PFAS, PCB, DDT und Dioxine
Wie sich der Klimawandel auf Chemikalien in unserer Umwelt auswirkt
Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) hat das Projekt „Klimawandel, Chemikalien und die Alpen“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen den Folgen des Klimawandels und der Belastung der Umwelt mit Chemikalien frühzeitig zu erkennen.
„Der Klimawandel ist für uns immer deutlicher spürbar. Doch was er für die Belastung der Erde mit Chemikalien bedeutet, das weiß keiner so genau“, sagt Marion Letzel, Abteilungsleiterin im LfU.
Welche sichtbaren und unsichtbaren Veränderungen gibt es?
Während Gletscherrückgänge und tauende Permafrostböden als sichtbare Folgen gelten, betreffen unsichtbare Veränderungen Chemikalien, die bereits in der Umwelt angereichert sind – im Wasser, im Boden, in der Luft und in Lebewesen.
„Es sind viele Effekte denkbar, auch gegenläufige“, so Letzel. Wenn es wärmer wird, verdampfen mehr Stoffe in die Atmosphäre. Über Windsysteme gelangen sie rund um den Globus und kondensieren in kühleren Regionen wie den Alpen, wo sie sich niederschlagen. Das führt zu vermehrten Einträgen. Gleichzeitig können Wärme und Sonneneinstrahlung auch einen stärkeren Abbau der Stoffe bewirken.
Warum gibt es Langzeitmessungen im Hochgebirge?
Um solche Zusammenhänge zu erforschen, greift das Projekt auf ein einzigartiges Netz an Messstationen zurück. Seit 2005 betreibt das LfU zusammen mit dem Umweltbundesamt Österreich Messungen auf der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus an der Zugspitze und am Hohen Sonnblick in den Hohen Tauern. Dort werden langlebige Schadstoffe wie PCB, chlorierte Insektizide (z. B. DDT), Dioxine, Flammschutzmittel, Quecksilber und PFAS in Luft und Niederschlag bestimmt.
Bereits seit 20 Jahren stehen Stoffgehalte in Umweltproben im Hochgebirge im Fokus – eine weltweit einmalige Zeitreihe. Zum ersten Mal soll sie nun in Zusammenhang mit mittleren Temperaturen und Niederschlagsmengen gesetzt werden.
„Ohne die enge und wertvolle Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) und dem Virtuellen Alpenobservatorium (VAO) wäre das nicht möglich“, erklärt Letzel. „Diese Institutionen verfügen über ein detailliertes Protokoll der Klimadaten der letzten Jahrzehnte, das sie uns dankenswerter Weise zur Verfügung stellen.“
Nationalpark Berchtesgaden als Referenzgebiet
Auch der Nationalpark Berchtesgaden spielt eine zentrale Rolle. Mit seinem dichten Netz an Messstationen gilt er seit 30 Jahren als Referenzgebiet für die Klimaforschung im Hochgebirge. Bereits vor 20 Jahren hat das LfU dort Bodenproben entnommen und analysiert – 2026 ist ein erneuter flächiger Abgleich geplant.
Die langfristige Kontinuität der Datenerhebung ist entscheidend: Nur mit Zeitreihen über mehrere Jahrzehnte lassen sich belastbare Aussagen über Veränderungen der Umweltchemikalien treffen und kurzfristige Effekte von echten Trends unterscheiden.
Chemikalien in Lebewesen
Neben Luft, Niederschlag und Boden untersucht das Projekt auch die Bioakkumulation von Stoffen in der Nahrungskette. Dafür werden in der Jagdsaison 2025/26 Rehlebern aus dem Forstbetrieb Oberammergau in die Labore des LfU geliefert.
Diese Untersuchungen knüpfen an die Arbeiten des Umweltbundesamtes an, das seit 2009 im Nationalpark Berchtesgaden die Anreicherung von PCB und PFAS in Wildtierlebern dokumentiert.
Internationale Dimension
Umfangreiche Kooperationen auf lokaler und nationaler Ebene sind für das Projekt unerlässlich. Die erhobenen Daten sollen in einem nächsten Schritt an die Stockholm-Konvention der Vereinten Nationen gemeldet werden – ein internationales Abkommen, das bereits von 186 Staaten ratifiziert wurde.
Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU)











