„Es war einmal…“

Vom Alten Fritz und dem Eichwesen

Das Jahr 1785 war in vielerlei Hinsicht ein sehr bemerkenswertes Jahr: In Ungarn und Siebenbürgen wird die Leibeigenschaft abgeschafft, Die Zeitschrift „The Times“ wird das erste Mal aufgelegt, in Hanau wird Jacob Ludwig Carl Grimm geboren und in Frankreich sorgt der „Halsbandskandal“ um Marie Antoinette für Furore.

Besonders prägend ist allerdings der 12. Mai 1785. An diesem Tag erscheint das von König Friedrich II. von Preußen höchst selbst befohlene Schriftstück „Reglement und Instruction für die zur Ajoustirung und Stempelung der Waagen und Gewichte in Berlin angeordneten Commißion“. Dies ist die Geburtsstunde des deutschen Eichwesens – auch wenn das Reglement zunächst nur in Berlin Gültigkeit besaß.

Doch was hat Friedrich II. damit bezweckt? Im Grunde ging es ihm um einen fairen und wirtschaftlichen Handel. Tatsächlich wurden zunächst nur Gewichte unter diese Regelung gestellt, da diese für die Verbraucher schwerer nachzuprüfen waren. Man musste den Angaben der Händler schlichtweg vertrauen.

Im Laufe der Zeit übernahmen immer mehr Länder die Idee eines Eichwesens und dehnten es sukzessive auf andere Bereiche aus, wie beispielsweise in der Eichordnung des Norddeutschen Bundes aus dem Jahre 1868, die auch die Eichung von Flüssigkeitsmaßen vorschreibt. Wer bei der Missachtung dieser Vorschriften überführt wird, dem drohen mitunter verhältnismäßig hohe Strafen. Im Gesetz zum Maß- und Gewichtswesen des Königreich Sachsen aus dem Jahr 1858 beispielsweise wird der „Gebrauch unrichtiger Gewichte oder Maße im öffentlichen gewerblichen Verkehr das erste Mal mit 1 bis 50 Talern Geldbuße, in Wiederholungsfällen mit acht Tagen bis vier Wochen Gefängnis bestraft“. Solche drakonischen Strafen lassen sich im heutigen Eichgesetz zwar nicht mehr finden, doch gilt die Eichpflicht für viele Dinge auch heute noch.

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Vom Gewicht zum Messgerät
Im Bundesgesetzblatt Teil 1 Jahrgang 1969 (Nr. 58 vom 15.07.1969) wird im § 1 festgehalten, dass eine Eichpflicht grundsätzlich überall dort gilt, wo etwas in Verkehr gebracht wird. Speziell in § 3 „Eichpflicht im Bereich der Heilkunde und der Herstellung und Prüfung von Arzneimitteln“ wird herausgestellt, dass alle in diesem Zusammenhang verwendeten Messgeräte prinzipiell der Eichpflicht unterliegen.

Zur Eichung gehört hierbei neben der eigentlichen Prüfung des Messgerätes immer auch die Stempelung, also die Kennzeichnung der erfolgten Eichung. Dabei ist die Eichprüfung vom Vorgehen her oft nichts anderes als das, was im Rahmen einer Kalibrierung gemacht wird. Durch die Prüfung wird festgestellt, ob das vorgelegte Messgerät den Eichvorschriften entspricht, d.h. ob es den an seine Beschaffenheit und seine messtechnischen Eigenschaften zu stellenden Anforderungen genügt, insbesondere, ob die Beträge der Messabweichungen die Fehlergrenze nicht überschreiten. Jedoch wird die Eichung ausschließlich durch von einer Eichbehörde autorisierten Eichbeamten durchgeführt. Sie ist somit eine hoheitliche behördliche Amtshandlung. Im Gegensatz dazu darf eine Kalibrierung jeder geschulte Labormitarbeiter durchführen.

Übrigens: Die Historie zeigt, dass das Eichwesen eine rein deutsche Erfindung ist. Amerikanische Behörden werden niemals nach einer Eichung einer Waage fragen. Für sie ist die Qualifizierung und Kalibrierung maßgeblich.

Welches Zitat wäre zum Schluss dieses Qualitätstipps passender, als eines vom Erfinder des Eichwesens selbst:

„Seine Pflichten erkennen und tun, das ist die Hauptsache.“

(Friedrich II., der Große, gen. Der „Alte Fritz“, *1712-†1786, ab 1740 König von Preußen).

Michael Klosky, B.Sc., Novia Chromatographie und Messverfahren GmbH, Industriepark Höchst, 65926 Frankfurt am Main, Tel. 069 305-43843, E-Mail: Michael.Klosky@provadis-novia.de, www.provadis-novia.de

Michael Klosky, B.Sc.
Novia Chromatographie- und Messverfahren GmbH
Tel. 069 305-43843
E-Mail: Michael.Klosky@provadis-novia.de

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