Der Qualitäts-Tipp im April

Grundregeln der Laborhygiene - Gefahr durch Kontamination im Labor

Gefahr durch Kontamination im Labor

Michael Klosky*)
NOVIA GmbH,.Frankfurt. Verfasst unter der Federführung der Infraserv GmbH & Co. Höchst KG - Arbeits- und Gesundheitsschutz, Frankfurt. Kontakt: Michael.Klosky@novia.de

Kommt Ihnen folgende Situation bekannt vor? Sie bereiten im Labor gerade ihre Proben vor, sind in Gedanken aber noch bei der Analyse, die Sie parallel laufen haben, und müssen auch noch daran denken, ihre HPLC-Anlage zu equilibrieren. Schon haben Sie einen Moment nicht Acht gegeben und verschütten das Lösemittel, das Sie gerade in den Kolben füllen wollten. Meiner eigenen Erfahrung nach der ganz gewöhnliche Laborantenalltag! Schnell geht in der Hektik einmal etwas verschütt. Doch genau dann ist die richtige Handlungsweise gefragt. Wie die aussieht, beantwortet Ihnen dieser Qualitätstipp.

Die Vermeidung von Kontaminationen im Labor dient dazu, Mitarbeiter vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu schützen. Die größte Gefahr besteht für Mitarbeiter darin, sich unwissentlich zu kontaminieren. Im Labor können Kontaminationen – z.B. auf dem Telefonhörer, der Computertastatur, an Chemikaliengebinden, Schreibgeräten, Lichtschaltern, Griffleisten von Schränken, Wasserhähnen und den Türklinken – vorhanden sein. Das Verschleppen von Kontaminationen z.B. durch mit Chemikalien verunreinigte Schuhe bzw. Laborkittel in Bereiche außerhalb des Labors kann auch für unbeteiligte Dritte gesundheitliche Folgen haben. Auch das Verlassen des Laborbereichs mit Handschuhen ist ein grober Verstoß gegen die Laborsicherheit und eine unnötige Gefährdung des übrigen Personals. Denn werden Handschuhe während der Arbeit getragen, kommt es eher zur Verschleppung von Chemikalien, da behandschuhte Hände deutlich seltener gewaschen werden als handschuhlose Hände. Damit es nicht zur unbeabsichtigten körperlichen Aufnahme von Kontaminanten kommt, sollte Laborpersonal die grundsätzlichen Hygieneregeln für das Arbeiten im Labor beachten.

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  • In Laboratorien ist es verboten, Nahrungs- und Genussmittel mitzunehmen oder zu verzehren.
  • Die Anwendung von Kosmetika ist nicht erlaubt.
  • Nahrungsmittel dürfen nicht in Chemikalien- oder Laboratoriumsgefäßen zubereitet oder aufbewahrt werden.
  • Nahrungsmittel und Gefahrstoffe dürfen nicht zusammen oder im gleichen Kühlschrank aufbewahrt werden.
  • Vor dem Essen, Trinken und Rauchen sind die Hände zu waschen.
  • Arbeitskleidung muss getrennt von Straßenkleidung aufbewahrt werden.

Wichtigstes Ziel muss es sein, Kontaminationen nach Möglichkeit stets auszuschließen.

Offensichtliche Verunreinigungen in fester oder flüssiger Form – z.B. auf dem Boden – sind unverzüglich zu beseitigen: Flüssigkeiten bei Bedarf mit hierfür geeigneten Chemikalienbindern und Feststoffe möglichst staubfrei. Die Abfälle sind verpackt in die Abfallgefäße einzubringen, die dann verschlossen und gekennzeichnet der Entsorgung zugeführt werden.

Grundregeln für die Vermeidung von Kontaminationen

Grundsätzlich sind alle Arbeiten so auszuführen, dass es nicht zu ungewollten Verunreinigungen mit der Gefahr von Stoffverschleppungen kommt. Hierbei gibt es eine ganze Menge zu beachten:

  • Chemikalienschränke und Deckel von Entsorgungseinheiten nach Gebrauch sofort verschließen; dies führt auch zur Verbesserung der Luftqualität im Labor.
  • Gelagerte Chemikalienbehälter müssen gut verschlossen sein. Dies verhindert Kontaminationen und ungewollte Stoffreaktionen (Korrosion).
  • Bei der Entnahme von Chemikalien aus Flaschen und Gebinden nichts verschütten. Sollte dennoch einmal etwas daneben gehen, sofort reinigen.
  • Schließen Sie die Frontschieber an Laborabzügen; dies schützt vor Chemikaliendämpfen und den Auswirkungen ungewollter Reaktionen.
  • Mit benutzten Handschuhen keine Lichtschalter, Telefonhörer, Schreibgeräte, Wasserhähne, etc. anfassen, um eine unbemerkte Kontamination zu vermeiden.
  • Ziehen Sie Handschuhe so aus, dass es zu keinen Kontaminationen der Hände kommt.
  • Einmalhandschuhe nach Stoffkontakt sofort wechseln.
  • Umherliegende Pipetten, Scherben, Reinigungstücher, etc. entfernen, um Kontaminationen und Verletzungen zu vermeiden.
  • Arbeitsplatz und Laborwaschbecken sauber halten. Beim Händewaschen sollte keine ungewollte Kontamination durch am Waschbecken befindliche Stoffe stattfinden.
  • Vielfach sind Augennotduschen in der unmittelbaren Nähe zum Laborwaschbecken angebracht. Auch hier gilt es, Kontaminationen der Augennotduschen zu verhindern, damit im Notfall die Erste-Hilfe-Einrichtung nicht zusätzlich zu einer Gefährdung des Verletzten führt.
  • Mit Spülarbeiten betraute Mitarbeiter dürfen keinen Gefahren durch Rückstände ausgesetzt werden. Dekontaminieren Sie die Behältnisse und Geräte und vorreinigen Sie sie.

Laborkleidung dient zum Schutz vor Chemikalien-Kontakt. Deshalb herrscht im Labor neben der Schutzbrillen- auch eine Laborkittelpflicht, wobei dieser mit langen, eng anliegenden Ärmeln versehen sein und aus einem nicht schmelzbaren Textilgewebe bestehen sollte. Außerdem ist es wichtig, festes, trittsicheres und vor allem geschlossenes Schuhwerk zu tragen.

Hautschutzprodukte

Die Verwendung von Hautschutzprodukten verhindert in der Regel nicht die Aufnahme von chemischen Stoffen über die Haut – meist über die Hände –, sondern verlangsamt diese höchstens. Allerdings erleichtert das Eincremen die Reinigung der Hände von Kontaminationen und bietet einen Schutz der Haut im feuchten Milieu – z.B. beim Tragen von Handschuhen. Die im Hautschutzplan für das Labor aufgelisteten Hautschutz-, Hautreinigungs- und Hautpflegeprodukte sollten vor Arbeitsaufnahme und entsprechend bei Bedarf während der Tätigkeit sowie am Arbeitsende angewendet werden, um einen optimalen Schutz gewährleisten zu können.

Qualifikation und Unterweisung des Personals

Verantwortliches Handeln im Labor setzt gut ausgebildetes Personal voraus. Dabei spielt nicht nur das reine Fachwissen über den Arbeits- und Gesundheitsschutz eine Rolle, sondern insbesondere die sogenannte „Awareness“. Nur Mitarbeiter, die mit den Zusammenhängen und Gefahren ihrer Arbeit vertraut sind und ein Sicherheitsbewusstein entwickelt haben, können angemessen handeln.

Laborfremde Personen wie Reinigungs- und Wartungspersonal sind vor Aufnahme der Tätigkeit auf die Gefahren und Schutzmaßnahmen hinzuweisen. Hierbei können auch E-Learning-Lösungen sinnvoll sein, die unterweisungsspezifisch gestaltet werden können, um auf diese Weise schnell, nachhaltig und rechtssicher Schulungen durchführen und auch dokumentieren zu können. Ein besonderes Augenmerk ist auf Reinigungspersonal in GMP-regulierten Bereichen zu legen. Hier muss neben der Arbeitssicherheit auch eine GMP-Schulung erfolgen.

Reinigungskräfte halten in der Regel nicht den gesamten Raum sauber. Überall dort, wo mit Kontaminationen durch Chemikalien gerechnet werden muss, stehen die Verursacher der Verunreinigung in der Reinigungspflicht. Nur sie wissen, mit welcher Methode der Bereich sicher und gründlich gereinigt werden kann. Labortische, Abzüge, Chemikalienschränke, usw. sind daher Tabu für laborfremdes Personal.


Nicht ohne ein kleines Augenzwinkern möchte ich diesen Tipp, der maßgeblich aus der Feder der Kollegen der Abteilung Arbeits- und Gesundheitsschutz der Infraserv (Industrieparkbetreiber des Industriepark Höchst) stammt, mit folgendem Zitat schließen:

„Statistik: Weist ein hoher Konsum von Seife auf die Reinlichkeit der Bevölkerung hin oder auf ihre Gewohnheit, sich schmutzig zu machen?“

Walter Ludin (*1945), Schweizer Journalist.

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