Rotalgen statt Fischmehl

Forschung für Forellenfutter

Rotalgen statt Fischmehl: Rostocker Forscher um Prof. Petra Wolf, Inhaberin des Lehrstuhls für Ernährungsphysiologie und Tierernährung, an der Universität Rostock suchen nach alternativen Futtermitteln für die Fischzucht. „Das beste Futter für den Fisch ist noch der Fisch selbst – aus diesem Grund enthalten Fischfutter in größeren Mengen Fischmehl“, sagt Prof. Wolf. Denn: vor allem Raubfische brauchen viel Eiweiß in ihrer Nahrung.

Forschen fürs Forellenfutter: Ralf Bochert, Prof. Hendrik Schubert, Prof. Petra Wolf und Gregor Thum. (Foto: Universität Rostock / Julia Tetzke)

Sind die Rostocker Forscher einer alternativen Futterlösung, die das Meer bietet, bereits nahe? Rotalgen, die die Badegäste am Strand ärgern, Miesmuscheln und Seeringelwürmer könnten schon bald als eiweißreiches Futter für die Forellenaufzucht vor der Ostseeküste dienen. Davon ist Prof. Petra Wolf, international anerkannte Wissenschaftlerin, überzeugt.

Eine maßgebliche Idee für alternatives Fisch-Futter hatte Gregor Thum. Dem 31-jährigen Forschungstaucher fiel bei Expeditionen an den küstennahen Riffen Nienhagen und Rosenort auf, dass dort jede Menge an Algen und wirbellose Tierchen zu finden sind. Aber: „Die Ernte ist auf Grund der Lage der Riffe schwierig und kostspielig“, nennt Gregor Thum Hürden.

Er verweist auf das Projekt Baltic IMTA (integrated multitrophic aquaculture), in dem neben Forellen auch Rotalgen und Miesmuscheln in der Nähe des künstlichen Riffes Nienhagen zusammen kultiviert wurden. Die Fische seien zunächst mit kommerziellem Mastfutter gefüttert worden. Gregor Thum hatte dann die Idee zur weiteren Verbesserung der Nachhaltigkeit einer solchen Anlage. „Warum sollte man die Fische in Aufzuchtanlagen nicht zusätzlich mit Muscheln, Algen und Würmern füttern, um eben die Nachhaltigkeit zu verbessern?

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„Im Labor haben wir die potenziellen natürlichen Futtermittelzutaten unter die Lupe genommen und festgestellt, dass einige Komponenten sehr eiweißreich sind und auch günstige Gehalte an essentiellen Aminosäuren sowie Spurenelementen beinhalten.“

Aber fressen die Fische Rotalgen? Gemeinsam mit der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg Vorpommern, Versuchsstation Born, haben die Rostocker Uni-Forscher das am Beispiel der besonders robusten Born-Forelle getestet. Diese seit 1975 im Brackwasser der Darß-Zingster Boddenkette gezüchteten Forellen wachsen den Angaben zufolge auch bei Stress besser als importierte Forellen.

Dem Futter der Born-Forellen wurden bis zu 35 % der neuen Naturprodukte hinzugefügt. Das Ergebnis: Die Forellen haben mit Appetit gefressen und sich gut entwickelt. „Es gab keinerlei Anzeichen, die gegen das Futter sprechen“, resümiert Prof. Wolf, die auch bei diesem Pilotprojekt auf interdisziplinäre Zusammenarbeit setzt. Beispielsweise mit dem Institut für Biowissenschaften, Arbeitsgruppe Ökologie unter Leitung von Prof. Hendrik Schubert. Als nächstes gilt es zu prüfen, ob sich die Zutaten für das Naturfutter kostengünstig und ausreichend gewinnen lassen bzw. auch künstlich vermehrt werden können.

Gelingt das, ließe sich der Verbrauch von Fischmehl in der Fischfütterung im großen Stil minimieren. „Das würde in der Konsequenz bedeuten, dass für den Verbraucher mehr Fisch zur Verfügung steht und die Fischproduktion preiswerter wird“, blickt Prof. Wolf optimistisch voraus. Zudem könnte der Anteil an Fischmehlen im Futter verringert und damit die Nahrungskonkurrenz zwischen Mensch und Fisch entschärft werden, ein Umstand, der auch für Drittländer wie Afrika von Bedeutung wäre.

Text: Wolfgang Thiel

Kontakt:

Universität Rostock
Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät
Prof. Dr. Petra Wolf
E-Mail: petra.wolf@uni-rostock.de

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