125 Jahre im Kampf für sicheres Trinkwasser

Institut für Hygiene und öffentliche Gesundheit am Universitätsklinikum Bonn feiert Jubiläum

Sicheres Trinkwasser und Krankenhaushygiene: Das sind die zwei großen Themen des Bonner Universitäts-Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit (IHPH). Jetzt feiert das Institut mit einer Festveranstaltung sein 125-jähriges Bestehen.

Wasseruntersuchung am IHPH: Zur Testung auf ein Bakterium – hier Legionellen – wird im nächsten Schritt die Filterprobe auf einem spezifischen Nährboden in einer Petrischale bebrütet. © IHPH GeoHealth Centre / UK Bonn

Seit seiner Gründung im Jahr 1894 hat das Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit des Universitätsklinikums Bonn sicheres Trinkwasser und sichere sanitäre Infrastruktur im Blick. Hierzu wurde es vor 18 Jahren von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als WHO-Kollaborationszentrum für Wassermanagement und Risikokommunikation zur Förderung der Gesundheit benannt. Krankenhaushygiene, das zweite große Kerngebiet des Instituts, ist aufgrund multiresistenter Keime (MRE) von höchster gesundheitspolitischer Bedeutung. Hierzu koordiniert es beispielswiese das MRE-Netzwerk Rhein-Ahr. Am kommenden Freitag, 20. September, feiert das Bonner Universitäts-Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit mit einer Festveranstaltung sein 125-jähriges Bestehen.

Untersuchen und beraten

Im Sommer 1892 gab es in Hamburg die letzte schwere Choleraepidemie auf deutschem Boden, mit über 16 000 Erkrankten und weit über 8 000 Toten. Sie belegte die Notwendigkeit des Schutzes von Trinkwasser vor bakteriell kontaminiertem Abwasser und läutete die Gründung von Instituten für Hygiene unter anderem in Bonn ein. Die Trinkwasserversorgung wurde mittels Filtration – eingeführt von Robert Koch – auf den modernsten Stand der damaligen Zeit gebracht und die Cholera ist seitdem in Deutschland nicht mehr aufgetreten. „Wissenschaftliche Erkenntnisse im Fach Hygiene müssen also für staatliche Risikoregulierung genutzt werden. Meiner Erfahrung nach braucht man dafür aber einen langen Atem“, sagt Professor Martin Exner, Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit am Universitätsklinikum Bonn. Doch es lohnt sich: Hauptsächlich durch durchgreifende Hygiene ist die durchschnittliche Lebenserwartung im 20. Jahrhundert um 30 Jahre gestiegen.

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Das Bonner Hygiene-Institut untersucht bis heute Trinkwasser, berät Wasserversorger sowie die Trinkwasserkommission des Bundes als auch des Landes Nordrhein-Westfalen. Es zählt hier zu den größten Instituten und hat auch international eine hohe Reputation. So hat im Mai 2001 die WHO das Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit (IHPH) am Universitätsklinikum Bonn erstmalig zum Kooperationszentrum ernannt. Seitdem ist es eines von derzeit zwei deutschen Zentren, die für die WHO im Bereich Wasserhygiene und Sanitation tätig sind.

Infektionsrisiko Krankenhaus

Bei mehr als 525 000 im Krankenhaus oder Pflegeheim erworbenen, sogenannte nosokomialen Infektionen pro Jahr und jährlich 15 000 bis 30 000 geschätzten Todesfällen in Deutschland ist Krankenhaushygiene heutzutage von höchster gesundheitspolitischer Bedeutung. „Mit der Entdeckung von Penicillin dachten wir, bakterielle Infektionen sind kein Problem mehr. Doch die Bedrohung durch Antibiotika-resistente Erreger nimmt vor allem durch unkritischen Einsatz von Antibiotika weltweit zu“, sagt Prof. Dr. Thomas Kistemann, stellvertretender Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit (IHPH) am Universitätsklinikum Bonn. Es erforscht in Bezug auf Krankenhaushygiene Defizite, Ursachen für Infektionen wie medizinischer Fortschritt sowie Präventionsmaßnahmen insbesondere Desinfektionsverfahren. Auch kümmert es sich um die Umsetzung gewonnener Erkenntnisse in die Praxis, in die die wissenschaftlich fundierte Aus-, Fort- und Weiterbildung des Personals und der Medizinstudierenden sowie in nationalen und internationalen Gremien wie der Trinkwasserkommission beim Umweltbundesamt, der Krankenhaushygienekommission beim Robert Koch Institut (RKI) und dem Wehrmedizinischen Beirat der Bundeswehr.

Durch Aktivitäten des regionalen MRE-Netzwerkes zur Prävention und Kontrolle multiresistenter Erreger, dessen Koordinationsstelle am Bonner Hygiene-Institut angesiedelt ist, werden auch andere Einrichtungen gezielt in die MRE-Prävention miteinbezogen. In dem Netzwerk sind alle Gesundheitsämter der Region vertreten, die insgesamt für 2,3 Millionen Menschen zuständig sind.

Ein aktueller Forschungsschwerpunkt ist das HyReKA-Projekt, bei dem es um das Vorkommen von Antibiotika-resistenten Erregern in Abwässern von Kliniken, Siedlungen und landwirtschaftlichen Betrieben geht. Zur weiteren Verstetigung dieses Forschungsbereiches wurde kürzlich eine eigene Abteilung für One Health am Institut eingerichtet. Ziel ist die einheitliche Betrachtung und Erforschung der Abhängigkeit von Mensch, Tier und Umwelt unter anderem bei der Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen. Zudem gibt es seit 2016 den eigenen Studiengang „Global health - Risk management and hygiene policies“, der insbesondere Studierende aus Entwicklungsländer in die moderne Hygiene Strategien auf der Grundlage der WHO Empfehlungen einführen soll.

Hygiene mit Karte, Kompass und Feldbuch

Seit über zwanzig Jahren besteht am Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn die Arbeitsgruppe GeoHealth Centre (GHC) für geographische Gesundheitsforschung. Sie beschäftigt sich beispielsweise mit der Verbreitung wassergebundener Infektionen in Deutschland und in Entwicklungs- und Schwellenländern. „Wir sind nicht isoliert: Durch die globale Vernetzung und Mobilität sind wir mit Risiken konfrontiert, die nicht für Deutschland originär sind“, sagt Prof. Kistemann. So haben beispielsweise durch den Klimawandel Mücken, die in wärmeren Regionen beheimatet sind, in Deutschland eine Überlebenschance. Ist dann ein zurückkehrender Urlauber Träger einer Tropenkrankheit, kann diese dann auch in Deutschland übertragen werden. „Zudem bringen rasante Veränderungen der Lebensumwelt immer wieder neue Aufgaben mit sich, die wir heute noch gar nicht kennen“, sagt Prof. Kistemann.

Quelle: Universität Bonn

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