Labo Online - Analytic, Labortechnik, Life Sciences
Home> Wirtschaft + Wissenschaft> Archiv>

Östrogene in Nahrung könnten neuartige Brustkrebstherapie beeinträchtigen

Xenoöstrogene im In-Vitro-VersuchÖstrogene in Nahrung könnten neuartige Brustkrebstherapie beeinträchtigen

Frauen mit hormonabhängigem, metastasierendem Brustkrebs steht seit kurzem eine Kombinationstherapie mit dem neuartigen Wirkstoff Palbociclib und einer antihormonellen Therapie zur Verfügung. Fremdstoffe aus Ernährung und Umwelt, die im menschlichen Körper wie Hormone wirken, könnten aber die Effizienz der Behandlung reduzieren, wie nun US-Forscher unter Beteiligung von Benedikt Warth von der Fakultät für Chemie der Universität Wien zeigen konnten. Ihre Arbeit legt nahe, dass diese sogenannten Xenoöstrogene, wie sie etwa in Mais, Getreide und Soja vorkommen können, der Wirksamkeit der Krebsmedikamente im Zellmodell entgegenwirken. Die Studie erscheint als Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe von "Cell Chemical Biology".

sep
sep
sep
sep
Östrogenwirksame Substanzen sind z.B. im Getreide zu finden

Seit 2016 ist in der EU der Wirkstoff Palbociclib für post-menopausale Brustkrebspatientinnen mit fortgeschrittenem Hormonrezeptor-positivem, metastasierenden Brustkrebs zugelassen. In den USA ist der Wirkstoff bereits seit 2015 auf dem Markt: Eine Studie hatte gezeigt, dass im Zuge der Kombinationstherapie – Palbociclib in Kombination mit Letrozol – Patientinnen doppelt so lange ohne Fortschreiten der Krankheit lebten wie jene, die nur die klassische Hormontherapie erhielten.

Anzeige

Das Team um Lead-Autor Benedikt Warth hat nun die klinischen Ergebnisse über die deutlich höhere Wirksamkeit der Kombinationstherapie auf molekularer Ebene bestätigt: "Mittels neuartiger Technologien haben wir die Gesamtheit der zellulären Stoffwechselprodukte, das sogenannte Metabolom, in Brustkrebszellen untersucht. Es hat sich gezeigt, dass eine Kombination beider Wirkstoffe viel stärkere Effekte auslöst, als es im Zuge der alleinigen Antihormontherapie der Fall ist", sagt Erwin Schrödinger-Stipendiat Warth, der mittlerweile aus den USA an die Universität Wien zurückgekehrt ist und am Institut für Lebensmittelchemie und Toxikologie eine Forschungsgruppe aufbaut.
 
Effizienz der Kombinationstherapie
Der Wirkstoff Letrozol, ein Aromatasehemmer, blockiert die Produktion von natürlichen Östrogenen und damit das Krebszellenwachstum; Palbociclib hemmt bestimmte Enzyme, die den Zellzyklus und das Zellwachstum regulieren. Wie die Wirkstoffe auf molekularer Ebene wirken und die Stoffwechselprozesse in den Zellen verändern, haben Warth und Gary Siuzdak vom renommierten Scripps Research Institute in San Diego, Kalifornien, mit KollegInnen mittels Metabolomics-Technologien, die auf dem Prinzip der Massenspektrometrie basieren, untersucht.

"Wenn allerdings Substanzen mit östrogener Aktivität über die Nahrung aufgenommen werden, sogenannte Xenoöstrogene, könnten diese durch ihre hormonelle Wirkung im menschlichen Körper die Wirksamkeit der Therapie, insbesondere den antihormonellen Effekt von Letrozol, beeinflussen. Die Xenoöstrogene haben offensichtlich das Potenzial, die Wirkung der Therapie auf Ebene der Stoffwechselprodukte zu verringern. In Zellkultur reichen schon geringe Dosen aus, um die Effizienz der Behandlung deutlich zu senken", sagt Warth.
 
Einfluss der Xenoöstrogene
Die Forscher haben Brustkrebszellen, die unter dem Einfluss von Palbociclib/Letrozol standen, zwei Hauptvertretern der Xenoöstrogene ausgesetzt: dem Pilzöstrogen Zearalenon, das von einem Schimmelpilz produziert wird und regelmäßig in kontaminiertem Mais oder Weizen nachgewiesen werden kann, sowie dem Pflanzenöstrogen Genistein, das etwa in Soja vorkommt und unter anderem als Nahrungsergänzungsmittel gegen Beschwerden in den Wechseljahren vermarktet wird.
 
Die Resultate im Zellmodell legen Warth zufolge nahe, dass Brustkrebspatientinnen, die Palbociclib und Letrozol einnehmen, "nicht exzessiv" Produkte mit östrogenwirksamen Substanzen essen und Phytoöstrogene als Nahrungsergänzung zu sich nehmen sollten: "Unsere Ergebnisse müssen aber erst noch im Tiermodell und im Menschen bestätigt werden, um hier konkrete Ernährungsempfehlungen ableiten zu können", so Warth. Diese neue Therapieform für Brustkrebs sei äußerst effektiv und "wer sich ausgeglichen ernährt, sollte sich derzeit keine Gedanken machen".
 
Publikation in "Cell Chemical Biology":
Metabolomics Reveals that Dietary Xenoestrogens Alter Cellular Metabolism Induced by Palbociclib/Letrozole Combination Cancer Therapy. Benedikt Warth, Ana Granados, Tao Huan, Mingliang Fang, Erica M. Forsberg, H. Paul Benton, Laura Goetz, Caroline H. Johnson, Gary Siuzdak, Cell Chemical Biology, 2018.
www.cell.com/cell-chemical-biology/fulltext/S2451-9456(17)30459-2
DOI: https://doi.org/10.1016/j.chembiol.2017.12.010

Anzeige
Diesen Artikel …
sep
sep
sep
sep
sep

Weitere Beiträge in dieser Rubrik

Abstrakte Darstellung Passwortverschlüsselung

Datensicherheit aus dem LaborChemische Schlüssel für sichere Passwörter

Wissenschaftler aus dem KIT haben Informatik mit Chemie gepaart und ein gängiges Verschlüsselungsverfahren mit einem chemischen Passwort kombiniert. 

…mehr
Holm Kändler, Geschäftsführer der Hellma GmbH & Co. KG (Bild: Hellma)

Hellma erweitert die UnternehmensspitzeNeues Mitglied in der Geschäftsführung

Zum 1. März 2018 hat Hellma die Geschäftsführung durch Holm Kändler erweitert.

…mehr

BioanalytikKlinische Ergebnisse veröffentlicht: Bluttest zur der Erkennung von Leberkrebs

Die Epigenomics AG (FSE: ECX, OTCQX: EPGNY) Ergebnisse aus zwei klinischen Studien in EBioMedicine (unterstützt von Cell Press und The Lancet) bekannt gegeben und bezeichnet die Ergebnisse als "vielversprechend". Die Ergebnisse zeigen eine hohe Genauigkeit des epigenetischen Biomarker mSEPT9 bei der Erkennung von Leberkrebs in Patienten mit Leberzirrhose.

…mehr
In einem dreidimensionalen Darmkrebs-Zellkulturmodell werden durch den Wirkstoff KP-1339 (IT-139) Merkmale ausgelöst, die im Organismus den immunogenen Zelltod hervorrufen (Bild: Universität Wien).

Krebstherapeutikum auf Ruthenium-BasisNeuer Wirkmechanismus von Tumortherapeutikum entdeckt

Ein Team um Bernhard Keppler von der Universität Wien konnte zeigen, dass der neuartige Wirkstoff bei Krebszellen Symptome des immunogenen Zelltods hervorruft und damit eine zentrale Rolle bei der medikamentösen Krebstherapie einnehmen könnte.

…mehr
Schematische Darstellung Nervenzellen

Fatale TröpfchenZentraler Pathomechanismus bei Entstehung zweier neurodegenerativer Erkrankungen entdeckt

LMU-Wissenschaftler haben einen Mechanismus entschlüsselt, der bei der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) und bei der Frontotemporalen Demenz (FTD) eine zentrale Rolle spielt.

…mehr
Anzeige

Mediadaten 2018

LABO Einkaufsführer

Produktkataloge bei LABO

Produktkataloge zum Blättern


Hier finden Sie aktuelle Blätter-Kataloge von Herstellern aus der Branche. Einfach durchblättern oder gezielt nach Stichwort suchen!

Anzeige

LABO Web-Guide 2016 als E-Paper

LABO Web-Guide 2016

Web-Guide 2016


- Stichwortregister

- Firmenscreenshots

-Interessante Webadressen aus dem Labor

Anzeige

Neue Stellenanzeigen

Jetzt den LABO Newsletter abonnieren

LABO Newsletter abonnieren

Der kostenlose LABO Newsletter informiert Sie wöchentlich über neue Produkte, Lösungen, Technologietrends und Innovationen aus der Branche sowie Unternehmensnachrichten und Personalmeldungen.

LABO bei Facebook und Twitter