Chromatographie

28. Steinfurter Chromatographie- Symposium – VWR Chrom Forum

Wieder war die Einladung zum Steinfurter Chromatographie-Symposium – VWR Chrom Forum –, das der FB Chemieingenieurwesen der FH Münster zusammen mit der Firma VWR International GmbH, Darmstadt, am 20. und 21. September 2011 in Steinfurt veranstaltete, auf große Resonanz gestoßen. Etwa 100 Teilnehmer aus den verschiedensten Bereichen von Dienstleistung, industrieller Anwendung und Forschung konnte der Vizepräsident der FH Münster Prof. Dr. Richard Korff zu diesem nun schon zum 28. Mal durchgeführten Austausch von Erfahrungen, verbunden mit Informationen über neue Entwicklungen begrüßen.
Aufmerksam verfolgten Teilnehmer des Workshops die Tipps und Handgriffe der VWR Service-Techniker.

Damit bestehe dieser Wissenstransfer an der Fachhochschule länger als jede andere entsprechende Veranstaltung und habe für die FH Münster einen hohen Stellenwert, insbesondere auch weil praxisorientierte Forschung an dieser Hochschule sehr erfolgreich betrieben werde. Sicher sei aber auch das Konzept – die Kombination von Vortragsveranstaltung und Workshop – für den Erfolg verantwortlich. Der Dekan des FB Chemieingenieurwesen, Prof. Dr.-Ing. Peter Dettmann, stellte die Entwicklung des Fachbereichs mit der erfolgreichen Einführung von Masterstudiengängen heraus, die inzwischen zu so mancher Promotion von Absolventen in Kooperation mit verschiedenen Universitäten geführt habe. Durch diese Einbindung der Doktoranden in die Betreuung der Studierenden sei zudem die Qualität der Lehre gesteigert worden. Und das Chrom Forum sei eine gute Basis, auf der sie Ergebnisse ihrer Arbeiten vorstellen, auch in diesem Jahr wieder. Dann führte Prof. Dr. Martin Kreyenschmidt vom Laborbereich für Instrumentelle Analytik, unterstützt von Stephanie Hanning, durch das vielseitige Programm, das Simone Mönnighoff-Pützer von der Firma VWR International zusammen mit ihm erarbeitet hatte.

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Mit ihrer Darstellung von neuen bioautographischen Tests stellte Kathrin Tscherch vom Institut für Lebensmittelchemie der Universität Hamburg neueste Entwicklungen im Bereich der Hochleistungsdünnschichtchromatographie vor. Mit der Kopplung von HPTLC und Bioautographie sei der Nachweis einer möglichen physiologischen Wirkung direkt auf dem Chromatogramm möglich. Dafür gebe es drei Möglichkeiten: Kontaktbioautographie, Immersionsbioautographie (Agar-Overlay) und direkte Bioautographie. Jede dieser mit der neuen modernen Gerätetechnik möglichen Methoden erläuterte sie an einem Beispiel und zeigte damit die Leistungsfähigkeit auf. Zudem ermögliche die Kopplung mit der Massenspektrometrie die Identifizierung der bioaktiven Banden.

Die Folgen von Undichtigkeiten, vor allem kleinster Art, Septumbluten, nicht angepasster Injektions-Volumina und nicht optimierter Spliteinstellungen in der Gaschromatographie zeigte Dr. Ute Beyer von der SGE Europe bei ihren Empfehlungen zur Fehlervermeidung in der GC auf. Die beste Säule nützt nichts, wenn davor Fehler gemacht werden. Diese Fehler würden oft nicht erkannt bzw. nicht richtig interpretiert, machte sie deutlich. Durch richtige Wahl von entsprechenden Dichtungen, Septen, eventuell notwendigen Säulenverbindern und Linern könnten viele dieser Fehler vermieden werden.

Die große Leistungsfähigkeit der HPLC-MS in der Schadensfall-Analytik von Kunststoffen stellte Oliver Robers vom Laborbereich Instrumentelle Analytik der FH Münster vor. Kunststoffe haben in den verschiedensten Bereichen eine ständig steigende Bedeutung. Ihre Haltbarkeit, insbesondere gegenüber Umwelteinflüssen, müsse aber durch verschiedenste Konfektionierungsmaßnahmen gesichert werden. Dabei sei die richtige homogene Additivierung und deren Analytik von großer Bedeutung. Beispielhaft zeigte er dies unter anderem an geschädigten Agrarfolien, die in immer größerem Maße eingesetzt werden, auf.

Erfolgreiche Einsatzmöglichkeiten einer Atline-HPLC-Methode an Bioreaktoren erläuterte Kristof Pohlmann von der FTZ Bioprozess- und Analysentechnik der HAW Hamburg am Beispiel des Nachweises artifizieller Malariavakzin-Kandidaten. Durch die derzeitigen Klimaveränderungen breitet sich die Malaria immer weiter nach Norden aus, daher sei die Entwicklung wirksamer Vakzine sehr wichtig. Die Optimierung der Produktionsprozesse in Bioreaktoren erfordere aber eine Analytik ohne Zeitverzögerung, was mit einer speziellen Atline-Technik möglich sei. Neben der RP-HPLC sei dabei die IMAC-SIA (Immobilized Metal Ion Affinity Chromatography mit Sequential Injection Analysis) besonders leistungsfähig.
Dr. Roland Haseneder vom Institut für Thermische Verfahrenstechnik, Umwelt- und Naturstoffverfahrenstechnik der Technischen Universität Bergakademie Freiberg stellte die Unterstützung der Entwicklung eines zweistufigen Verfahrens zur stofflichen Wiederverwendung von Altreifen und dessen technische Umsetzung in dezentralen Anlagen durch die GC-MS vor, erste Ansätze zu einem Upgrading statt des bisher immer nur erfolgendem Downgrading bei der Verwertung von Altreifen. Dabei sei angesichts der abnehmenden Rohstoffressourcen bei einem jährlichen Anfall von 1500 Mio. Altreifen global die Rückgewinnung von Rohkautschuk zunehmend wichtig. Bei der stofflichen Identifizierung ist die Chromatographie sehr hilfreich, doch den Schwerpunkt seiner Ausführung zur Vermüllung der Meere legte Prof. Dr. Gerd Liebezeit vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg doch auf die Darstellung des Problems. Und dies erschreckte die Zuhörerinnen und Zuhörer doch sehr: Weltweit gelangten täglich 2,7 Mio. kg Müll in die Meere, mehr als 90 % davon bestehe aus Kunststoff, 57 % davon entstammten den Freizeit-Aktivitäten der Menschen, 33 % seien Reste des Rauchens, nur 6,3 % kämen aus der Fischerei und 2 % aus Verklappungen. Besonders problematisch sei der stark zunehmende Mikromüll, insbesondere entsprechende Pellets, die in der Kosmetik z.B. fürs Peeling eingesetzt würden, denn diese würden von allen Planktonfressern mit aufgenommen.
Den Abschluss der Vortragsreihe bildete ein Weg durch den Säulendschungel von Petra Lewits von der Firma Merck KGaA, Darmstadt. Sie stellte dabei noch einmal heraus, dass von besonderer Bedeutung für eine gute Trennung die auf die Art der Probe angepasste Selektivität der Säule sei. Zudem verglich sie unpolare Phasen, insbesondere RP-18, mit der ZIC-HILIC Technologie für polare und hydrophile Stoffe und gab Informationen bezüglich der weiterentwickelten Chromolith-Säulen.

Eine umfangreiche Geräte-Ausstellung ermöglichte den Besuchern, in den Veranstaltungs-Pausen sich über den neuesten Stand der Geräte-Technik zu informieren, was intensiv genutzt wurde.
Am Ende des ersten Tages bedankte sich Simone Mönnighoff-Pützer ganz herzlich bei allen Referenten, bei Stephanie Hanning und ihrem Team für die tolle Unterstützung vor allem hinter den Kulissen und lud zum 29. Chrom Forum im September nächsten Jahres ein, dessen genaue Terminierung in Kürze erfolge und dann umgehend auf der jeweiligen Homepage veröffentlicht werde.

An die Vortragsveranstaltung schloss sich am zweiten Tag ein Workshop an, bei dem die Teilnehmer/-innen zum einen zur Fehlersuche in der HPLC – Probleme erkennen, lokalisieren, beheben, vermeiden – sehr wertvolle Tipps vom Anwender (Dirk Mautner von Bayer Schering Healthcare, Bergkamen) für Anwender erhielten und vor allem praktische Erfahrungen zum Troubleshooting an Pumpen, Autosamplern und Detektoren sowie für die Wartung und Pflege von Chromatographie-Systemen von Mitarbeitern des HPLC-Geräteservice der VWR International GmbH, Darmstadt, vermittelt bekamen und üben konnten. Gerade dieser Teil des Steinfurter Chromatographie-Symposiums stößt immer auf ein ganz besonderes Interesse, so dass auch in diesem Jahr wieder nicht alle Interessenten daran teilnehmen konnten. Denn damit dieser Workshop effektiv gestaltet werden kann, ist die Teilnehmerzahl dafür begrenzt.
Prof. i. R. Dr. Anton Janßen,
Fachbereich Chemieingenieurwesen der FH Münster

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