Labo Online - Analytic, Labortechnik, Life Sciences
Home> Wirtschaft + Wissenschaft> Archiv>

Nobelpreis für Chemie 2017 für Kryo-Elektronenmikroskopie

Nobelpreis für Chemie 2017Ein klarer Blick auf Moleküle

Der Chemie-Nobelpreis 2017 wird für die Entwicklung der Kryo-Elektronenmikroskopie verliehen. Die Technik bringt die Strukturbiologie entscheidend weiter und wird u.a. von ETH-Wissenschaftlern immer öfters angewandt. Mit zwei der drei Nobelpreisträger arbeitet die ETH zusammen.

sep
sep
sep
sep
Nobelpreis für Chemie 2017: Ein klarer Blick auf Moleküle

„Die Kryo-Elektronenmikroskopie hat die Strukturbiologie revolutioniert und hat auch in der Biomedizin großes Potential“, sagt Nenad Ban, Professor am Institut für Molekularbiologie und Biophysik der ETH Zürich. Er ist daher keineswegs überrascht, dass die drei Forscher Jacques Dubochet, Joachim Frank und Richard Henderson für ihre Beiträge zur Entwicklung der Kryo-Elektronenmikroskopie dieses Jahr mit dem Chemie-Nobelpreis ausgezeichnet werden. „Über die Jahre habe ich mitverfolgt, wie sich die Methode rasant weiterentwickelt hat. Es ist großartig zu erleben, dass der Methode nun auch noch die Anerkennung des Nobelpreiskomitees zuteil wird“, so Ban.

Die Kryo-Elektronenmikroskopie erlaubt es, Molekülkomplexe und ganze Zellstrukturen extrem hochauflösend und dreidimensional zu kartieren. Mit früheren Elektronenmikroskopen konnte man nur bedingt biologische Proben untersuchen. Und andere, in der Biologie für die 3D-Strukturaufklärung verwendete Methoden waren auf einfachere Moleküle beschränkt oder bedurften einer aufwendigen Probenaufbereitung: sehr viele identische Moleküle mussten in Kristallform gebracht werden, was mitunter schwierig war. Bei der Kryo-Elektronenmikroskopie werden komplexe biologische Proben auf sehr tiefe Temperaturen gekühlt. Dies ermöglicht es, ein elektronenmikroskopisches 3D-Bild der Proben aufzunehmen.

Anzeige

Nenad Ban ist einer der ETH-Wissenschaftler, der die Methode anwendet. Er und sein Team waren eines der ersten, denen es gelang, mithilfe der Kryo-Elektronenmikroskopie einen sehr umfangreichen Molekülkomplex – das Ribosom mit allen seinen Untereinheiten – hochauflösend dreidimensional zu kartieren.

Ban, der im Laufe seiner Karriere bei einigen Wissenschaftspublikationen mit Joachim Frank zusammengearbeitet hat und auch Richard Henderson persönlich kennt, freut es aber nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht, sondern auch menschlich, dass die Forscher mit dem Nobelpreis geehrt werden: „Frank ist ein äußerst zielstrebiger und engagierter Forscher; Henderson ein enthusiastischer und offener Mensch, der es genauso gut versteht einen Witz zu erzählen, wie ein wissenschaftlich hochkomplexes Detail zu erläutern.“

Die ETH Zürich betreibt an ihrem Mikroskopiezentrum ScopeM ein Kryo-Elektronenmikroskop der neusten Generation. „Das Interesse von Forschungsgruppen an der ETH, diese Technologie zu nutzen, nimmt laufend zu, weshalb wir die Kapazität ausbauen“, sagt Nicolas Blanc, Geschäftsführer von ScopeM. Anfang nächsten Jahres wird das Zentrum ein zweites solches Gerät in Betrieb nehmen. Außerdem verfolgt es Pläne, die bestehenden Elektronenmikroskope laufend auf dem neusten Stand zu halten. „Seit vier Jahren arbeiten wir auch eng mit Richard Henderson zusammen an einem Projekt zur Entwicklung einer neuen Generation von Elektronendetektoren mit höherer Empfindlichkeit“, so Blanc.

(ETH Zürich)

Anzeige
Diesen Artikel …
sep
sep
sep
sep
sep

Weitere Beiträge zum Thema

Mikroskopaufnahme von Staphylococcus aureus

BiohysikBeharrliche Winzlinge: Wie krankmachende Bakterien mit Proteinen an den Zielmolekülen ihres Wirtes "kleben"

LMU-Forscher haben den physikalischen Mechanismus entschlüsselt, mit dem sich ein weit verbreiteter Krankheitserreger an sein Zielmolekül im menschlichen Körper bindet. Damit legt die Studie Grundlagen z.B. für die Entwicklung neuartiger Therapien bei Infektionen mit Staphylokokken. 

…mehr
Mann und Frau an der Kinderwiege

Medikamentöse GeburtenkontrolleErste hormonfreie Verhütungspille für den Mann kommt aus Australien

Dank der Forschungsarbeit von Wissenschaftlern der Monash University in Melbourne könnte die hormonfreie Verhütungspille für den Mann schon bald Realität werden.

…mehr

Interleukin bei AllergienÜberfunktion von IL33 verursacht allergisches Asthma

Ein Forscherteam hat gezeigt, dass allergisches Asthma durch die Überfunktion eines Proteins – Interleukin 33 (IL-33) – ausgelöst wird. Gelänge es, diesen Mechanismus zu blockieren, würde dies neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen.

…mehr
Darstellung des Fingerabdrucks der Genexpression jeder einzelnen Zelle ...

Zellpopulationen erforschtNeue Akteure der Atherosklerose identifiziert

Schlaganfall und Herzinfarkt sind Todesursache Nummer 1 in den westlichen Ländern. Mit einer speziellen Technik haben Wissenschaftler aus Würzburg jetzt ein verbessertes Bild der beteiligten Zellen und deren Aktivität gewonnen.

…mehr
Forschungsgruppenleiter Sander Bekeschus beim Mikroskopieren von Tumorzellen

Plasma-Redox-EffekteForschung an neuer Krebstherapie

Das Greifswalder Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP) beschreitet neue Wege im Kampf gegen Krebs: Sie wollen herausfinden, ob Tumore durch eine physikalische Plasmabehandlung eingedämmt werden können.

…mehr
Anzeige

Mediadaten 2018

LABO Einkaufsführer

Produktkataloge bei LABO

Produktkataloge zum Blättern


Hier finden Sie aktuelle Blätter-Kataloge von Herstellern aus der Branche. Einfach durchblättern oder gezielt nach Stichwort suchen!

Anzeige

LABO Web-Guide 2016 als E-Paper

LABO Web-Guide 2016

Web-Guide 2016


- Stichwortregister

- Firmenscreenshots

-Interessante Webadressen aus dem Labor

Anzeige

Neue Stellenanzeigen

Jetzt den LABO Newsletter abonnieren

LABO Newsletter abonnieren

Der kostenlose LABO Newsletter informiert Sie wöchentlich über neue Produkte, Lösungen, Technologietrends und Innovationen aus der Branche sowie Unternehmensnachrichten und Personalmeldungen.

LABO bei Facebook und Twitter