Zukunft Zelle

4. Kongress Industrielle Zelltechnik

Die Musik- und Kongresshalle Lübeck wurde am 12. und 13. September zum 4. Mal Anlaufpunkt für Experten und Branchenvertreter der Industriellen Zelltechnik. Etwa 130 Gäste informierten sich dort über die Themen Logistik, Implantate und Medikamentensicherheit.  In den Vorträgen zu verschiedenen Themengebieten zeigte sich erneut das breite Spektrum der Möglichkeiten, die in der kleinsten lebenden Einheit stecken.

Zur Eröffnung des Kongresses waren politische und institutionelle Vertreter gekommen: Der schleswig-holsteinische Staatssekretär für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie, Ralph Müller-Beck, und der Bürgermeister der Hansestadt Lübeck, Bernd Saxe, gaben der Veranstaltung den politischen Rahmen und sprachen über die Bedeutung des Standortes Norddeutschland für die Industrielle Zelltechnik. Auch die Veranstalter, Lars Schöning, amtierender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck und Dr. Hinrich Habeck, Geschäftsführer der Clustermanagement-Agentur Norgenta, hießen die Gäste in der MuK willkommen, bevor das wissenschaftliche Kongressprogramm startete.

Knorpelzellen überlisten

"Im Bereich Implantate zeigt sich ganz deutlich, dass durch die neuesten Entwicklungen viele komplizierte Operationen zukünftig vermieden werden können", so die Leiterin der Vortragssession, Prof. Regine Willumeit vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht. "Der Trend geht hin zu Implantaten, die vom Körper besser akzeptiert werden - das ist viel schonender für den Patienten." So präsentierte zum Beispiel Dr. Karin Benz vom NMI Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut an der Universität Tübingen, dass künstliche Gelenke in Zukunft zumindest bei bestimmten Bandscheiben- und Knorpelleiden nicht mehr unbedingt notwendig sind. Neue, biologische Implantate seien in der Lage, die natürliche Regenerationssperre der Knorpelzellen zu überlisten und so eine Heilung zu ermöglichen.

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Organe im Chip-Format

Die Idee des "Menschlein-auf-dem-Chip" war der Ansatz für den Vortrag von Dr. Uwe Marx von der TissUse GmbH. Zellchips, mit denen Forscher die Wirkung von Substanzen auf einzelne Zellen anzeigen, gebe es zwar schon seit 15 Jahren. "Gelingt es aber, den vollständigen menschlichen Organismus auf einem Chip abzubilden, wären Medikamentenstudien mit Tierversuchen in Zukunft überflüssig." Die Forschung arbeite bereits mit Hochdruck an der Entwicklung solcher Multi-Organ-Chips.

Der Leiter der Vortragssession, Dr. Matthias Brandenburger, Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie: "Bei der Medikamentenentwicklung und -sicherheit gibt es strenge Richtlinien. Es dauert bis zu 15 Jahre von der Entwicklung bis zur Zulassung eines Wirkstoffes, damit sind natürlich auch hohe Kosten verbunden. Die heutigen Beiträge haben gezeigt, dass es gute Ideen gibt, die herkömmlichen Wege zu erleichtern, ohne auf Qualität und Sicherheit zu verzichten."

Zellen transportieren und lagern - eine Herausforderung

Die Industrialisierung beinhaltet auch immer die Entwicklung von logistischen Lösungen. So beschäftigte sich die dritte Vortragssession mit den Themen Transport und Lagerung von Zellen. "Hier sind technisch ausgereifte und zugleich kosteneffiziente Lösungen gefragt", so Chairman Prof. Mathias Freund von der Seracell Pharma AG aus Rostock.

Tagungspräsident Prof. Charli Kruse, Leiter der Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie in Lübeck, fasste die Veranstaltung zusammen: "Der diesjährige Kongress hat gezeigt, dass es vielversprechende Trends gibt, die weiterverfolgt werden sollten. Wir freuen uns, dass der Austausch über wichtige Themen der Industriellen Zelltechnik sich inzwischen als regelmäßiges Treffen etabliert hat und möchten dies auch in Zukunft fortführen."

Weitere Informationen zum Kongress gibt es im Internet unter www.zelltechnik-kongress.de.

 

Über die Veranstalter
Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie

Die 2008 in Lübeck gegründete Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie ist entstanden aus der Arbeitsgruppe "Zelldifferenzierung & Zelltechnologie" an der Universität zu Lübeck. Die Fraunhofer EMB wird geleitet von Prof. Charli Kruse und besteht aus den Arbeitsgruppen Zelldifferenzierung, Zelltechnologie, der Aquatische Zelltechnologie und Aquakultur. Sie ist mit der wissenschaftlichen Gestaltung des Kongressprogramms betraut.
Weitere Informationen unter: www.emb.fraunhofer.de

Industrie- und Handelskammer zu Lübeck
Der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck  gehören heute mehr als 70.000 Mitgliedsunternehmen aus der Hansestadt Lübeck sowie den Kreisen Herzogtum Lauenburg, Ostholstein, Segeberg und Stormarn an.
Weitere Informationen unter: www.ihk-sh.de

Norgenta Norddeutsche Life Science Agentur GmbH
Norgenta Norddeutsche Life Science Agentur GmbH vernetzt als Clustermanagement-Agentur in Norddeutschland die Branchen Medizintechnik, Biotech und Pharma unter der Dachmarke Life Science Nord. Die Agentur initiiert und begleitet Projekte, Veranstaltungen und Messeauftritte und bewirkt so eine bessere Sichtbarkeit des Clusters sowie eine Stärkung der Life Science Branche nach innen und außen.
Weitere Informationen unter: www.life-science-nord.net

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