Tipps zum

Pipettieren kritischer Flüssigkeiten

Das Pipettieren kritischer Flüssigkeiten ist oft mit Unsicherheit verbunden. Dabei können Materialverlust, zu geringe Ausbeute aus den Proben und ungenaue Ergebnisse mit Hilfe bestimmter Herangehensweisen und Hilfsmittel weitestgehend vermieden werden. Wie man auch mit kritischen Flüssigkeiten entspannter arbeiten, verlässlichere Ergebnisse erzielen und Kosten sparen kann, erläutert der Autor im Folgenden.

© Starlab International GmbH

Wenn Flüssigkeiten besonders viskos, schäumend, heiß oder kalt sind, lassen sie sich ebenso wie solche, die einen hohen Dampfdruck, eine hohe Dichte oder sehr kleine Volumina haben, nicht standardmäßig pipettieren, ohne Verluste von Material, Genauigkeit und Probenmaterial hinnehmen zu müssen. Deshalb sind viele Laboranten unsicher, welches die bestmögliche Methode beim Pipettieren kritischer Flüssigkeiten ist.

Verluste bei kritischen Flüssigkeiten vermeiden

Vielleicht kommt dem einen oder anderen das folgende Beispiel aus der Laborarbeit bekannt vor: Es wird ein teurer Kit verwendet, und bevor die maximale Anzahl an Reaktionen genutzt worden ist, ist das Gefäß mit dem teuren Enzym schon leer. Häufig werden nur 80 - 90 Prozent des gesamten Kit-Inhalts genutzt, was nicht nur ärgerlich ist, sondern auch hohe Kosten und unnötigen Abfall verursacht. Um hier Abhilfe zu schaffen, gibt es einige Tipps für die Herangehensweise und Hilfsmittel, die für mehr Präzision und Effizienz sorgen:

Anzeige

Senkrecht pipettieren

Genaues Pipettieren erfordert Übung. Die Pipette sollte dabei möglichst vertikal gehalten werden. © Starlab International GmbH

Um auch beim Umgang mit kritischen Flüssigkeiten möglichst genaue und gleichbleibende Ergebnisse zu erzielen, sollte so senkrecht wie möglich pipettiert werden. Denn je schräger die Pipette gehalten wird, desto mehr Variationen werden innerhalb einer Serie von Proben erhalten. Warum? Der hydrostatische Druck in der Pipettenspitze ändert sich mit dem Winkel, in dem die Pipette aufgesetzt wird. Das bedeutet, je schräger die Pipette gehalten wird, desto mehr Flüssigkeit wird dann ausgestoßen. Diesen Effekt kann der Labormitarbeiter aber kaum kontrollieren, denn die Variationen sind zu gering, um sie mit dem bloßen Auge wahrzunehmen. Für eine hohe Präzision sollte er die Pipette also möglichst senkrecht halten.

Reverses Pipettieren

Anders als beim Vorwärts-Pipettieren wird beim reversen Pipettieren mittels Überhub ein größeres Volumen aufgenommen als in der Volumenanzeige dargestellt. Nach dem Pipettiervorgang bleibt deshalb ein geringer Flüssigkeitsrest in der Pipettenspitze. So ist es beim Pipettieren viskoser Flüssigkeiten kein Problem mehr, im gesicherten Mengen-Fenster der Volumina zu bleiben. Diese Garantie entfällt beim Vorwärts-Pipettieren.

© Starlab International GmbH

Korrektere Ergebnisse erzielen mit reversem Pipettieren:

© Starlab International GmbH

So sollte die Vorgehensweise beim reversen Pipettieren sein:

  • Pipettenspitze fest aufsetzen;
  • den Bedienknopf 1 bis zum zweiten Anschlag drücken;
  • Pipette senkrecht halten und die Pipettenspitze ca. 3 mm in die Flüssigkeit eintauchen;
  • Bedienknopf 1 nun langsam in die Ausgangsposition zurückgleiten lassen;
  • die Pipettenspitze noch ca. 2 Sekunden in der Flüssigkeit halten, um das Ansaugen von Luft zu vermeiden;
  • die Pipettenspitze aus der Flüssigkeit entnehmen;
  • außen an der Spitze evtl. anhaftende Tröpfchen mit faserfreiem Zellstoff entfernen – dabei darauf achten, nicht die Spitzenöffnung zu berühren;
  • die Pipettenspitze in einem Winkel von 30 – 45 ° an die Gefäßwandung anlegen;
  • den Bedienknopf 1 langsam und gleichmäßig bis zum ersten Anschlag drücken und nicht die Ausblasfunktion betätigen;
  • Bedienknopf 1 gedrückt halten und die Pipette von der Gefäßwandung entfernen. Die Restflüssigkeit in einem separaten Gefäß ausblasen;
  • den Bedienknopf 1 langsam in die Ausgangsposition zurückgleiten lassen
  • Spitzenabwurfknopf 2 drücken, um die Pipettenspitze abzuwerfen.

Vorheriges Benetzen und spezielle Pipettenspitzen nutzen für mehr Präzision und korrekte Ergebnisse

Einige Flüssigkeiten (z. B. proteinhaltige Lösungen, organische Lösungsmittel oder viskose Flüssigkeiten) hinterlassen einen Flüssigkeitsfilm an der Innenseite der Pipettenspitze. Für höchste Präzision und Richtigkeit sollte deshalb jede neue Spitze zunächst durch zwei- bis dreimaliges Aufnehmen und Abgeben mit der Flüssigkeit benetzt werden.

Alternativ bieten einige Hersteller neu entwickelte RPT (Repel Polymer Technology)-Pipettenspitzen mit einer speziellen Oberflächenbehandlung an, die ein verbessertes Fließverhalten mit entsprechender höherer Probenausbeute bewirkt. In diesen sog. „Low-Retention-Spitzen“ bleibt nur wenig Flüssigkeit zurück, da ihre Oberfläche oberflächenoptimiert und damit sehr hydrophob ist. Moderne Pipetten lassen sich problemlos auf Flüssigkeiten mit einer von Wasser abweichenden Dichte (dazu zählen zum Beispiel Ethanol und Chloroform) justieren.

Wenn die vorstehenden Tipps beachtet werden, können die Pipettierenden in Zukunft auch mit kritischen Flüssigkeiten entspannter arbeiten, Kosten sparen und bessere und vor allem auch verlässlichere Ergebnisse zur höheren Reproduzierbarkeit erzielen.

AUTOR
Klaus Ambos
Starlab International GmbH, Hamburg
info@starlab.de
www.starlabgroup.com

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Interview

Pipettieren will gelernt sein

Dosieren von Flüssigkeiten zählt zu den gängigen Vorgängen im Labor. Damit ist Pipettieren eine Routine-Tätigkeit. Trotzdem kann man hier einiges falsch machen. Dr. Ulrike Gast von Eppendorf berichtet im Interview mit LABO von ihren Erfahrungen aus...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Newsletter bestellen

Immer auf dem Laufenden mit dem LABO Newsletter

Aktuelle Unternehmensnachrichten, Produktnews und Innovationen kostenfrei in Ihrer Mailbox.

AGB und Datenschutz gelesen und bestätigt.
Zur Startseite