Schritt für Schritt

Der lange Weg zum vernetzten und vollumfänglich digitalen Labor

Um nicht eines Tages feststellen zu müssen, den Anschluss an die digitale Laborwelt verpasst zu haben, sollten Labore bereits heute erste (kleine) Maßnahmen in Richtung Digitalisierung unternehmen.

Was bringt die Digitalisierung? Unter anderem für eine standortübergreifende Einhaltung von Standards ist die Vernetzung untereinander wichtig. © Fotolia_vege

Wie digital sind wir (schon) im Labor? Wie beeinflusst die voranschreitende Digitalisierung den Laboralltag? Und was bedeutet Digitalisierung überhaupt? Diese und ähnliche Fragen rund um das Thema Digitalisierung werden wohl von jedem Anwender im Labor ganz individuell und daher auch ganz unterschiedlich beantwortet. Das liegt u. a. daran, dass unter den Begriffen Digitalisierung und Vernetzung ganz verschiedene Anwendungen und Trends zusammengefasst werden, die sich mittlerweile über alle Branchen erstrecken und aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken sind. Doch wie sieht unser Laboralltag aus? Wie digital sind wir hier unterwegs? Ungeordnete Daten und Informationen, häufig noch in Papierform, dominieren nach wie vor die Dokumentation im Labor. Eine zeitgemäße Geräte- und Dokumentverwaltung sieht anders aus und die Anforderungen daran nehmen stetig zu, besonders im regulierten Umfeld.

Damit auch der Laboralltag mit Themen wie Digitalisierung, Vernetzung und IoT Schritt halten kann, gibt es seit einigen Jahren diverse Initiativen mit Mitgliedern aus den Bereichen Wissenschaft, Forschung und Industrie, die diese Themen vorantreiben. Und auch die entsprechenden Fachmessen widmen sich immer häufiger diesem Themenkomplex. In Foren und Diskussionsgruppen wird über die Bedeutung diskutiert. Aktuelle Beispiele aus der Praxis werden von Anwendern vorgestellt, und die Hersteller zeigen neuste Produkte und Lösungen. Dabei ist festzustellen, dass das Themengebiet innerhalb der letzten zwölf Monate sehr an Präsenz zugenommen hat, nicht nur auf Messen, sondern auch im Bewusstsein der Hersteller und Laboranwender.

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Welche Vorteile bietet die Digitalisierung für die Zusammenarbeit im Labor?
Das bereits im Jahre 1990 gestartete Human-Genome-Project ist ein gutes Beispiel für vernetzte und damit digitale Zusammenarbeit im Labor. Ohne die Vernetzung von Forschern weltweit wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen. Aber wie ist diese Art der Vernetzung seitdem in den Laboralltag integriert worden? Nicht nur bei solchen Projekten werden im akademischen und industriellen Bereich immer häufiger einheitliche SOPs gefordert. Diese müssen an verschiedenen Standorten jederzeit verfügbar und stets aktuell sein. Nur so sind ein reibungsloser Ablauf und die standortübergreifende Einhaltung von Standards zu gewährleisten.

Im Jahre 2003 wurde das Human-Genome-Project beendet und seitdem stehen zum Datenaustausch verschiedene netzwerkinterne oder Cloud-basierte Anwendungen zur Verfügung. Somit ist ein digitaler, globaler Austausch von Daten ebenso selbstverständlich geworden wie der sichere, firmeninterne, aber standortübergreifende Zugriff auf einheitliche SOPs. Zum vernetzten und vollumfänglichen digitalen Labor ist es aber trotzdem noch ein weiter Weg. Neben der Vernetzung von Laborgeräten gehört auch ein digitales Proben- und Prozessmanagement zu den Bausteinen eines digitalen Labors.

Geräteperformance lückenlos dokumentieren
Immer bedeutender, aber bislang eher zweitrangig betrachtet, wird die Dokumentation und Archivierung von Geräteparametern. Es ist nicht nur wichtig zu dokumentieren, ob ein Gerät regelmäßig gewartet worden ist. Auch die lückenlose Dokumentation der Geräteperformance gehört heutzutage zu den Anforderungen an die Qualitätskontrolle im Routinelabor. Diese Informationen sollten bestenfalls auch einer Probe zugeordnet werden können, so dass eine Probe – dank digitaler Probenverwaltung – nicht nur leicht auffindbar ist, sondern auch dessen Historie jederzeit abrufbar ist. Da Probenmaterial mitunter sehr wertvoll ist oder sensitiv auf Abweichungen während der verschiedenen Bearbeitungsschritte oder der Lagerung reagiert, ist eine Fernüberwachung der Geräte ebenso erforderlich wie die sofortige Verständigung im Falle einer Abweichung.

Neue Herausforderungen für Anwender und Hersteller
Die Vision des vernetzten Labors – mit zentraler Datenerfassung und gleichzeitigem, globalem und sicherem Zugriff auf diese Daten – stellt Hersteller von Laborgeräten vor ganz neue Fragestellungen und Aufgaben. Neben dem Thema der Gerätevernetzung stellen auch eine einfache und sichere Datenarchivierung und -verwaltung gewisse Herausforderungen an die Hersteller.

Aber auch an den Anwender im Labor werden neue Anforderungen gestellt, die eine Bereitschaft zum Umdenken voraussetzen. Prozesse und Abläufe müssen hinterfragt werden, IT und Labor verschmelzen. Dabei ist häufig auch die Bereitschaft für eine Vorinvestition gefragt, da viele Einrichtungen und/oder die Laborausstattungen nicht die notwendige Infrastruktur aufweisen. Darüber hinaus wird der Abstimmungsprozess i.d.R. komplexer, da neben dem Labormanager und der Einkaufsabteilung nun häufig auch die IT-Administration sowie ggf. ein Datenschutzbeauftragter mit in den Entscheidungsprozess involviert werden muss.

Welche Vorteile bietet ein digitales Labor?
Auch wenn der Weg zu einem digitalen und vernetzten Labor vielleicht noch lang sein mag, so sollte doch jeder anfangen sich mit diesen Themen bereits heute auseinanderzusetzen. Die Technologien und Entwicklungen schreiten enorm schnell voran – das haben wir von der Consumer-Branche gelernt. Um nicht eines Tages feststellen zu müssen, den Anschluss verpasst zu haben, sollten bereits heute erste Maßnahmen in Richtung Digitalisierung unternommen werden. Schritt für Schritt wird sich zeigen, dass die Prozesse reibungsloser, die Abläufe effizienter und die Endergebnisse reproduzierbarer werden.

Um diesen Prozess des Umdenkens und der Umgestaltung meistern zu können und die Umsetzung finanziell tragbar zu machen, sollte der Weg hin zum digitalen Labor in vielen kleinen Schritten gegangen werden. Mit jedem Schritt wird sich zeigen, was als nächstes benötigt wird – und so entwickelt sich die Vorstellung vom eigenen digitalen Labor und nimmt im Laufe der Zeit konkrete Formen an.

Und noch eines steht fest: Die nächste Generation, die ins Berufsleben einsteigen wird, erwartet eine moderne, digitale Arbeitsumgebung und wird bereits zum Berufseinstieg bestens mit den Anforderungen und Arbeitsweisen vertraut sein.

Dr. Tanja Musiol
Head of Global Marketing Management
Eppendorf AG
www.eppendorf.com 

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