Labo Online - Analytic, Labortechnik, Life Sciences
Home> Wirtschaft + Wissenschaft> Archiv>

Ein weltweit erster Prüfstandard für Nanomaterialien wurde entwickelt.

RisikobewertungNanomaterialien: Neue Methode zur Risikobewertung als OECD-Richtlinie verabschiedet

Ein Team um Frank von der Kammer und Thilo Hofmann von der Universität Wien hat eine Prüfmethode für Nanomaterialien entwickelt, mit der sich ihr Verhalten in der Umwelt bestimmen lässt. Die OECD hat diese Methode als erstes standardisiertes Testverfahren speziell für Nanomaterialien verabschiedet (Prüfmethode OECD 318). Sie ist ein wichtiger Baustein für die Risikobewertung von Nanomaterialien im Rahmen der Chemikaliensicherheit. Die Wiener UmweltgeowissenschafterInnen haben diesen weltweit ersten Standard für Nanomaterialien im Auftrag des deutschen Umweltbundesamtes und unter Förderung des deutschen Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit erarbeitet.

sep
sep
sep
sep
Prüfung von Chemikalien im Labor

Dispersionsstabilität bestimmen
Durch die Prüfrichtlinie steht eine standardisierte Methode zur Bestimmung der sogenannten Dispersionsstabilität von Nanomaterialien in wässrigen, umweltrelevanten Medien zur Verfügung. "Dispersion meint, dass das Nanomaterial in Form von gleichmäßig verteilten Nanopartikeln im Wasser vorkommt – es also nicht zur Agglomeration und Sedimentation der Partikel kommt. Die Dispersionsstabilität beschreibt, wie lange und unter welchen Umweltbedingungen dieser Zustand beibehalten wird. Dies hat großen Einfluss auf den Transport der Nanopartikel in einem Gewässer und deren Effekte auf Organismen und ist daher auch für die Sicherheitseinschätzung ausschlaggebend", sagt Frank von der Kammer vom Department für Umweltgeowissenschaften der Universität Wien.

Anzeige

Die Dispersionsstabilität ist neben der Auflösung der Partikel in Gewässern ein grundlegender Parameter, der im Rahmen einer sachgerechten Regulierung von Nanomaterialien berücksichtigt werden sollte. Die Daten, die von den Behörden und Herstellern anhand dieser Prüfrichtlinie erhoben werden, dienen als wesentliche Basis für weiterführende Prüfstrategien zum Umweltverhalten und -exposition von Nanomaterialien.

Anpassungsbedarf bei Nanomaterialien
Die OECD-Prüfrichtlinien zur Prüfung von Chemikalien umfassen eine Reihe standardisierter, international harmonisierter und akzeptierter Prüfmethoden und Leitfäden, anhand derer Chemikalien charakterisiert und potenziell schädigendes Verhalten und Wirkung auf Mensch und Umwelt untersucht werden können. Diese Prüfrichtlinien wurden vorrangig für wasserlösliche, organische Chemikalien entwickelt. Das Verhalten von Nanomaterialien in der Umwelt und im Menschen unterscheidet sich aber deutlich von dem dieser Chemikalien. "Es besteht also Anpassungs- und Ergänzungsbedarf durch die speziellen Eigenschaften, die die Nanomaterialien mitbringen. Dem Bedarf sind wir mit der neuen Richtlinie nun teilweise begegnet", so Frank von der Kammer.

Die Entwicklung der Richtlinie erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem deutschen Umweltbundesamt. Die wissenschaftlichen Grundlagen gehen aber auch auf frühe Arbeiten der Wiener UmweltgeowissenschafterInnen zurück. Im Jahr 2009 erhielten sie für ihr Projekt zur Sicherheitsforschung an Titandioxid-Nanomaterialien Förderungen vom österreichischen Umwelt- wie auch Infrastrukturministerium. Das Department für Umweltgeowissenschaften gehört schon seit zehn Jahren zu den weltweit führenden Gruppen in der Sicherheitsforschung von Nanomaterialien.

Richtlinie und Forschungsbericht veröffentlicht
Die Entwicklung der Prüfrichtlinie an der Universität Wien wurde in einem umfassenden Forschungsbericht zusammengefasst, der den Herstellern und Behörden weitere Einblicke und Empfehlungen zur Umsetzung der Prüfmethode bietet.

Die neue OECD-Prüfrichtlinie:
http://www.oecd-ilibrary.org/environment/oecd-guidelines-for-the-testing-of-chemicals-section-3-degradation-and-accumulation_2074577x

Anzeige
Diesen Artikel …
sep
sep
sep
sep
sep

Weitere Beiträge zum Thema

Wasserabweisende Beschichtung: Neuer abriebfester Werkstoff für Alltagsanwendungen

Wasserabweisende BeschichtungNeuer abriebfester Werkstoff für Alltagsanwendungen

Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für wasserabweisende Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur.

 

…mehr
Katalysatoren: Effektiver durch dynamische Katalysatoroberfläche

KatalysatorenEffektiver durch dynamische Katalysatoroberfläche

Ein neues Katalysatorkonzept könnte helfen, auch beim Kaltstart von Motoren und im Stadtverkehr Abgase effizient nachzubehandeln und teures Edelmetall einzusparen. Es nutzt die Wechselwirkung zwischen Platin und dem Ceroxid-Träger, um die Katalyseaktivität durch kurzzeitige Änderungen in der Motorbetriebsweise zu kontrollieren.

 

…mehr
Tattoo

RöntgenfluoreszenzanalyseTätowierungen: Farbpigmente wandern auch als Nanopartikel im Körper

Untersuchungen des Bundesinstituts für Risikobewertung zeigen eine Migration und langfristige Ablagerung der Farbpigmente in Lymphknoten. Die Wissenschaftler sehen hierzu einen weiteren Forschungsbedarf.

…mehr
Ein alternatives Konzept zur Testung von Nanomaterialien: Crack the Egg

Ein alternatives Konzept zur Testung von...Crack the Egg

Hühnereier, eingebettet in ein Stufenkonzept mit klassischen Zellexperimenten, werden an der Uni Jena als Alternative zu Tierversuchen und zur zweidimensionalen Zellkultur eingesetzt. Die Sicherheit von Nanomaterialien kann so untersucht werden.

…mehr
Nanomaterialien: ERC Starting Grant für Toma Susi

NanomaterialienERC Starting Grant für Toma Susi

Der finnische Physiker Toma Susi erhält den renommierten ERC Starting Grant des Europäischen Forschungsrats. Die Fördermittel sollen es Susi ermöglichen, eine Forschungsgruppe an der Universität Wien zu etablieren, um ein neues Verfahren zur Manipulation von Materialien auf atomarer Ebene zu entwickeln.

…mehr
Anzeige

Mediadaten 2018

LABO Marktübersichten

Produktkataloge bei LABO

Produktkataloge zum Blättern


Hier finden Sie aktuelle Blätter-Kataloge von Herstellern aus der Branche. Einfach durchblättern oder gezielt nach Stichwort suchen!

Anzeige

LABO Web-Guide 2016 als E-Paper

LABO Web-Guide 2016

Web-Guide 2016


- Stichwortregister

- Firmenscreenshots

-Interessante Webadressen aus dem Labor

Anzeige

Neue Stellenanzeigen

Jetzt den LABO Newsletter abonnieren

LABO Newsletter abonnieren

Der kostenlose LABO Newsletter informiert Sie wöchentlich über neue Produkte, Lösungen, Technologietrends und Innovationen aus der Branche sowie Unternehmensnachrichten und Personalmeldungen.

LABO bei Facebook und Twitter