Forschungsförderpreise

Leibniz-Preise 2021 der DFG verliehen

Die neuen Trägerinnen und Träger des wichtigsten Forschungsförderpreises in Deutschland stehen fest: Der Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erkannte gestern vier Wissenschaftlerinnen und sechs Wissenschaftlern den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2021 zu.

Sie waren zuvor vom zuständigen Auswahlausschuss aus 131 Vorschlägen ausgewählt worden. Von den zehn Preisträgerinnen und Preisträgern kommen je zwei aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, den Naturwissenschaften und aus den Ingenieurwissenschaften sowie vier aus den Lebenswissenschaften. Die Ausgezeichneten erhalten jeweils ein Preisgeld von 2,5 Millionen Euro. Diese Gelder können die Preisträgerinnen und Preisträger bis zu sieben Jahre lang nach ihren eigenen Vorstellungen und ohne bürokratischen Aufwand für ihre Forschungsarbeit verwenden. Wegen der Coronavirus-Pandemie tagte der Hauptausschuss per Videokonferenz. Die Leibniz-Preise 2021 werden am 15. März in einem virtuellen Rahmen verliehen.

Den „Förderpreis im Gottfried Wilhelm Leibniz-Programm“ der DFG für das Jahr 2021 erhalten:

  • Dr. Asifa Akhtar, Epigenetik, Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik, Freiburg
  • Professorin Dr. Elisabeth André, Informatik, Universität Augsburg
  • Professor Dr. Giuseppe Caire, Theoretische Nachrichtentechnik, Technische Universität Berlin
  • Professor Dr. Nico Eisenhauer, Biodiversitätsforschung, Universität Leipzig
  • Professorin Dr. Veronika Eyring, Erdsystemmodellierung, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Standort Oberpfaffenhofen und Universität Bremen
  • Professorin Dr. Katerina Harvati-Papatheodorou, Paläoanthropologie, Eberhard Karls Universität Tübingen und Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment, Tübingen
  • Professor Dr. Steffen Mau, Soziologie, Humboldt-Universität zu Berlin
  • Professor Dr. Rolf Müller, Pharmazeutische Biologie, Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung und Universität des Saarlandes, Saarbrücken
  • Professor Dr. Jürgen Ruland, Immunologie, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München
  • Professor Dr. Volker Springel, Astrophysik, Max-Planck-Institut für Astrophysik, Garching
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Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis wird seit 1986 jährlich von der DFG verliehen. Pro Jahr können bis zu zehn Preise mit einer Preissumme von jeweils 2,5 Millionen Euro verliehen werden. Mit den zehn Preisen für 2021 sind bislang insgesamt 388 Leibniz-Preise vergeben worden. Davon gingen 123 in die Naturwissenschaften, 113 in die Lebenswissenschaften, 91 in die Geistes- und Sozialwissenschaften und 61 in die Ingenieurwissenschaften. Da Preis und Preisgeld in Ausnahmefällen geteilt werden können, ist die Zahl der Ausgezeichneten höher als die der Preise. Insgesamt haben bislang 415 Nominierte den Preis erhalten, darunter 353 Wissenschaftler und 62 Wissenschaftlerinnen.

Zwei Leibniz-Preisträgerinnen und sieben Leibniz-Preisträger haben nach der Auszeichnung mit dem wichtigsten Forschungsförderpreis in Deutschland auch den Nobelpreis erhalten: 1988 Professor Dr. Hartmut Michel (Chemie), 1991 Professor Dr. Erwin Neher und Professor Dr. Bert Sakmann (beide Medizin), 1995 Professorin Dr. Christiane Nüsslein-Volhard (Medizin), 2005 Professor Dr. Theodor W. Hänsch (Physik), 2007 Professor Dr. Gerhard Ertl (Chemie), 2014 Professor Dr. Stefan W. Hell (Chemie) sowie 2020 Professorin Dr. Emmanuelle Charpentier (Chemie) und Professor Dr. Reinhard Genzel (Physik).

Die Leibniz-Preisträgerinnen und -Preisträger 2021 im Kurzporträt:

Dr. Asifa Akhtar (49), Epigenetik, Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik, Freiburg

Asifa Akhtar erhält den Leibniz-Preis für ihre zellbiologischen Arbeiten zu Mechanismen der epigenetischen Genregulation. Mit ihnen leistete sie einen bahnbrechenden Beitrag zum Verständnis der X-Chromosomenregulation, auch als „Dosiskompensation“ bekannt. Dabei handelt es sich um einen Mechanismus, der dafür sorgt, dass beim männlichen und weiblichen Geschlecht die Gene des X-Chromosoms in gleicher Stärke hergestellt werden. Akhtar konnte hier unter anderem den molekularen Mechanismus aufklären, der die unterschiedliche Funktion von MOF (males-absent on the first protein)-Histon-Acetyltransferasen auf dem X-Chromosom und den Autosomen steuert. Akhtar erkannte weiterhin, dass MOF auch bei anderen Prozessen der Regulation des Erbguts beteiligt sind. Diese Erkenntnisse sind grundlegend für das Verständnis entwicklungsbiologischer und pathologischer Prozesse wie beispielsweise bei Krebserkrankungen. In jüngerer Zeit entdeckte Akhtar, dass MOF neben ihrer Rolle bei der Regulierung der Genexpression im Zellkern auch maßgeblich die Genregulation in Mitochondrien steuern. Das erklärt erstmals, wie die epigenetische Genexpression zwischen Kern und Mitochondrien auf Basis des Zellstoffwechsels koordiniert wird.

Asifa Akhtar wurde 1997 am Imperial Cancer Research Fund in London promoviert. Ihre Forschung setzte sie am European Molecular Biology Laboratory in Heidelberg fort, wo sie – nach einem Zwischenstopp an der LMU München – von 2001 bis 2009 eine Forschungsgruppe leitete. Danach wechselte sie an das Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg, wo sie 2013 zur Direktorin der Abteilung für Chromatin-Regulierung ernannt wurde. Seit 2019 ist Akhtar Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

Professorin Dr. Elisabeth André (59), Informatik, Universität Augsburg

Mit dem Leibniz-Preis wird Elisabeth André für die Etablierung des Forschungsgebiets der konversationellen emotionalen Agenten im Bereich der künstlichen Intelligenz ausgezeichnet. Es liefert die Grundlagen dafür, dass zukünftige KI-Systeme menschzentrierter agieren können. Bereits in ihrer Promotion befasste sich André mit verbalen und nichtverbalen Signalen zur Mensch-Maschine-Kommunikation. Ferner widmete sie sich früh dem heute aktuellen Thema Vertrauen in der Mensch-Maschine-Kommunikation, etablierte Schmerzerkennung als relevante Fähigkeit für Machine-Learning-basierte Gesundheitsassistenz und adressierte Fragen zur Akzeptanz der Autonomie von Maschinen. Mit der Entwicklung des Open-Source-Frameworks SSI (Social Signal Interpretation) zur Aufzeichnung und Analyse von multimodalen Signalen wie Blickbewegung, Sprache und Gesten ist André schließlich ein weit über die Informatik hinausgehender Beitrag gelungen. SSI wird heute weltweit für unterschiedlichste Aufgaben genutzt, etwa um Roboter oder virtuelle Charaktere mit der Fähigkeit auszustatten, Gefühlsregungen eines Menschen zu erkennen und darauf zu reagieren.

Elisabeth André wurde 1995 an der Universität des Saarlandes im Fach Informatik promoviert. Bereits zuvor leitete sie mehrere Projekte am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken. 2001 folgte sie einem Ruf auf den Lehrstuhl für Multimodale Mensch-Technik-Interaktion an das damals neu errichtete Institut für Informatik der Universität Augsburg. André engagierte sich von 2008 bis 2012 als Fachkollegiatin der DFG und ist seit 2010 Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Die Gesellschaft für Informatik wählte sie 2019 zu einem der „zehn prägenden Köpfe der deutschen KI-Geschichte“.

Professor Dr. Giuseppe Caire (55), Theoretische Nachrichtentechnik, Technische Universität Berlin

Giuseppe Caire erhält den Leibniz-Preis für die Schaffung wesentlicher informationstheoretischer Grundlagen auf dem Gebiet der drahtlosen modernen Kommunikations- und Informationstechnik. Er hat unter anderem die theoretische Basis zur Optimierung von speziellen Modulationsverfahren (Bi-Interleaved Coded Modulation, BICM) entwickelt, die es ermöglichen, Nachrichten eines Senders, die über einen verrauschten Kanal laufen, beim Empfänger fast fehlerfrei zu dekodieren. Diese Verfahren sind heute Standard in der drahtlosen Kommunikation. Seine jüngsten Arbeiten zu verteilten Cachingsystemen, bei denen Informationen an mehreren örtlich voneinander getrennten Stellen gespeichert werden, haben vollkommen neue informationstheoretische Ergebnisse hervorgebracht. Auch der Technologietransfer ist Caire ein Anliegen: So gründete er unter anderem SpaceMUX mit, ein Silicon-Valley-Startup, das Technologien für drahtlose Netzwerke in Unternehmen entwickelte.

Nach seiner Promotion 1994 am Politecnico di Torino in Italien arbeitete Giuseppe Caire unter anderem bei der European Space Agency in den Niederlanden und als Associate Professor an der Universität Parma. Von 1998 bis 2005 war er Professor am Institut Eurécom in Sophia Antipolis, Frankreich, und von 2005 bis 2016 Professor an der Viterbi School of Engineering der University of Southern California. Im Jahr 2014 wurde Caire Alexander von Humboldt-Professor an der TU Berlin und ist dort seit dieser Zeit Professor für Theoretische Grundlagen der Kommunikationstechnik. 2018 erhielt er einen ERC Advanced Grant.

Professor Dr. Nico Eisenhauer (40), Biodiversitätsforschung, Universität Leipzig

Der Leibniz-Preis für Nico Eisenhauer würdigt dessen herausragende Arbeiten zu den Auswirkungen des globalen Wandels auf die Biodiversität und Ökosystemfunktionen. Er gehört schon jetzt zu den führenden Wissenschaftlern seines Gebiets. Eisenhauers Forschung erbrachte wesentliche Weiterentwicklungen in der ökologischen Theorie und ein grundlegendes Verständnis der funktionellen Bedeutung von Biodiversität. Eisenhauer widmete sich insbesondere der globalen Verteilung der Bodenmakro- und -mesofauna, wie Regenwürmer und Springschwänze, die als „Bodeningenieure“ die ökologische Produktivität von Böden bestimmen, sowie deren Interaktionen mit Mikroorganismen und Pflanzen. So konnte er das Verständnis der Wechselbeziehungen von Pflanzen mit Bodentieren sowie den mikrobiellen Gemeinschaften des Bodens maßgeblich erweitern. Mit weiteren Forschungsarbeiten stellte Eisenhauer zudem die entscheidenden Weichen für ein prozessbasiertes Verständnis der Funktion von Biodiversität unter den Bedingungen fortschreitender Umweltveränderungen.

Auf Nico Eisenhauers Promotion in Biologie an der TU Darmstadt 2008 folgten Postdoc-Aufenthalte an den Universitäten in Göttingen, Minnesota und an der TU München. 2012 warb er eine Emmy Noether-Nachwuchsgruppe der DFG ein und folgte einem Ruf an die Universität Jena. 2014 erhielt er den Heinz Maier-Leibnitz-Preis und wurde zum Professor für Experimentelle Interaktionsökologie am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig und der Universität Leipzig berufen. Er ist Sprecher des „Jena-Experiments“, eines der international bekanntesten Biodiversitätsexperimente. 2016 erhielt er einen ERC Starting Grant.

Professorin Dr. Veronika Eyring (52), Erdsystemmodellierung, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Standort Oberpfaffenhofen und Universität Bremen

Veronika Eyring erhält den Leibniz-Preis, weil sie maßgeblich dazu beigetragen hat, das Verständnis sowie die Genauigkeit von Klimavorhersagen durch prozessorientierte Modellierung und Modellevaluierung zu verbessern. Ihre ursprünglich auf die Bewertung der Auswirkungen von Schiffsemissionen auf die Zusammensetzung der Atmosphäre, das Klima und die menschliche Gesundheit bezogene Forschung erweiterte sie auf die Erdsystem- und Klimamodellierung. In jüngerer Zeit konzentrierte sie sich auf die Entwicklung innovativer Verfahren zur Verbesserung der Prognosefähigkeit der Modelle. Im Rahmen eines großen internationalen Forschungsverbunds leitet Eyring die Entwicklung des sogenannten Earth System Model Evaluation Tools, das den Vergleich von Klimamodellen erlaubt – ein entscheidender Schritt zur Verringerung von Unsicherheiten in den Vorhersagen zur künftigen Klimaentwicklung. Ihre Erkenntnisse bringt Eyring auch als koordinierende Leitautorin des Sachstandsberichts des Weltklimarats zum Thema „Menschlicher Einfluss auf das Klimasystem“ ein.

Veronika Eyring wurde 1999 an der Universität Bremen promoviert und habilitierte sich dort 2008 in Umweltphysik im Rahmen einer Helmholtz-Nachwuchsgruppe. Seit dem Jahr 2000 war sie zudem wissenschaftliche Mitarbeiterin am DLR-Institut für Physik der Atmosphäre. Gastprofessuren und Aufenthalte am National Center for Atmospheric Research in Boulder, USA, sowie eine Honorar‐Gastprofessur an der Universität Exeter, UK, schlossen sich an. 2017 wurde Eyring von der Universität Bremen gemeinsam mit dem DLR zur Professorin für Klimamodellierung am Institut für Umweltphysik berufen. Seit 2018 leitet sie zudem die Abteilung Erdsystemmodell-Evaluierung und -Analyse am DLR.

Professorin Dr. Katerina Harvati-Papatheodorou (50), Paläoanthropologie, Eberhard Karls Universität Tübingen und Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment, Tübingen

Für ihre bahnbrechenden Erkenntnisse zur Evolution des Menschen und seiner nächsten Verwandten wird Katerina Harvati-Papatheodorou mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet. Mit einer Kombination aus Feldforschung und bildgebenden Techniken der 3D-Morphometrie konnte sie wichtige neue Einsichten über die Abläufe der menschlichen Evolution gewinnen. So konnte sie in ihren vielfältigen Forschungen zeigen, dass auch Neandertaler ein weit entwickeltes Verhaltensrepertoire hatten, was die Vorstellung über den nächsten Verwandten des Menschen grundlegend revidiert hat. In der Feldforschung konzentrierte sie sich auf die bisher wenig erforschte Region Südosteuropas als Verbreitungsweg und eiszeitliches Rückzugsgebiet. Mithilfe der von ihr entwickelten Methoden konnte sie für Fossilfunde aus Griechenland nachweisen, dass diese aus einer ersten Besiedlungswelle moderner Menschen (Homo sapiens) aus Afrika nach Europa vor 210 000 Jahren stammen und dass die Besiedlungsgeschichte wesentlich dynamischer war als vorher angenommen.

Katerina Harvati-Papatheodorou wurde 2001 an der City University of New York in Anthropologie promoviert, bevor sie 2004 an das Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig wechselte. 2009 berief die Universität Tübingen sie als Professorin für Paläoanthropologie. 2011 erhielt sie einen ERC Starting Grant sowie 2016 einen ERC Consolidator Grant. Sie ist Co-Sprecherin der DFG-geförderten Kolleg-Forschungsgruppe „Words, Bones, Genes, Tools: Tracking Linguistic, Cultural and Biological Trajectories of the Human Past“.

Professor Dr. Steffen Mau (52), Soziologie, Humboldt-Universität zu Berlin

Der Leibniz-Preis für Steffen Mau würdigt dessen innovative soziologische Analysen der vielfältigen gesellschaftlichen Transformationen, die unsere Gegenwart kennzeichnen. In seinen Forschungsarbeiten widmete Mau sich Untersuchungen zur Dynamik sozialer Ungleichheiten und gesellschaftlicher Polarisierung ebenso wie vergleichenden Wohlfahrtsstaatsanalysen oder Prozessen der Transnationalisierung und Europäisierung sozialer Lebenswelten. Mau kombinierte dabei stets makrosoziologische Strukturanalysen mit einer dichten Beschreibung des individuellen und sozialen Lebens auf einer Mikroebene. So machte er in seinem Buch „Das metrische Wir“ (2017) die Dynamiken sichtbar, die mit der Digitalisierung einhergehen, und beschrieb, wie sie sich zu alten und neuen Ungleichheiten verhalten. In seiner jüngsten Monografie „Lütten Klein“ (2019) schaut er mit genauem soziologischen Blick auf das Rostocker Neubauviertel, in dem er selbst aufwuchs, und zeigt auf, wie gravierend die Veränderungen in der ostdeutschen Gesellschaft nach 1989 waren.

Nach einer Ausbildung zum Elektronikfacharbeiter beim VEB Schiffselektronik Rostock studierte Steffen Mau Soziologie und Politikwissenschaften an der FU Berlin und wurde 2001 am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz promoviert. Seit 2005 war er zunächst Professor für politische Soziologie in Bremen, 2015 folgte er einem Ruf an die Humboldt-Universität zu Berlin. Gastprofessuren und Fellowships führten ihn unter anderem an die Sciences Po in Paris und nach Harvard. 2012 bis 2018 war er Mitglied der Wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrats.

Professor Dr. Rolf Müller (55), Pharmazeutische Biologie, Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung und Universität des Saarlandes, Saarbrücken

Mit Rolf Müller erhält ein herausragender Wissenschaftler auf dem Gebiet der Naturstoffforschung und der Biomedizinischen Mikrobiologie den Leibniz-Preis. Müller gelang es, in der Wirkstoffforschung neue Methoden aus Molekularbiologie und Synthetischer Biologie, Bioinformatik und Funktionaler Genomik einzusetzen und so zur Bekämpfung antibiotikaresistenter Krankheitserreger beizutragen. Einen Schwerpunkt seiner Forschung mit biologisch aktiven Wirkstoffen aus Mikroorganismen stellen die im Erdboden lebenden Myxobakterien dar. Sie bilden auf natürliche Weise eine Vielzahl von Naturstoffen, etwa um mikrobielle Konkurrenten oder Feinde auszuschalten. Müller etablierte ein weltweites Programm zur Entdeckung neuer Myxobakterienstämme, in dessen Rahmen bereits neue Bakterienarten, -gattungen und -familien sowie zahlreiche Kandidaten für neue Naturstoffe gefunden werden konnten. Die gewonnenen Naturstoffe, auch als Sekundärmetabolite bezeichnet, sind eine geeignete Quelle für Leitsubstanzen zur Entwicklung neuer Therapeutika.

Rolf Müller wurde 1994 in Bonn in Pharmazeutischer Biologie promoviert und erhielt dort auch seine Approbation zum Apotheker. Im Anschluss forschte er zwei Jahre an der University of Washington in Seattle. 2000 habilitierte er sich an der TU Braunschweig und nahm 2003 den Ruf auf eine Professur für Pharmazeutische Biochemie an die Universität des Saarlandes an. Seit 2010 ist er dort auch geschäftsführender Direktor am neu gegründeten Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland.

Professor Dr. Jürgen Ruland (54), Immunologie, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München

Für seine herausragenden wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiet der Immunologie, die zu einem grundlegend neuen Verständnis der Signalübertragungswege in Immun- und Krebszellen geführt haben, wird Jürgen Ruland der Leibniz-Preis zuerkannt. Ruland ist ein weltweit führender Immunologe und Onkologe, der gesunde und bei Krankheit deregulierte Signalprozesse im Immunsystem erforscht. Mit seiner Arbeitsgruppe untersucht er, wie Immunzellen Pathogene erkennen, die Immunabwehr einleiten und wie pathologisch deregulierte Signale in Blutzellen zur Entstehung von Krebserkrankungen führen. Zudem gelang es ihm, die molekulare Erkennung von Pilzen durch die sogenannten Dectin-Rezeptoren des Immunsystems sowie deren Signalprozesse aufzuklären. Diese grundlegenden Erkenntnisse sind wichtig für die Diagnose von Immunschwäche und die Therapie onkologischer Erkrankungen. Rulands Arbeiten beleuchten in eindrucksvoller Weise, wie Einsichten aus der Pathologie und Onkologie die Basis für die Entschlüsselung grundlegender Mechanismen der Physiologie des Immunsystems legen können.

Nach seiner Promotion 1996 am Institut für Pharmakologie der Justus-Liebig-Universität Gießen war Jürgen Ruland zunächst am Ontario Cancer Institute in Toronto tätig. 2003 wechselte er als klinischer und wissenschaftlicher Mitarbeiter an die TU München. 2010 wurde er dort Professor und Direktor des neu gegründeten Instituts für Molekulare Immunologie und 2012 Direktor des Instituts für Klinische Chemie und Pathobiochemie am Klinikum rechts der Isar. Seit 2018 ist Ruland Sprecher des Sonderforschungsbereichs „Aberrante Immunsignale bei Krebserkrankungen“. Er erhielt 2013 und 2019 jeweils einen ERC Advanced Grant.

Professor Dr. Volker Springel (50), Astrophysik, Max-Planck-Institut für Astrophysik, Garching

Volker Springel erhält den Leibniz-Preis für seine wegweisenden Arbeiten auf dem Gebiet der Numerischen Astrophysik. Er entwickelte neue numerische Methoden, die den Präzisionsstandard in diesem Forschungsfeld beträchtlich erhöht haben. Das hat zu einem Durchbruch beim Verständnis darüber geführt, wie der vielfältig strukturierte Kosmos aus einem frühen, nahezu gleichförmigen Universum entstanden ist. Springels Forschungsarbeiten haben viele Aspekte des nichtlinearen Strukturwachstums untersucht und im Besonderen die kritische Rolle, die die Rückkopplungsprozesse in der Entwicklung der Galaxien und ihrer zentralen Schwarzen Löcher spielen. Kurz gefasst hat seine Arbeit gezeigt, dass die Galaxienentstehung ein selbstregulierender Prozess ist. So sind viele der beobachteten Eigenschaften der Galaxien eine Konsequenz dieser Rückkopplung innerhalb des derzeitigen Standards zum Ursprung der kosmischen Strukturen, dem „Kalte Dunkle Materie“-Paradigma.

Nach seiner Promotion in Astrophysik an der LMU München 2000 ging Volker Springel als Postdoktorand nach Harvard, bevor er ab 2001 in verschiedenen Positionen am Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching forschte. Rufe nach Cambridge und Harvard lehnte er 2009 ab und entschied sich dafür, als einer der Gründungsgruppenleiter eine Professur am Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS) anzunehmen. Im Jahr 2018 kehrte er als Direktor an das MPI in Garching zurück. Springel wurde mit der Otto-Hahn-Medaille, dem Heinz Maier-Leibnitz-Preis und mit dem Gruber-Preis für Kosmologie ausgezeichnet. Seit 2016 ist er Mitglied der Leopoldina.

Quelle: DFG

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