Innovationspreis Thüringen 2015

Start-up der Universität Jena ausgezeichnet

Es ist das innovativste Jung-Unternehmen Thüringens. Dieser Meinung war die Jury des „Innovationspreises Thüringen 2015“ und zeichnete die SmartDyeLivery GmbH mit dem „Sonderpreis für junge Unternehmen“ aus.

Das Team der SmartDyeLivery GmbH mit dem Innovationspreis (von links): Prof. Dr. Ulrich S. Schubert, Dr. Marc Lehmann, Dr. Anja Träger, Prof. Dr. Michael Bauer, Dr. Georg Hochwimmer. (Foto: FSU)

Die Ausgründung der Friedrich-Schiller-Universität Jena und ihres Klinikums erhielt die mit 20000 Euro dotierte Auszeichnung am 18.11. Ausgezeichnet wurde das Start-up für die Herstellung hochspezifischer Nanopartikel mit einem zellspezifischen Wirkstofftransport. Die Entwicklung habe das Potenzial, so die Jury, am stark wachsenden weltweiten Markt der Nanomedizin eine große Rolle zu spielen.

Erstes Ziel des fünfköpfigen Teams ist es, eine Therapie gegen das Versagen der Leber bei einer Sepsis zu entwickeln. Dafür arbeitet das junge Unternehmen eng mit Sepsisforschern des Universitätsklinikums Jena sowie Chemikern und Materialwissenschaftlern der Friedrich-Schiller-Universität zusammen, um die entwickelte Technologie zur Marktreife zu führen.

Die SmartDyeLivery GmbH, die ihren Sitz im Zentrum für Angewandte Forschung der Universität Jena hat, will eine einzigartige und universelle Technologieplattform schaffen, um Wirkstoffe gezielt in bestimmte Zelltypen oder Gewebe zu transportieren. Dafür wird Nanotechnologie eingesetzt, die einen Wirkstofftransport in die Zielzellen auch bei Verabreichung in den Blutkreislauf erlaubt. „Dieses Vorgehen hat das Potenzial, Nebenwirkungen deutlich zu reduzieren“, sagt Dr. Anja Träger, eine der Gründerinnen. Die Zellspezifität wird durch eine zum Patent angemeldete Funktionalisierung der Nanopartikel mit Infrarotfarbstoffen sichergestellt.

Anzeige
Mit Hilfe solcher hochspezifischer Nanopartikel will das Start-up der Jenaer Uni Wirkstoffe gezielt zu Krankheitsherden lotsen. (Grafik: Anja Träger)

Dass dieser Transport funktioniert, konnte das Jenaer Team in ersten tierexperimentellen Studien nachweisen und in renommierten Fachjournalen publizieren. Die funktionalisierten Nanopartikel erreichten in diesen Studien bereits nach 20 Minuten und zu 95 % spezifische Zellen der Leber, die sogenannten Hepatozyten.

Das Gründungsteam um die Professoren Ulrich S. Schubert vom Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie sowie Michael Bauer, Leiter des Centers for Sepsis Control and Care, will die Innovation zunächst bei der septischen Cholestase einsetzen und Wirkstoffe mit dem neuen System direkt in die Leberzellen transportieren. Bei dieser Krankheit mit einer Mortalität von über 90 % versagt die Leber aufgrund einer Sepsis. Eine erfolgreiche Therapie der septischen Cholestase könnte allein in Deutschland jährlich über 1500 Patienten das Leben retten.

Neben dieser ersten Anwendung sollen weitere erschlossen werden, da die Technologie wie in einem Baukastensystem weiterentwickelt werden soll: Der Einsatz anderer Farbstoffe oder Moleküle soll es dann ermöglichen, verschiedene Gewebe und Organe gezielt zu erreichen. Andersartige Trägersysteme sollen weitere Therapieansätze ermöglichen. „Und die eingesetzten Polymerpartikel können hinsichtlich Größe und Freisetzungskinetik an die entsprechende Fragestellung angepasst werden“, sagt Träger.

Doch zunächst stehen im kommenden Jahr weitere Versuchsreihen an, wofür die Mittel aus dem Innovationspreis eingesetzt werden. „Der Preis hat uns gezeigt, dass nicht nur wir davon überzeugt sind, auf dem richtigen Weg zu sein“, freut sich die Chemikerin: „Das motiviert für die weitere Arbeit“.

Den Innovationspreis hat Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee am Abend des 18.11. in Weimar gemeinsam mit der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT), dem TÜV Thüringen und der Ernst-Abbe-Stiftung verliehen. Der bereits zum 18. Mal ausgelobte Preis, der in 5 Kategorien vergeben wird, ist mit insgesamt 100000 Euro dotiert, die das Wirtschaftsministerium zur Verfügung stellt. Sein Ziel ist es, zukunftsfähige Neuentwicklungen der Thüringer Unternehmen zutage zu bringen und zu würdigen, aber auch eine Art Starthilfe bei der Vermarktung zu geben und andere Unternehmen zur Entwicklung innovativer Produkte zu ermuntern. Mit dem „Sonderpreis für junge Unternehmen“ werden die innovativen Potenziale von Start-up-Unternehmen unterstützt.

Kontakt:
Dr.-Ing. Anja Träger
Zentrum für Angewandte Forschung der Friedrich-Schiller-Universität Jena
SmartDyeLivery GmbH
Philosophenweg 7, 07743 Jena
E-Mail: anja.traeger@uni-jena.de

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Forschungsprojekt "Nanofacil"

Enzyme resistenter machen

Ein Forschungsprojekt an der Jacobs University unter Leitung von Dr. Marcelo Fernandez-Lahore, Professor of Biochemical Engineering, soll zu einer Plattform für die erleichterte Weiterverarbeitung einer Vielzahl von biologischen Produkten führen.

mehr...
Anzeige

Schnellster Feuchtebestimmer am Markt für Feuchte-/Feststoffgehalt

Der Feuchtebestimmer SMART 6 analysiert den Feuchtegehalt jeder Probe in nur 2 min. Ob nass oder trocken, Feststoff, Pulver oder Suspension – egal! Alle Probenarten werden dank der Kombination Mikrowelle/Halogen schnell und präzise bis zur Gewichtskonstanz getrocknet. Dank der Temperaturkontrolle sind die Messwerte vergleichbar zu den Standardmethoden.

mehr...
Anzeige
Anzeige

Schnelle automatisierte Lösemittel Extraktion

Das EDGE Extraktionssystem ist ein sequentielles System für die schnelle automatisierte Lösemittel-Extraktion. Damit werden unterschiedliche Proben schnell in nur 5 min. extrahiert. Die Extraktionen im EDGE werden unter Druck und bei erhöhten Temperaturen durchgeführt, was zu einer starken Beschleunigung der Reaktionskinetik führt.

Zum Highlight der Woche...