TEM-Zentrum

Melanie Steinbeck,

Neuer Forschungsbau für Materialforschung im Nanobereich

Im Transmissionselektronenmikroskopiezentrum (TEM-Zentrum) der Technischen Universität Chemnitz beginnt eine Forschungsarbeit, die buchstäblich in die innersten Strukturen der Materie führt. Am Standort Erfenschlager Straße 73 wurde der Neubau am 14. April 2026 feierlich eröffnet. Forschende wollen dort Strukturen sichtbar machen, die weit unterhalb der Wellenlänge des sichtbaren Lichts liegen – und damit Atome, Moleküle und die Bindungen der Materie selbst untersuchen.

Das neu errichtete Transmissionselektronenmikroskopiezentrum der TU Chemnitz befindet sich am Universitätsstandort Erfenschlager Straße 73. Vor dem Eingang steht die 6,5 Meter hohe Plastik „Impact“. © Jacob Müller

Die TU Chemnitz knüpft damit an eine alte, fast literarisch aufgeladene Frage an, die bereits Johann Wolfgang von Goethe in „Faust“ beschäftigte: „was die Welt im Innersten zusammenhält“. Im Zentrum der modernen Materialwissenschaft steht sie erneut – nun mit den Mitteln hochspezialisierter Elektronenmikroskopie.

Zwei Hochleistungsmikroskope als Kern der Anlage

Herz des neuen Gebäudes sind zwei hochempfindliche Transmissionselektronenmikroskope. Das größte ist über vier Meter hoch. Im Bild: Paul Seidel von der Professur Elektronenmikroskopie und Mikrostrukturanalytik, bereitet eine Materialuntersuchung vor. © Jacob Müller

Im Mittelpunkt des neuen, eingeschossigen Forschungsbaus stehen zwei Transmissionselektronenmikroskope, die auf höchstem technischen Niveau arbeiten. „Der Kern des neuen eingeschossigen Hauses sind zwei hochempfindliche Transmissionselektronenmikroskope, die es uns ermöglichen, tief im Innern von Materialien deren Struktur und Eigenschaften auf molekularer und atomarer Ebene zu erforschen und anschließend die Erkenntnisse für neue Anwendungen nutzbar zu machen“, sagt Prof. Dr. Andreas Undisz, Inhaber der Professur Elektronenmikroskopie und Mikrostrukturanalytik und Leiter des neuen Zentrums.

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Die Anwendungen reichen von der Grundlagenforschung bis zur Materialentwicklung. Besonders im Fokus stehen Prozesse, die Materialschäden verursachen können. Diese lassen sich nun detaillierter analysieren, wodurch sich – so Undisz – präzisere Aussagen zur Belastbarkeit und Lebensdauer technischer Bauteile ableiten lassen.

Strategische Investition in die Materialforschung

Auch politisch und wissenschaftsstrategisch wird das neue Zentrum als Standortgewinn eingeordnet. „Mit diesem Neubau und den beiden Elektronenmikroskopen rückt die TU Chemnitz auf dem Gebiet der Materialforschung wieder zur Weltspitze auf. Die anspruchsvollen technischen Besonderheiten, die das gesamte Ensemble bietet, gibt es an nur wenigen universitären Standorten. Neben den drei Fakultäten profitieren auch Partnereinrichtungen der Universität davon. Das trägt dazu bei, dass die TU Chemnitz weiter an Attraktivität für Spitzenforscherinnen und -forscher aus der ganzen Welt gewinnt. So stärken wir gleichzeitig die gesamte Wissenschaftsregion Südwestsachsen“, so der sächsische Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow in einer Mitteilung des Staatsministeriums der Finanzen.

Auch innerhalb der Universität wird die Bedeutung des Neubaus hervorgehoben. „Wir freuen uns an der TU Chemnitz riesig über die Einweihung des Transmissionselektronenmikroskopiezentrums. Dieses ist eine großartige Investition in die TU Chemnitz und damit den Wissenschaftsstandort Chemnitz, unsere Kernkompetenz Materialien und Intelligente Systeme sowie die nationale und internationale Sichtbarkeit unserer Universität. Wir bedanken uns sehr herzlich beim Freistaat Sachsen sowie bei allen Beteiligten, die den Aufbau des Zentrums tatkräftig unterstützt haben“, sagt Prof. Dr. Gerd Strohmeier, Rektor der TU Chemnitz.

Die Prorektorin für Forschung und Universitätsentwicklung, Prof. Dr. Anja Strobel, die in Vertretung des Rektors den Schlüssel entgegennahm, ergänzt: "„Das neue Transmissionselektronenmikroskopiezentrum, das die Expertise aus verschiedenen Forschungsbereichen der TU Chemnitz vereint, stärkt in Forschung und Lehre maßgeblich den MINT-Bereich unserer Universität und schafft sehr attraktive Bedingungen für neue interdisziplinäre Forschungsvorhaben sowie die Gewinnung und Ausbildung unseres akademischen Nachwuchses, indem es Forschenden und Studierenden den Zugang zu neuesten Technologien und Methoden in der Materialwissenschaft ermöglicht."

Technik im Grenzbereich des Sichtbaren

Die technische Dimension des Zentrums ist erheblich. Die Elektronenmikroskope erreichen eine Höhe von über vier Metern und erzeugen Aufnahmen im Nanometerbereich. Damit die hochsensiblen Geräte präzise arbeiten können, wurden sie in speziell abgeschirmten und klimatisierten Räumen installiert.

„Damit diese empfindlichen Wunderwerke der Technik optimal arbeiten können, befinden sie sich in speziell abgeschirmten und klimatisierten Räumen und ruhen auf einer vibrationsdämpfenden 1,4 Meter starken Betonplatte“, erläutert Undisz. Ziel ist die konsequente Abschirmung gegenüber mechanischen, akustischen, elektromagnetischen und thermischen Störquellen.

Die Experimente selbst werden nicht direkt an den Geräten durchgeführt, sondern aus separaten Räumen ferngesteuert. Voraussetzung für die Analysen sind zudem extrem dünne Proben: wenige Nanometer starke Materialschichten, die in einer benachbarten Ionenfeinstrahlanlage teilautomatisiert hergestellt werden.

Konzentration von Expertise an einem Standort

Ein zentraler struktureller Vorteil des neuen TEM-Zentrums liegt in der Bündelung der bisher verteilten Infrastruktur. Die gesamte Gerätetechnik der hochauflösenden Elektronenmikroskopie der TU Chemnitz ist nun an einem Ort konzentriert. Mehr als 20 Professuren der Fakultäten für Maschinenbau, Naturwissenschaften sowie Elektrotechnik und Informationstechnik nutzen die Anlagen künftig für trans- und interdisziplinäre Forschung – sowohl grundlagen- als auch anwendungsorientiert.

Dabei ist die Zusammenarbeit nicht auf die Universität beschränkt. Kooperationen bestehen auch mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, darunter Institute der Fraunhofer-Gesellschaft, sowie mit Unternehmen aus der Industrie.

Forschungsbau mit Förderung aus Europa und Sachsen

Der Neubau wurde seit September 2023 unter Leitung des Staatsbetriebes Immobilien- und Baumanagement (SIB) errichtet. Architekten des Gebäudes sind Heinle Wischer, Partnerschaft freier Architekten mbB aus Dresden. Vor dem Eingang steht die Kunst-am-Bau-Arbeit „Impact“ der Künstlerin Stefanie Welk aus Walldorf bei Heidelberg.

Die Baukosten belaufen sich auf rund 13,1 Millionen Euro. Rund 7,4 Millionen Euro stammen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (INFRA-EFRE), etwa 5,7 Millionen Euro trägt der Freistaat Sachsen. Zusätzlich wurden die Großgeräte durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und den Freistaat Sachsen mit jeweils 3,5 Millionen Euro finanziert. Eingeworben wurden die Mittel stellvertretend für die beteiligten Fakultäten durch die Professoren Christoph Tegenkamp, Martin Wagner und Bernhard Wunderle.

Mit dem neuen TEM-Zentrum positioniert sich die TU Chemnitz damit erneut als Standort hochpräziser Materialforschung – dort, wo Sichtbares endet und der Blick in den atomaren Aufbau der Materie beginnt.

Quelle: Technische Universität Chemnitz

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