Klinische Studie

Biomarker für Hodenkrebs weiterentwickelt

Wissenschaftler der Universität Bremen haben ihren Biomarker für Hodenkrebs in einer Studie erfolgreich getestet.

Erfolgreich bei der Weiterentwicklung eines Biomarkers zur Hodenkrebs-Erkennung: PD Dr. Ganzafer Belge (links) und Dr. Arlo Radtke aus dem Fachbereich Biologie/Chemie der Universität Bremen. © Kai Uwe Bohn/Universität Bremen

Ein 2012 von den Forschern gefundener Biomarker ist im Rahmen einer mehrjährigen multizentrischen Studie in Kooperation mit 37 europäischen Kliniken stark weiterentwickelt worden. Die Genauigkeit des Markers ist nachweislich so hoch, dass ein klinischer Einsatz deutlich näher rückt. Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht.

Hodenkrebs ist der häufigste bösartige Tumor bei jungen Männern zwischen 20 und 40 Jahren. Ein wichtiges Hilfsmittel zur Beurteilung des Krankheitsverlaufes ist die Bestimmung der Konzentration sogenannter Biomarker im Blut der Patienten – aber zuverlässige Biomarker fehlten den Ärzten lange Zeit. Ein erster bedeutender Schritt nach vorne war daher 2012 die Entdeckung eines äußerst vielversprechenden Biomarkers. Eine Arbeitsgruppe um den Humangenetiker Dr. Gazanfer Belge von der Universität Bremen wies an elf Patienten mit Hodenkrebs die Wirksamkeit dieses Markers nach.

37 europäische Kliniken beteiligt
Aber wo in der Medizinforschung ein erster Schritt gelingt, müssen in der Regel viele weitere folgen, bis eine wichtige Entdeckung eines Tages im klinischen Alltag landet. „Kein Arzt der Welt wird auf Biomarker vertrauen, die an nur einem Dutzend Patienten getestet wurden“, sagt Belge. Die aufsehenerregende Entdeckung vor sieben Jahren veranlasste die Wilhelm Sander-Stiftung für Krebsforschung, ein mit 170 000 Euro gefördertes Anschlussprojekt einzurichten. Mit der Drittmittelförderung wurde eine mehrjährige multizentrische Studie ermöglicht, an der 37 urologische und onkologische Kliniken aus verschiedenen europäischen Ländern teilnahmen. „Dabei wurde der Biomarker in den vergangenen drei Jahren an mehr als 600 Patienten getestet und erheblich weiterentwickelt“, so der Humangenetiker.

Anzeige

Das Ergebnis: Der an der Universität Bremen erforschte und entwickelte Biomarker hat mittlerweile eine äußerst hohe Sensitivität und damit auch eine hohe Genauigkeit. „Nach einer Hodenkrebs-Behandlung durch Chemotherapie oder Bestrahlung wird der Erfolg mit Hilfe von bildgebenden Verfahren und Blutuntersuchungen überprüft. Der von uns entwickelte Biomarker zeigt bei 94 % der gesunden Fälle korrekt an, dass die Behandelten tatsächlich negativ auf Keimzelltumoren sind“, erläutert Dr. Arlo Radtke, der die Studie zusammen mit Gazanfer Belge durchführte. „Für den medizinischen Bereich bedeutet das eine sehr gute Erkennungsrate. Die Studie hat gezeigt, dass der Biomarker sowohl für die erste Diagnose als auch für die Erfolgskontrolle nach der Behandlung ein sicheres Instrument ist.“

183 000 Euro für Nachfolgestudie
Auf der klinischen Seite war Professor Klaus-Peter Dieckmann vom Hodentumorzentrum West der Asklepios-Klinik Hamburg-Altona einer der wichtigsten ärztlichen Fachleute, die beteiligt waren. Er bestätigt die hohe Wirksamkeit des Biomarkers mit dem Namen miR-371-3p: „Aus der Sicht des Praktikers kann ich sagen: Der neue Tumormarker ist ein wichtiges Werkzeug bei der Nachsorge von Hodenkrebspatienten.“ Aufgrund der erneut positiven Ergebnisse hat sich die Deutsche Krebshilfe entschlossen, mit 183 000 Euro eine weitere Nachfolgestudie zu finanzieren. Das Projekt läuft über zwei Jahre und hat zum Ziel, den Biomarker auch für die Nachsorge von Hodentumorpatienten klinisch zu etablieren.

Beim wichtigen Schritt von der Machbarkeit im Labor zu einem anwendungsreifen, vermarktbaren Produkt wird auch Dr. Arlo Radtke beteiligt sein. Er wechselte nach dem Abschluss der von der Wilhelm Sander-Stiftung finanzierten Studie ins Team des jungen Start-Ups miRdetect GmbH, das den neuen Serum-Tumormarker für Hodenkrebs vermarkten will. Gegründet wurde das Unternehmen mit Hilfe von Exist-Fördermitteln des Bundes von den ehemaligen Bremer Universitätsforscherinnen Meike Spiekermann und Nina Winter. Beide hatten bis 2015 mit Gazanfer Belge zusammengearbeitet.

Publikation:
In: Journal of Clinical Oncology; http://ascopubs.org/doi/abs/10.1200/JCO.18.01480

Quelle: Universität Bremen

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Highlight der Woche

NEU: LABO Kompass
HPLC Anwenderwissen im August 2019

Kompakte Orientierung in Ihrem Laboralltag. Richten Sie sich richtig aus! Anwenderwissen, Produkt- und Firmenpräsentationen, Anbieterverzeichnis, Trends, Termine uvm.

Zum Highlight der Woche...
Anzeige
Anzeige
Anzeige