My Ocean Sampling Day

Citizen-Science-Projekt hilft die mikrobielle Biodiversität der Meere zu erforschen

An einem Tag im Juni 2016 haben Bürgerinnen und Bürger Wasserproben an deutschen Küsten und Flüssen genommen, die in Nord- und Ostsee münden. Damit unterstützten sie das Projekt "Meere und Ozeane" im Wissenschaftsjahr 2016*17 und dessen Ziel, mehr darüber zu erfahren, welche Mikroorganismen in unseren heimischen Gewässern vorkommen. Nach fast 14 Monaten akribischer Analysen und Laborarbeiten liegen jetzt erste Ergebnisse vor.

Sie haben sehr sorgfältig gearbeitet, die Bürgerinnen und Bürger: 98 Prozent aller Proben waren verwertbar. (Bild: BMBF/Wissenschaftsjahr 2016*17)

Seit 2014 organisieren die Jacobs University und das Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie Bremen das Bürgerwissenschaftsprojekt MyOSD als Teil des internationalen Ocean Sampling Day. 2016 wurde das Projekt im Wissenschaftsjahr Meere und Ozeane in großangelegtem Maßstab durchgeführt und erstmals auf das Binnenland ausgeweitet: Auch Mündungsflüsse wie Weser, Elbe und Oder wurden untersucht. Mit speziell zur Probennahme entwickelten Sampling Kits nahmen Bürgerinnen und Bürger fast 800 Wasserproben, die sie ins Labor nach Bremen schickten.

Bei der Analyse zeigte sich, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr sorgfältig gearbeitet hatten – 98 Prozent aller Proben waren verwertbar. Das Erbgut der Bakterien in jeder einzelnen Probe wurde von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern extrahiert, analysiert und mit einer großen Kartei bekannter Bakteriengruppen verglichen. So entstand erstmalig ein umfassender Datensatz zur Vielfalt und Verteilung von Mikroorganismen in deutschen Gewässern. Die Ergebnisse sind auf der Projektseite http://www.my-osd.org/ergebnisse/browser frei zugänglich.

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Die Funde unterstreichen die Bedeutung der häufigsten Bakteriengruppen im marinen Ökosystem: Besonders oft wurden die bekannten Bakteriengruppen SAR11 und Synechococcus sowie ein Bakterium der Familie Rhodobacteraceae gefunden. SAR11 ist ein Laborname, der sich aus dem ersten Fundort Sargassosee und der Probennummer 11 zusammensetzt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich dabei um den am häufigsten vorkommenden Organismus der Erde handelt, dessen Anzahl sogar die der Sterne in der Milchstraße um ein Vielfaches übertrifft.

Synechococcus zählt zu den Cyanobakterien, die aufgrund ihrer Farbe oft als Blaualgen bezeichnet werden – obwohl sie gar keine Algen sind. Diese Organismen sorgen für Luft zum Atmen auf der Erde, denn sie produzieren Sauerstoff. Zu den Rhodobacteraceae gehört die Gruppe der Roseobacter, die sogar das Wetter beeinflussen können. Alle drei Bakterien spielen eine große Rolle im Klimahaushalt der Erde. Mehr über sie erfahren kann man im Ergebnisfilm zum MyOSD 2016 mit dem Titel „Triff die MyOSD-Bakterien“ unter http://www.my-osd.org und auf http://www.wissenschaftsjahr.de/myosd.

Die gewonnenen Ergebnisse zeigen, wie erfolgreich Bürgerwissenschaften sein können. MyOSD Deutschland hat Forscherinnen und Forschern zu einem einmaligen Datenschatz verholfen. Damit können sie nun beispielsweise untersuchen, wie sich Änderungen in der Diversität der Mikroben möglicherweise auf das Klima auswirken oder welche ökologische Rolle sie in biologischen Stoffkreisläufen spielen. Die zeitgleiche Beprobung großer, stark durch den Menschen beeinflusster Flüsse hilft zudem dabei, den anthropogenen Einfluss auf die mikrobielle Biodiversität der Meere zu bestimmen.

Der MyOSD im Wissenschaftsjahr Meere und Ozeane war nicht nur wegen der wertvollen Ergebnisse ein großer Erfolg. Die teilnehmenden Bürgerinnen und Bürger haben sich zudem aktiv mit dem Lebensraum Meer und den darin lebenden Mikroorganismen auseinandergesetzt.

Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane
Im Wissenschaftsjahr 2016*17 geht es um die Entdeckung der Meere und Ozeane, ihren Schutz und eine nachhaltige Nutzung. Die Wissenschaftsjahre sind eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog (WiD). Sie tragen als zentrales Instrument der Wissenschaftskommunikation Forschung in die Öffentlichkeit und unterstützen den Dialog zwischen Forschung und Gesellschaft. Das Wissenschaftsjahr 2016*17 wird vom Konsortium Deutsche Meeresforschung (KDM) als fachlichem Partner begleitet.

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