Wasserkreislauf im Wandel
Wenn Wetterextreme zur neuen Normalität werden
Der Global Water Monitor dokumentiert eine besorgniserregende Entwicklung: Überschwemmungen, Dürren und extreme Hitze nehmen weltweit zu. Das Jahr 2025 reiht sich als drittwärmstes Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen ein – ein klares Zeichen des fortschreitenden Klimawandels.
Jährlich veröffentlicht das Global Water Monitor Consortium den Global Water Monitor Report, der zeigt, wie sich die Erderwärmung auf den globalen Wasserkreislauf auswirkt. Das internationale Konsortium, geleitet von Professor Albert van Dijk von der Australian National University (ANU), stützt sich auf Datensätze, die bis ins Jahr 1978 zurückreichen. Sie ermöglichen belastbare Aussagen über langfristige Veränderungen.
Auch die TU Wien ist maßgeblich beteiligt: Am Department für Geodäsie und Geoinformation analysieren Wouter Dorigo und sein Team Satellitendaten – unter anderem von Copernicus – und leiten daraus globale Informationen zu Bodenfeuchte, Grundwasser und Vegetation ab.
Wasser in Bewegung – doch anders als früher
Der Bericht für 2025 zeichnet ein klares Bild: Die fortschreitende Erderwärmung verändert grundlegend, wie Wasser gespeichert wird, wie es zwischen Atmosphäre, Landflächen und Ozeanen ausgetauscht wird – und wie es extreme Ereignisse antreibt. Während die globalen Gesamtniederschläge leicht zurückgehen, nehmen Extremniederschläge zu. Monate mit Niederschlagsrekorden häufen sich. Die Folgen für Gesellschaften und Ökosysteme sind gravierend.
Wasserbedingte Katastrophen forderten 2025 weltweit fast 5.000 Todesopfer, vertrieben rund acht Millionen Menschen und verursachten wirtschaftliche Schäden von mehr als 360 Milliarden US-Dollar. Häufig waren Überschwemmungen, tropische Wirbelstürme, Dürren und Waldbrände miteinander verknüpft – kaskadenartig beeinträchtigten sie Wasser-, Nahrungsmittel- und Energiesysteme.
„Veränderungen im Wasserkreislauf bestimmen zunehmend, wann und wo Katastrophen auftreten“, sagt Albert van Dijk. „Im Jahr 2025 trafen Überschwemmungen, Dürren und hitzebedingte Gefahren oft innerhalb kurzer Zeiträume dieselben Regionen und verstärkten ihre Auswirkungen gegenseitig.“
Besonders dramatisch wirkt der rasche Wechsel zwischen extrem nassen und extrem trockenen Bedingungen. Wasserressourcen, Ökosysteme und Infrastruktur geraten zusätzlich unter Druck, und die Schäden werden größer. Ein Beispiel liefert Spanien und Portugal: Ein feuchtes Frühjahr begünstigte starkes Pflanzenwachstum. Die darauffolgende Hitzewelle und Blitzdürre trockneten Böden und Vegetation in Rekordtempo aus – die Folge: schwere Waldbrände.
Hitze als unsichtbarer Treiber
Der Bericht zeigt, dass Veränderungen bei Luftfeuchtigkeit, Boden- und Grundwasser sowie bei Flüssen und Oberflächengewässern eng mit vielen der verheerendsten Ereignisse des Jahres zusammenhängen. Die globalen Landtemperaturen lagen zwar leicht unter dem Rekordjahr 2024, machten 2025 aber dennoch zum drittwärmsten Jahr seit Beginn der Messungen – ein weiteres Indiz für den anhaltenden Erwärmungstrend.
„Gerade in Österreich schreitet die Klimaerwärmung überproportional schnell voran“, sagt Wouter Dorigo. „Im Vergleich zum globalen Durchschnitt von rund 1,5 Grad ist die Durchschnittstemperatur hierzulande bereits um drei Grad gestiegen.“
Extreme Hitze bleibt ein zentraler Treiber der Schäden. Weltweit nahm die Zahl heißer Tage weiter zu. In Österreich war vor allem der Juni überdurchschnittlich heiß mit durchschnittlich 5 Grad über dem langjährigen Mittel. Langanhaltende Sommerhitze in Europa war mit zahlreichen hitzebedingten Todesfällen verbunden; trockene, heiße Bedingungen begünstigten zudem Waldbrände.
Zwischen Fluten und Dürre
Auch Überschwemmungen hinterließen 2025 weltweit Spuren. Die Wasserstände der Flüsse und die Ausdehnung der Oberflächengewässer lagen über den langjährigen Durchschnittswerten; in Teilen Afrikas und Südamerikas wurden Rekordwerte erreicht. In Süd- und Südostasien führten Monsunregen und tropische Wirbelstürme zu großflächigen Überschwemmungen.
Während einige Regionen wiederholt von Hochwasser betroffen waren, litten andere unter rasch zunehmender Trockenheit, darunter Somalia und das Horn von Afrika. Teilweise sank die Bodenfeuchte und die terrestrischen Wasserspeicher innerhalb kurzer Zeit stark – ein Phänomen, das als Blitzdürre bekannt ist. Dürre entwickelt sich hier infolge hoher Temperaturen, niedriger Luftfeuchtigkeit und geringer Niederschläge besonders schnell.
Vorbereitung entscheidet über Leben und Tod
Der Bericht unterstreicht die wachsende Bedeutung von Vorsorge, Frühwarnsystemen und Evakuierungsplänen, um die Folgen von Katastrophen zu begrenzen.
„Die Auswirkungen einer Katastrophe hängen entscheidend davon ab, wie gut Gesellschaften darauf vorbereitet sind“, sagt van Dijk. „Im Jahr 2025 hat gute Vorbereitung viele Leben gerettet, doch es gab auch Versäumnisse – und ein sich verändernder Planet hält immer neue Überraschungen für uns bereit.“
Auf europäischer Ebene soll die Arbeit künftig vertieft werden. Im Projekt Allwaters befassen sich 140 Partner_innen aus 24 Ländern – darunter die TU Wien – damit, wie ein nachhaltiger Umgang mit Wasser in Europa gestaltet werden kann.
Für 2026 prognostizieren die hydrologischen Bedingungen ein erhöhtes Dürrerisiko in Teilen des Mittelmeerraums, am Horn von Afrika, in Brasilien und Zentralasien. Gleichzeitig steigt die Gefahr von Überschwemmungen im Sahel, im südlichen Afrika, in Nordaustralien und weiten Teilen Asiens.
Der Global Water Monitor – ein globaler Frühwarner
Der Global Water Monitor liefert frei zugängliche, aktuelle und globale Informationen zu Klima und Wasserressourcen. Grundlage sind Daten aus Tausenden von Bodenmessstationen sowie Erdbeobachtungssatelliten, die Niederschläge, Temperaturen, Bodenfeuchte, Flussläufe, Überschwemmungen und Wasserspeicher erfassen.
Die Ergebnisse werden unter anderem von der World Meteorological Organization (WMO) aufgegriffen, einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen (UN), und fließen in internationale Bewertungen und Entscheidungsprozesse ein.
Quelle: Technische Universität Wien













