Fachbeitrag

BioRegion Martinsried

Boom begann mit Biochemikern der Max-Planck-Gesellschaft
Bild 3: Groß war die Enttäuschung bei GPC Biotech AG über den Rückzug des Zulassungsantrags für Satraplatin am 6.8.2008 (Foto: GPC Biotech AG).

Richard E. Schneider*)

  1. Freier Wissenschaftsjournalist, Brunnenstr. 16, D-72074 Tübingen.
Auf der BIO-Europe in München wurde am 14.11.2008 offiziell von Bayerns Staatsregierung mitgeteilt, dass München mit Martinsried eindeutig den Schwerpunkt der schnell wachsenden Biotech-Landschaft in Deutschland darstelle. Über 130 Biotech-Firmen siedelten sich binnen zehn Jahren im Großraum München an und die Zahl der dort in der Biotechnologie Beschäftigen stieg um den 6-fachen Wert.

Nach dem Beratungsunternehmen Ernst & Young, European Life Science Report, erklomm Deutschland inzwischen den Spitzenplatz in Europas Biotechnologie: 21 % aller europäischen Biotech-Unternehmen kommen aus Deutschland. Von 332 deutschen Biotech-Unternehmen werden bereits 20 an der Börse gehandelt. Auch ihre Zukunft scheint gesichert: Nach einer Marktumfrage setzten 51,2 % der Befragten die Biotechnologie auf den ersten Platz bei den erfolgversprechendsten Investitionssektoren. Auf dem 2. Platz landete die Technik/Technologie mit 21,2 %.

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Naturgemäß wirkt der bedeutende Wirtschaftsstandort München mit seinen bedeutenden Industrieansiedlungen als weiterer Pluspunkt für die Ansiedlung von Biotech-Firmen. Zur Keimzelle zahlreicher Spin-offs wurde das Max-Planck-Institut (MPIB) für Biochemie in Martinsried vor den Toren der „Großstadt mit Herz.“ Die MorphoSys AG, 1997 als Gesellschaft für Proteinoptimierung von zwei Professoren des MP-Instituts für Biochemie gegründet, ist inzwischen eine der erfolgreichsten Biotech-Firmen Deutschlands und schreibt bereits seit 2004 schwarze Zahlen. Insgesamt geben 43 Biotech-Unternehmen als Firmenadresse Martinsried an.

Weltweit gehört München mit seinem Biotech-Zentrum Martinsried zu den führenden vier Bio-Clustern in Europa. Die rund 180 hier angesiedelten Life-Science-Unternehmen mit über 20000 Mitarbeitern machen es dazu. Zwei Drittel der Unternehmen sind KMUs. Zum rasanten Firmen-Wachstum in der Gemeinde Martinsried trug in den 1980er Jahren auch der Beschluss bei, das neue Uniklinikum in Großhadern zu errichten. Natürlich spielte auch die neue Gesetzgebung für die Biotechnologie eine Rolle, wie Horst Domdey, Koordinator für die Biotech-Entwicklung vor Ort, CEO von Bio M AG und der München Biotech Development GmbH, berichtet.

Weitere Anstöße zur Ansiedlung bzw. Gründung neuer Biotech-Firmen im Großraum München kamen von den hier beheimateten Max-Planck-Instituten für Neurobiologie und für Psychiatrie, von den beiden Kliniken links und rechts der Isar, den zu Exzellenz-Unis aufgestiegenen LMU (Ludwig-Maximilians-Universität) und der TUM (Technische Universität München). Ebenso gaben die Hochschule München und die FH Weihenstephan sowie das kürzlich in Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt umbenannte Helmholtz-Institut München (HZM) in Neuherberg Impulse. Zudem schuf der Freistaat Bayern mit neuen Behörden wie Bayern Innovativ GmbH für Innovationen und Wissenstransfers sowie der neuen Abteilung „Invest in Bavaria“ im Wirtschaftsministerium geeignete Instrumente für eine vorausschauende Industrie-Ansiedlungspolitik. Nördlich vom „Inkubator“ Martinsried entsteht inzwischen ein neuer Industriepark in Freiham, wohin sich nach einem Baustopp für bestimmte Gebäudegrößen in Martinsried industrielle Aktivitäten verlagern.
Die KMUs in und um Martinsried beschäftigen ca. 2300 Mitarbeiter. Zusammenaddiert haben sie derzeit 35 Wirkstoff-Kandidaten in den verschiedenen Phasen der klinischen Prüfung. Selbstverständlich gibt es hier auch Partnering-Veranstaltungen. Die letzte unter dem Motto „Ideas to Success“ fand am 25.9.08 statt. Hier konnten die Forscher in 10-minütigen Vorträgen ihre Projekte vorstellen und geeignete Partner für ihren teilweise noch weiten Weg bis zur Marktzulassung ihrer Medikamenten-Kandidaten oder für neue biotechnische Verfahren finden.

Biotech-Branche mausert sich

Insbesondere bei jungen KMUs stellen Finanzierungsfragen und -modelle eine wichtige Säule für das wirtschaftliche Gelingen ihrer Forschungsprojekte dar. Der „Sprung an die Börse“ mit erleichterter Kapitalbeschaffung gelang bisher insgesamt sieben der im Großraum München-Martinsried ansässigen Biotech-Unternehmen: 4SC AG, Bavarian Nordic A/S, GPC Biotech AG, MediGene AG, Micromet AG, MorphoSys AG und Wilex AG.

4SC: Dieses Unternehmen erforscht neue Wirkstoffe gegen Krebs und Autoimmun-Erkrankungen. Die Wissenschaftler von 4 SC besitzen eine eigene Technologie-Plattform für den Verfahrensablauf von der Entwicklung von Zielmolekülen bis zur klinischen Entwicklung. Im Mittelpunkt steht die Verlagerung der Arbeit an Zielmolekülen vom Labor auf den Bildschirm des PCs. Nach Firmenauskunft hat diese Verlagerung beträchtliche finanzielle und zeitliche Einsparungen zur Folge. Seit dem Jahr 2005 ist die 4SC AG an der Frankfurter Börse notiert. Zwar sanken die Nettoverkäufe im Berichtsjahr 2007 auf 1,37 Mio. Euro gegenüber 3,66 Mio. Euro 2006, jedoch wuchs der Cash-Flow dank neuer Kapitalzuflüsse auf 19,57 Mio. Euro. Die Mitarbeiterzahl stieg von 52 (2005) über 55 (2006) auf 64 (2007) an.

Am 21.10.2008 wurde die klinische Phase-I-Studie mit dem Krebsmedikament 4SC-201 erfolgreich abgeschlossen. Es handelt sich um einen Wirkstoff auf Basis der Inhibition der Histon-Deacetylase (HDAC). Die Studie wurde am Royal Marsden Hospital in Sutton bei London durchgeführt. Weiter berichtet 4SC AG, dass die am 20.6.08 vom Vorstand beschlossene Kapitalerhöhung brutto ca. 29,45 Mio. Euro erbrachte. Größter Einzelaktionär der 4 SC AG ist die Santo Holding (Deutschland). Insgesamt wurden 9500913 neue Aktien am Markt platziert, die zum Bezugspreis von 3,10 Euro je Aktie an die bestehenden Aktionäre abgegeben wurden. Mit dieser Aktienemission wurde die Übernahme der Onkologie-Projekte der Firma Nycomed für 14 Mio. Euro finanziert. Gegenwärtig zählt die 4 SC AG, Martinsried, 74 Mitarbeiter.

Die Unternehmens-Philosophie besteht in der patentrechtlich geschützten Technologie-Plattform, auf der neuartige Wirkstoffe gegen Krebs, Autoimmun-Erkrankungen sowie Infektionen bis zum Nachweis der klinischen Wirksamkeit entwickelt werden, um sie danach gegen Vorab- und Meilenstein-Zahlungen sowie Umsatzbeteiligungen an die Pharmaindustrie auszulizenzieren.


Bavarian Nordic: Das an der Kopenhagener Börse notierte Unternehmen besitzt Niederlassungen in Deutschland, den USA und Singapur. Seine ebenfalls patentierte Technologie, vielfach in klinischen Studien geprüft, besteht in einem der sichersten, polyvalenten Vakzine-Vektoren für Impfstoffe gegen Pocken, HIV/AIDS sowie gegen Brust- und Prostatakrebs. Mehrere Wirkstoff-Kandidaten befinden sich in Phase-I- bzw. Phase-II-Studien.

Mit der US-Regierung schloss Bavarian Nordic einen Vertrag zur Entwicklung von IMVAMUNE als sicheren Impfstoff der 3. Generation gegen Pocken ab. Für diese Vakzine zeichnete die amerikanische FDA Bavarian Nordic mit dem Preis „Fast Track“ aus. Das Unternehmen verfügt in Dänemark über neue Produktionsanlagen für sichere Pocken-Impfstoffe mit einer Kapazität bis 40 Mio. Dosen pro Jahr. Mit der deutschen IDT (Impfstoffwerke Dessau-Tornau) besteht eine Partnerschaft, ebenso wie mit Pharmexa und Vaccine Solutions.

Ihre Umsatz-Prognose für das Gesamtjahr 2008 erhöhte die Firmenleitung von 180 Mio. DKK (Dänenkronen = 23,2 Mio. Euro) auf 210 Mio. DKK (27 Mio. Euro). Das Nettoergebnis vor Steuern wird sich voraussichtlich von –225 Mio. DKK auf –185 Mio. DKK verbessern, der Cash-flow wird von 620 Mio. DKK auf 730 Mio. DKK steigen. Zu dieser erfreulichen Entwicklung wird auch der neue Liefervertrag mit dem kanadischen Verteidigungsministerium für IMVAMUNE beitragen, der die Lieferung von 20000 Impfdosen in diesem Jahr sowie eine Option auf weitere 180000 Dosen vorsieht.

Nach Mitteilung von Bavarian Nordic ist IMVAMUNE ein Impfstoff der 3. Generation, der sich für Patienten eignet, deren Immunsystem gefährdet ist, was bei 25 % der Gesamtbevölkerung der Fall ist. IMVAMUNE wirkt schneller als herkömmliche Vakzinen, weshalb sein Einsatz in Notfällen besonders vorteilhaft ist. Neue Prostata- und Brustkrebs-Vakzinen sind in der klinischen Erprobungsphase. Daneben befindet sich auch ein Wirkstoff gegen den seit den Anschlägen von 2001 in den USA bekannten Biokampfstoff Anthrax in der präklinischen Phase.


GPC Biotech: Die Verschiebung der Satraplatin-Zulassung bringt das Unternehmen in Martinsried nicht außer Tritt. Jedes Jahr sterben nach neuesten Schätzungen ca. 6 Mio. Menschen an Krebs und 10 Mio. neue Krebserkrankungen werden diagnostiziert. Demzufolge wird sich der weltweite Umsatz mit Krebsmedikamenten von 30 Mrd. USD im Jahr 2005 auf 60 Mrd. USD 2010 verdoppeln.

In Deutschland sind inzwischen 30 % aller Krebserkrankungen heilbar, wie das DKFZ, Heidelberg, berichtet. Vor dieser Perspektive platzte wie eine Hiobsbotschaft im August 2008 die Nachricht, dass die Daten (Nebenwirkungen) des neuentwickelten Krebsmedikaments Satraplatin in der klinischen Phase II in den USA so schlecht waren, dass dessen rasche Zulassung in weite Ferne rückte. Folglich wurde der Zulassungsantrag für das erste oral zu verabreichende Platin-Derivat von Firmenchef Dr. Bernd R. Seizinger am 6.8.08 zurückgezogen. Darauf kündigte der amerikanische Firmenpartner Celgene Corp. den Kooperations- und Entwicklungsvertrag mit GPC Biotech AG. Prompt ergaben die Mitte November 2008 vorgelegten Geschäftsergebnisse für die ersten neun Monate einen Umsatzrückgang von 22 % auf 12,5 Mio. Euro (i.V. 16,1 Mio. Euro). Die FuE-Mittel reduzierte GPC Biotech im gleichen Zeitraum um 68 % auf 13,4 Mio. Euro (2007: 41,8 Mio. Euro). Infolge eines niedrigeren Personalbestands sanken im Berichtszeitraum die allgemeinen und Verwaltungskosten bei GPC Biotech um 69 % auf 10,5 Mio. Euro. (2007: 33,6 Mio. Euro). Der Forschungsaufwand sank um 79 % auf 3,1 Mio. Euro (3. Quartal 2007: 14,6 Mio. Euro). Allerdings verbesserte das Unternehmen sein Nettoergebnis um 119 % auf 3,5 Mio. Euro gegenüber –18,0 Mio. Euro. Den Gesamtumsatz 2008 schätzt die Unternehmensleitung auf 12,5 Mio. bis 13 Mio. Euro, während für die Gesamtaufwendungen 30 Mio. bis 35 Mio. Euro in Anschlag gebracht werden.

Geschäftsführer Seizinger betonte, dass die finanziellen Reserven des Unternehmens ausreichten, um bis Ende 2010 die geplanten Geschäftsaktivitäten durchzuführen. GPC Biotech besitzt einen neuen Medikamenten-Kandidaten, der kürzlich für die Erprobung in der klinischen Phase I zugelassen wurden. Bei RGB-286638 handelt es sich um einen Kinase-Hemmer, der bei fortgeschrittenen soliden Tumoren den Zelltod (Apoptose) auslöst und gegenwärtig in Rotterdam an der Erasmus-Universität von Dr. M.J.A. de Jong geprüft wird. Der Wirkstoff RGB-286638 hemmt den Zellzzyklus und ist auch gegen die krankheitsbezogenen Proteinkinasen gerichtet, die eine wichtige Rolle bei der Vermehrung von Krebszellen spielen.

MediGene: Im Gegensatz zu GPC Biotech AG gab es beim Nachbarn MediGene AG in Martinsried einen großen Umsatzsprung. Das 1994 als spin-off des Genzentrums München gegründete Biotech-Unternehmen wagte bereits im Juni 2000 den Gang an die Frankfurter Börse. Im Jahr 2001 wurde das amerikanische Unternehmen NeuroVir übernommen, im Jahr 2004 die Produkte und Technologien der Munich Biotech AG sowie im Jahr 2006 das britische Biotech-Unternehmen Avidex Limited. Die Zahl der Mitarbeiter von MediGene AG stieg auf 135. In den ersten neun Monaten des Vorjahres erhöhten sich die Firmen-Umsätze auf 25,5 Mio. Euro und das EBITDA-Ergebnis auf –19,5 Mio. Für das abgelaufene Gesamtjahr erwartet die Firmenleitung einen Gesamtumsatz von 38 Mio. Euro gegenüber 24 Mio. Euro im Vorjahr.

Die erwarteten Erlöse addieren sich aus dem Umsatz mit dem Krebsmedikament Eligard sowie dem Verkauf des Hautpräparats Oracea an Galderma Lab. Inc. Weiter sicherte sich MediGene durch eine Vereinbarung mit dem zur Yorkville-Gruppe gehörenden Investment-Unternehmen YA Global Investments L.P., New Jersey, N.Y., dass über eine Eigenkapitalerhöhung rasch neue Geldmittel durch die Zeichnung von Aktien durch den Investor von der amerikanischen Ostküste verfügbar werden. Der vereinbarte Finanzrahmen beläuft sich auf 25 Mio. Euro, die von MediGene AG nach Bedarf abgerufen werden können. Dadurch sieht der Vorstandsvorsitzende Dr. Peter Heinrich die Flexibilität von MediGene weiter gefördert. Der Barmittelbestand belief sich im 3. Quartal 2008 auf 30 Mio. Euro. Für 2009 werden deutlich niedrigere Barmittelbeträge zur Verfügung stehen, prognostizierte Dr. Heinrich am 22.12.2008. Ob daran die weltweite Finanzkrise schuld ist, sagte er nicht.

Besondere Freude bereiten ihm wie allen anderen Mitarbeitern die Ergebnisse der klinischen Phase-II-Studie des firmeneigenen Krebsmedikaments Endo Tag-1. Sie wurden letztes Jahr auf dem ESMO-Annual Meeting in den USA vorgestellt. Endo Tag-1 wird bei inoperablem, fortgeschrittenem oder metastasierendem Bauspeicheldrüsenkrebs eingesetzt. Es handelt sich um eine multizentrische Open-label-Studie, randomisiert und kontrolliert, mit 200 Patienten. Wiederholte Behandlungszyklen mit Endo Tag-1 sowie Gemcitabine ergaben eine deutlich höhere Überlebensrate der Patienten.


Micromet: Mit fortschrittlicher Antikörper-Technologie kämpft das inmitten von München ansässige Biotech-Unternehmen gegen Krebs, Entzündungs- und Autoimmun-Erkrankungen. Die an der New Yorker NASDAQ-Börse gehandelte Aktie von Micromet (Abk.: MITI) befasst sich seit seiner Gründung im Jahr 1993 als spin-off des Instituts für Immunologie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), München, mit der Entwicklung neuer Therapien auf Antikörper-Basis. Hierzu hat sich Micromet zahlreiche Partner ins Boot geholt: MedImmune, Merck Serono, Morphotek Nycomed und Tracon Pharmaceuticals. Mit 100 Vollzeit-Mitarbeitern gehört die Niederlassung des US-Unternehmens, das 2006 mit Cancer Vax Corp. fusionierte, zu den größeren der Branche. Micromet hat seine Firmenzentrale in Bethesda, MD, am Sitz der NIH errichtet. Sein Forschungs- und Entwicklungs-Zentrum befindet sich jedoch in München.

In der Wirkstoff-Pipeline hat Micromet einen neuen Antikörper zur Behandlung von B-Cell-Lymphomen und Leukämien. Der Wirkstoff-Kandidat befindet sich der Phase II der klinischen Erprobung ebenso wie ein humaner Antikörper zur Behandlung solider Tumore. Micromet stützt sich bei der Entwicklung neuer Antikörper auf das bewährte, firmeneigene BiTE (Bispecific T-Cell-Engager) ab. Die BiTE-Antikörper werden so entworfen, dass die T-Helferzellen mit ihrem zytotoxischen und zellzerstörenden Potenzial direkt auf die Tumorzellen gerichtet werden. Die BiTE-Technologie stellt, so Micromet, einen neuen Zugang zu Krebstherapien dar.


MorphoSys: Aktiensplit kurz vor Jahreswechsel: Am 23.12.2008 wurden sämtliche Stammaktien der MorphoSys AG mit einem Nominalwert von 3,00 Euro in je drei Aktien von 1,00 Euro Nominalwert umgetauscht. Das 1992 in Martinsried als „Gesellschaft für Proteinoptimierung GmbH“ als spin-off gegründete Biotech-Unternehmen hat sich eine neuartige Technologie für die Entwicklung von Antikörpern patentieren lassen. Mitbegründer sind der heutige Vorstandsvorsitzende Dr. Simon E. Moroney sowie Aufsichtsratsmitglied Prof. Andreas Plückthun, die beide zuvor am Max-Planck-Institut für Biochemie tätig waren und deren Entdeckungen den Grundstein des Unternehmens bildeten. Als erstes biopharmazeutisches Unternehmen ging MorphoSys im Jahr 1999 an die Börse. Heute wird es im Prime Standard und im TecDax der Frankfurter Wertpapierbörse notiert. Bereits der erste Börsengang erbrachte ein Volumen von 25 Mio. Euro. Die Gewinnzone wurde 2004 erreicht. Gegenwärtig ist MorphoSys mit zahlreichen Partnern bei ca. 50 Projekten zur Antikörper-Entwicklung breit aufgestellt, möchte sich aber zukünftig stärker auf firmeneigene Neuentwicklungen konzentrieren.

Ein wichtiger Vertrags-Partner ist der Basler Pharmakonzern Novartis, mit dem MorphoSys eine umfassende strategische Allianz für die Entdeckung und Entwicklung von Biopharmazeutika einging. Die finanziellen Vereinbarungen für die 10-jährige Zusammenarbeit beinhalten vertraglich zugesicherte Zahlungen von mehr als 600 Mio. USD. Der Umsatz von MorphoSys lag 2007 bei 62 Mio. Euro bei einem Jahresüberschuss von 11,5 Mio. Euro. Die Mitarbeiterzahl lag per 30.9.2008 bei 324.

Der große Trumpf von MorphoSys ist der Besitz einer Bibliothek, die mehrere Milliarden unterschiedlicher humaner Antikörper umfasst. Mit der HuCAL-Technologie (Humane Kombinatorische Antikörper-Bibliothek) lassen sich schnell und automatisiert hochaffine Antikörper herstellen. Es ist ein unternehmerisches Ziel von MorphoSys, die HuCAL-Technologie als Standard für die industriell-pharmazeutische Herstellung von Antikörpern in den Bereichen Forschung, Diagnostik und Therapie zu etablieren. Im zweiten Geschäftssegment „Antikörper für Forschungszwecke“ vermarktet MorphySys Antikörper für nicht-therapeutische Einsatzbereiche unter dem Produktnamen AbD Serotec.

Durch den Erwerb zweier britisch-amerikanischer Biotech-Unternehmen 2005 und 2006 verstärkte und erweiterte das Martinsrieder Unternehmen seine Kompetenz. Am 12.12.2008 erhielt es die Zulassung für die klinische Phase-I-Erprobung von MOR 103, einem ersten firmeneigenen, vollständig menschlichen HuCAL-Antikörper gegen das Zytokin GM-CSF (Granulozyten-Makrophagen-Kolonie-stimulierender Faktor) zur Behandlung von rheumatoider Arthritis. Die Studie wird mit gesunden Probanden durchgeführt und bewertet Sicherheit, Verträglichkeit sowie Pharmakokinetik bei steigenden Dosierungen von MOR 103.

MorphoSys-Mitbegründer Dr. Simon Moroney erhielt im Jahr 2002 das Bundesverdienstkreuz.


Wilex: Mit Biopharmazeutika bekämpft das in München-Haidhausen beheimatete Unternehmen Krebserkrankungen. Das Unternehmen wurde im September 1997 von Ärzten und Onkologen der TU München gegründet. Der Unternehmenssitz ist nur einen Steinwurf vom Klinikum rechts der Isar entfernt. Inzwischen konnten die Firmengründer, die heute noch Wilex leiten und verwalten, eine Reihe von Kooperationen im In- und Ausland eingehen: Bayer AG, Ludwig Institute for Cancer Research, New York City, die Uni UCLA, Kalifornien, oder die Slowakische Akademie der Wissenschaften in Bratislava stellen illustre Partner für Forschungsprogramme oder Lizenzabkommen dar. Im Jahr 2003 erhielt Wilex den „Biotechnology Clinical Partnership Award“ des US-Verteidigungsministeriums.

Wilex verfügt über eine gut gefüllte Pipeline mit Medikamenten-Eigenentwicklungen: Rencarex als Monotherapie gegen Nierenzell-Karzinome befindet sich in der klinischen Phase III der Entwicklung, das neue Diagnostikum Redectane mit einem radioaktiven G 250-Antikörper zur PET-Darstellung von Nierentumoren befindet sich ebenfalls in der klinischen Phase III. Klinisch erprobt werden weiter ein oraler Protease-Hemmer gegen Krebs sowie ein intravenöser Proteasen-Inhibitor.

Wilex-Vorstandsvorsitzender Prof. Olaf G. Wilhelm ist gleichzeitig im Vorstand der BIO Deutschland e.V. und der Munich Network-Netzwerk München. In den ersten neun Monaten des Vorjahres wurde mit 60 Mitarbeitern und 0,79 Mio. Euro (2007: 1,32 Mio. Euro) ein positives Finanzergebnis erzielt. Mit 83,7 % (2007: 87,0 %) entfiel der Löwenanteil der Ausgaben auf die FuE-Abteilung.

Warten auf U-Bahn

Zwei bayerische Regierungsmitglieder kamen im vergangenen Jahr mit Kulturminister Siegfried Schneider und Wirtschaftsministerin Emilia Müller nach Martinsried. Beide Minister sehen das Münchner Bio-Cluster Martinsried deutschlandweit vorn. Insgesamt werde der Freistaat Bayern bis 2011 rund 1,5 Mrd. Euro für Forschung und Innovationen zur Verfügung stellen, versprach Ministerin Müller.

Die Martinsrieder Firmenchefs und Wissenschaftler wünschten sich von ihr vor allem einen Anschluss an das Münchner U-Bahn-Netz, auf den man, so Moroney, seit 1992 warte.

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