Verbindung von Darm und Gehirn

Melanie Steinbeck,

Studie zu Essverhalten bei Depressionen

Depressionen betreffen 280 Millionen Menschen weltweit. Bekannt ist auch, dass eine Depression zu verändertem Essverhalten führen kann. Forschende des Universitätsklinikums Bonn (UKB), der Universität Bonn und des Universitätsklinikums Tübingen haben nun herausgefunden, dass Patientinnen und Patienten mit Depressionen zwar generell weniger Appetit haben, aber kohlenhydratreiche Nahrung bevorzugen.

Depression geht durch den Magen - Prof. Dr. Nils Kroemer untersucht mit seinem Team das präferierte Essen von Menschen mit Depressionen © Universitätsklinikum Bonn (UKB) / Rolf Müller

Bei Depressionen ist häufig der Appetit betroffen

Depression ist nicht gleich Depression. Während einige Betroffene kaum noch in der Lage sind, das Haus zu verlassen, können andere – trotz Einschränkungen – ihren Alltag weitgehend bewältigen. Auch beim Appetit gibt es unterschiedliche Verläufe. Betroffene, insbesondere mit schweren Depressionen, berichten besonders häufig über Veränderungen im Appetit.

„Viele Menschen mit Depressionen leiden unter einem allgemeinen Verlust des Appetits. Andere haben dagegen mehr Appetit und entwickeln sogar Heißhunger – besonders für süße Lebensmittel. Diese Veränderungen können dann eine Gewichtsveränderung nach sich ziehen", erklärt Korrespondenzautor Prof. Nils Kroemer, der am Universitätsklinikum Tübingen im Bereich Translationale Psychiatrie der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und zudem als Professor für Medizinische Psychologie an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am UKB tätig ist und somit an der Universität Bonn forscht. „Trotz dieser Beobachtungen ist bisher wenig zu den Essenspräferenzen von Patientinnen und Patienten mit Depressionen bekannt, obwohl diese vielleicht neue Therapieansätze befördern könnten.“

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Spezifische Veränderungen im Essverhalten bei Depressionen

Die Studie zeigt nun erstmalig, dass Depressionen mit spezifischen Veränderungen in den Essensvorlieben einhergehen, die sich durch die Zusammensetzung der gezeigten Lebensmittel gut erklären lassen. Entscheidend dafür sind dabei sogenannte Makronährstoffe, aus denen unsere Nahrung besteht. Von diesen Bausteinen gibt es drei: Kohlenhydrate, Proteine und Fette. Kohlenhydrate sind dabei einer der Hauptenergielieferanten für die menschlichen Zellen.

Menschen, die von einer Depressionen betroffen sind, zeigen ein geringeres Verlangen nach fett- und proteinreichen Lebensmitteln im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen. Sie bevorzugen eher kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Süßigkeiten.

Die Studie zeigte, dass ein höherer Kohlenhydratanteil die Vorliebe für fett- und proteinreiche Nahrung bei Menschen mit Depressionen steigerte. Betroffene hatten ein verstärktes Verlangen nach Lebensmitteln, die Fett und Kohlenhydrate kombinieren – was oft zu einer ungesunden Ernährung führt. Bisher ging man davon aus, dass dieser Heißhunger mit einem gesteigerten Appetit zusammenhängt.

„Wir konnten jetzt zeigen, dass dies nicht der Fall ist. Tatsächlich hängt der Hunger nach Kohlenhydraten eher mit der allgemeinen Schwere der Depression, besonders der Angstsymptomatik zusammen“, erläutert Erstautorin Lilly Thurn, zum Zeitpunkt der Studie Mitglied des Teams von Prof. Kroemer an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des UKB und derzeit Masterandin an der Universität Maastricht.

Bei Depressionen die Ernährung mehr im Blick haben

Die Ergebnisse der Studie werfen nun weitere Fragen für die zukünftige Forschung und Behandlung auf. „Da kohlenhydrathaltige Lebensmittel die Belohnungsantwort im Gehirn über andere Signalwege steuern als fett- und proteinreiche Lebensmittel, könnte man daraus möglicherweise bessere Behandlungsansätze ableiten“, erklärt Prof. Nils Kroemer.

Zukünftig wäre es möglich eine begleitende Therapie über die Ernährung testen, wenn bei einer Depression eine veränderte Vorliebe für bestimmte Lebensmittel auftritt. Es könnte zudem untersucht werden, ob durch die Optimierung der Ernährung eine dauerhafte Verbesserung der Depression erreicht werden kann.

„Besonders vielversprechend erscheinen in Zukunft Therapien, die auf die Verbindung von Darm und Gehirn abzielen. Erste Studie zeigen bereits, dass Fasten oder auch probiotische Lebensmittel antidepressiv wirken können", sagt Lilly Thurn. „Auch konnte untersucht werden, dass Menschen mit Depressionen Veränderungen in ihrem Mikrobiom aufweisen, die diverse Symptome verstärken könnten."

Beteiligte Institutionen und Förderung

Neben den Universitätsklinika Bonn und Tübingen waren an der Studie das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG) und das Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften (IEL) der Universität Bonn beteiligt. Die Studie wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Originalpublikation:
Thurn, L., Schulz, C., Borgmann, D., Klaus, J., Ellinger, S., Walter, M., & Kroemer, N. B. (2025). Altered food liking in depression is driven by macronutrient composition. Psychological Medicine. Cambridge University Press. DOI/10.1017/S0033291724003581

Quelle: Universität Bonn

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