Fellow der AAM

Marburger Mikrobiologe ausgezeichnet

Der Marburger Mikrobiologe Prof. Dr. Erhard Bremer ist zum Fellow der American Academy of Microbiology (AAM) gewählt worden. Mit diesem Fellowship zeichnet die American Society for Microbiology (ASM) Wissenschaftler für herausragende Beiträge auf dem Gebiet der Mikrobiologie aus.

Der Marburger Mikrobiologe Prof. Dr. Erhard Bremer wurde zum Fellow der American Academy of Microbiology gewählt. (Foto: Nadja Pohle, Conventus)

Bremer wird dafür ausgezeichnet, dass er und seine Forschergruppe als Erste umfassend in einem Mikroorganismus beschrieben haben, wie Bakterien in Antwort auf osmotischen Stress den Flüssigkeitshaushalt in ihren Zellen regulieren (Osmoregulation). Die offizielle Aufnahmezeremonie in die AAM wird am 2. Juni anlässlich der 115. Generalversammlung der ASM in New Orleans (USA) stattfinden.

Die ASM ist die älteste und mit über 40000 Mitgliedern auch die größte mikrobiologische Fachgesellschaft der Welt; ihre Akademie hat jedoch nur rund 2400 gewählte Mitglieder. „Für einen Mikrobiologen ist es eine große Ehre, zu diesem herausgehobenen Kreis zu gehören“, so Bremer.

Bremer und seine Gruppe hatten in ihrem Modellorganismus Bacillus subtilis, ein in der Natur weit verbreitetes Bodenbakterium, als Erste umfassend Systeme der sogenannten Osmoregulation beschrieben – also Systeme, die es den Bakterien ermöglicht, die Konzentration gelöster Stoffe in ihrem Inneren der in ihrer Umwelt anzupassen und so einen übermäßigen Wasseraus- oder -einstrom zu verhindern.

„Bacillus subtilis ist ein Bakterium, das in der oberen Bodenschicht lebt und dort raschen Umweltveränderungen ausgesetzt ist, zum Beispiel Austrocknung oder plötzlichen Regenfällen. Dadurch ändert sich auch die Osmolarität der Umgebung der Bakterien, und darauf müssen sie schnell reagieren, sonst würden sie selbst austrocknen oder platzen“, erklärt der Forscher die Problematik. Bacillus subtilis hat deshalb ein ausgeklügeltes System für die Aufnahme und die Synthese sogenannter osmotischer Schutzsubstanzen entwickelt, mit denen die Bakterien ihren Zellinnendruck stabil halten können.

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Dieses System hat Bremers Labor mit einem breiten Methodenspektrum aufgeklärt – von klassischer Physiologie und Genetik über Molekularbiologie und Transkriptomics bis hin zur Röntgenkristallographie von Komponenten der Aufnahmesysteme für die osmotischen Schutzsubstanzen. „Wir waren die Ersten, die die volle Breite eines solchen Osmoregulationssystems in einem Mikroorganismus beschrieben haben“, sagt Bremer. „Die rasanten Fortschritte in der Sequenzierung von mikrobiellen Genomen liefert nun den Beweis für die universelle Verbreitung der von uns entdeckten Transportsysteme. Es ist schön zu sehen, dass man wichtige Entdeckungen gemacht hat.“

Von Bakterien produzierte osmotische Schutzsubstanzen (z.B. die Ectoine) haben inzwischen auch praktische biotechnologische Anwendungen gefunden. So werden die Ectoine von einer deutschen Firma im industriellen Maßstab aus hoch salztoleranten Bakterien durch „Melken“ gewonnen und beispielsweise für Hautcremes und Nasensprays oder zur Stabilisierung von Makromolekülen genutzt. Auch an der Nutzung von Ectoinen für medizinische Zwecke wird aktiv geforscht. „Unsere Arbeiten im Bereich der Grundlagenforschung tragen dazu bei, die Aufnahme und die Produktion solcher osmotischen Schutzsubstanzen besser zu verstehen und für biotechnologische Zwecke zu optimieren. Dazu nutzen wir auch Methoden der synthetischen Mikrobiologie“, erklärt Bremer weiter.

Erhard Bremer ist seit 1993 in Marburg tätig, zunächst als Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie, seit 1995 dann als Professor im Fachbereich Biologie der Universität. Möglichkeiten an die Universitäten in Ulm, Göttingen, Berlin und München zu wechseln, lehnte er ab und blieb stattdessen lieber in Marburg, wo die Mikrobiologie an Universität und dem Max-Planck-Institut wissenschaftlich sehr stark ist.

„Vor mir sind schon drei Direktoren des hiesigen Max-Planck-Instituts, Rudolf Thauer, Regine Kahmann und Lotte Søgaard-Andersen, in die AAM-Akademie gewählt worden“, betont Bremer. „Das reflektiert die Exzellenz der Forschung und die internationale Sichtbarkeit der Marburger Mikrobiologie, und darüber können wir uns alle gemeinsam freuen.“

Damit das auch so bleibt, engagiert er sich für die mikrobiologischen Forschungsverbünde: Von 2000 bis 2007 war er Sprecher des SFB 395 „Interaktion, Anpassung und katalytische Fähigkeiten von Bodenmikroorganismen“, von 2012 bis 2015 Vizesprecher des SFB 987 „Environmental Signal Response“ und seit Februar dieses Jahres dessen Sprecher. Außerdem ist Bremer Gründungsmitglied des LOEWE-Zentrums für Synthetische Mikrobiologie (SYNMIKRO).

Darüber hinaus engagiert er sich stark für die Lehre im Fachgebiet der Mikrobiologie. „Exzellenz in der Lehre war für die Marburger Mikrobiologen immer ganz oben auf der Agenda, und dafür ist Marburg national und international auch sehr bekannt. Es ist für mich daher eine besondere Freude, dass ich schon mehrfach von den Studierenden des Fachbereichs Biologie mit einem Lehrpreis ausgezeichnet worden bin“, führt Erhard Bremer weiter aus. „ Es ist mir ein wichtiger Ansporn, neben guter Forschung auch junge Studenten für das Fachgebiet der Mikrobiologie zu begeistern.“

Text:
Vera Bettenworth

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Erhard Bremer
Fachbereich Biologie der Philipps-Universität Marburg
E-Mail: bremer@staff.uni-marburg.de

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