Bier brauen in der Forschung
Eignet sich eine alte Getreideart für die Bierherstellung?
In einem Forschungsprojekt wurde untersucht, ob sich die Getreideart „Dicke Trespe“ zum Bierbrauen eignet. Das Ergebnis: Zwei Biersorten. Ein gezielter Anbau für die Bierherstellung könne zum Erhalt der seltenen Getreideart beitragen.
Die Dicke Trespe (Bromus grossus) ist eine uralte Getreideart, die nachweislich schon in der Bronzezeit kultiviert und als Nahrungsmittel genutzt wurde. Heute zählt sie jedoch zu den vom Aussterben bedrohten Arten. In gemeinsamen Forschungsarbeiten der Universität Bayreuth, des Bezirkslehrguts Bayreuth und des Unternehmens Ireks, Kulmbach, untersucht, ob sich diese Pflanze zum Bierbrauen eignet. Das Ergebnis: ein Farmhouse Ale und ein Hefe-Weizen. Sie wurden am 20. Juli 2023 zum erfolgreichen Abschluss des von der Oberfrankenstiftung geförderten Projekts auf dem Campus der Universität Bayreuth verkostet. Die Bierproduktion könnte ein Weg zum Erhalt der Dicken Trespe sein.
„Die Dicke Trespe hat sich im Verlauf der letzten Jahrtausende immer stärker an die besonderen Bedingungen des Ackerbaus angepasst. Schnelle Keimung und eine sehr hohe Keimungsrate machen sie für die Herstellung von Malz besonders geeignet. Die Körner der Dicken Trespe sind fast so groß wie die von anderen Getreidearten“, erklärt Dr. Pedro Gerstberger vom Lehrstuhl für Pflanzenökologie der Universität Bayreuth, der das Forschungsprojekt geleitet hat. Ein großer Vorteil der Dicken Trespe besteht darin, dass die Körner – im Unterschied zu Wildgräsern – nach der Reife nicht aus der Rispe fallen, sondern an der Pflanze haften bleiben. So können sie ohne Verluste geerntet werden. „Weil die Dicke Trespe keine eigene Saatgutreserve im Boden bildet, muss sie jährlich neu ausgesät werden. Genau hier liegt die Chance, den Erhalt dieser seltenen und gefährdeten Pflanzenart durch eine dauerhafte Nutzung für die Bierherstellung zu sichern. Die Dicke Trespe ist zwar durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) der Europäischen Union und die Bundesartenschutzverordnung streng geschützt, aber ohne ihren stetigen Anbau würde sie letztlich aussterben“, sagt Gerstberger.
Die für das Forschungsprojekt an der Universität Bayreuth verwendeten Körner stammten aus einem Anbau der Dicken Trespe auf dem Gelände des Bayreuther Bezirkslehrguts, das zu den Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks Oberfranken gehört. Das verwendete Saatgut war von den Botanischen Gärten in Bonn und in Frankfurt am Main zur Verfügung gestellt worden. Ireks, ein international tätiges Unternehmen der Lebensmittelbranche in Kulmbach, übernahm unter der Leitung von Dipl.-Ing. Matthias Hansen die Herstellung des Braumalzes. Am Lehrstuhl für Bioprozesstechnik, der über eine breite Expertise auf dem Gebiet der Braukunst und einen eigenen modernen Braukessel verfügt, wurden schließlich unter der Leitung von Prof. Dr. Ruth Freitag insgesamt 45 Liter Farmhouse Ale hergestellt. 40 Liter Hefe-Weizen wurden vom Team um Dr. Ben Gilfedder, Limnologische Station der Universität Bayreuth, gebraut. Das Ergebnis überzeugte alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Verkostung – auch die Mitglieder des Vereins „UniBrauTechnik e.V.“: zwei vollmundige Craft-Biere.
Quelle: Universität Bayreuth










