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Artikel und Hintergründe zum Thema

Lebensmitteluntersuchungen ohne Chromatographie

Herausforderungen in der modernen Lebensmittelanalytik

Anforderungen an Lebensmittelsicherheit und -qualität sind hoch. Bei prüfenden Lebensmitteluntersuchungen sollen Informationen über Herkunft, Zusammensetzung und potenzielle Rückstände gewonnen werden. Für analytische Labore, insbesondere mit hohem Probendurchsatz, bedeutet dies einen hohen Aufwand unter dem Druck, wirtschaftlich und effizient zu arbeiten.

Bild 1: Geräteaufbau: Massendetektor Acquity QDA II, PAL-Autosampler, SICRIT-MS-Interface, GC/SPME-Modul zur Direktinjektion. © Plasmion

Bei der mit Chromatographie gekoppelten Massenspektrometrie, die sich seit Jahrzehnten als Goldstandard in der Rückstands- und Authentizitätsanalytik etabliert hat, sind die damit verbundenen Anforderungen an Personal, Zeit und Gerätebetrieb hoch. Probenvorbereitung, lange Laufzeiten und komplexe Dateninterpretation machen die klassische Chromatographie besonders in Routineumgebungen zu einem Flaschenhals. In diesem Kontext rücken alternative, chromatographie-freie Verfahren zunehmend in den Fokus – insbesondere solche, die sich auch für automatisierte Workflows eignen und auch robuste, differenzierende Ergebnisse liefern.

Relevanz für Routineuntersuchungen

Ein zentrales Einsatzfeld analytischer Labore ist die Identifizierung gesundheitlich bedenklicher Rückstände – etwa Weichmacher, Pestizide oder andere Kontaminanten. Diese Stoffe gelangen über Verpackungen, Produktionsprozesse oder Umweltfaktoren in Lebensmittel und können dort mit klassischen Methoden wie Gas- oder Flüssigchromatographie in Kombination mit Massenspektrometrie nachgewiesen werden. Ergänzend sind Authentizitätsnachweise von Bedeutung: So fordern EU-Vorgaben etwa die Angabe der geografischen Herkunft bei bestimmten Produkten wie nativem Olivenöl.

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Massenspektrometrie ohne chromatographische Trennung

Die direkte Analyse von Proben mittels Massenspektrometrie (MS) ohne vorgelagerte chromatographische Trennung ist seit rund zwei Jahrzehnten Gegenstand wissenschaftlicher Studien. Für Forschungszwecke entwickelte Anwendungen zeigten vielversprechende Ergebnisse, insbesondere bei der Analyse flüchtiger organischer Verbindungen (VOCs), wie zum Beispiel der Herkunftsbestimmung von Mais. In der Praxis blieb der Einsatz bislang auf spezialisierte Anwendungen beschränkt – vor allem, weil Geräteaufbau und Dateninterpretation spezifische Expertise erforderten. Der Aufbau der dafür verwendeten DART-Ionenquelle in Kombination mit dem Massenspektrometer erfordert das manuelle Positionieren der Probe vor der Quelle, was bislang eine Automatisierung der Analyse erschwert hat. Zudem stellt die Interpretation der Spektren mittels Massenspektrometrie-Software hohe Anforderungen an die Erfahrung des Bedienpersonals. Daher ist ein Ziel, die analytische Leistungsfähigkeit der Massenspektrometrie mit der Prozessgeschwindigkeit und Automatisierbarkeit von Routineuntersuchungen zu verbinden – und dies möglichst ohne Probenvorbereitung, mit kurzer Analysezeit und geringer Fehleranfälligkeit.

In den letzten Jahren wurden Systeme entwickelt, die eine automatisierte, benutzerfreundliche Anwendung ermöglichen. Eine Möglichkeit für eine chromatographie-freie Analytiklösung soll hier mit Anwendungen vorgestellt werden. Diese Lösung besteht aus drei zentralen Elementen: einem Massenspektrometer, einer Ionenquelle für Atmosphärendruckionisation und einer Chemometrie-Software für die Auswertung. Hier kam der kompakte „Acquity QDA II“-Massendetektor von Waters zum Einsatz. Die Ionenquelle „SICRIT®“ (SICRIT steht für: Soft Ionization by Chemical Reaction in Transfer) wird direkt am Atmosphärendruckeinlass des Massenspektrometers montiert. Analyten werden durch das Vakuum des Massenspektrometers in die Ionenquelle eingesaugt und im Durchfluss mittels kalten Plasmas schonend ionisiert.

Zur Auswertung der komplexen Datenmengen kommt multivariate Statistik (z. B. Hauptkomponentenanalyse, Clusteranalyse) zum Einsatz. Die „Waters LiveID Software“ zum Beispiel ermöglicht es, Muster und Unterschiede in direkten Massendaten objektiv und in Echtzeit zu erfassen und in ein Klassifikationsmodell zu überführen.

Für automatisierte Abläufe kann die beschriebene Gerätekombination noch mit einem Autosampler und einem dedizierten Modul zur Direktinjektion in die Ionenquelle kombiniert werden. Solch ein System könnte für die Routineanalytik eine automatisierte Alternative zu klassischen Verfahren darstellen, gerade für Untersuchungen großer Probenmengen.

Anwendungsbeispiele

Im Rahmen mehrerer Untersuchungen wurde das Potenzial der beschriebenen Methodenkombination zur Differenzierung und Klassifikation von Lebensmittelproben evaluiert. Dabei kamen Headspace-Analysen mit flüssigen und festen Proben sowie direkte Flüssiginjektionen zum Einsatz. Die Auswertung erfolgte mittels Chemometrie-Software, die automatisierte Klassifizierungen ermöglichte.

Geografische Klassifikation von Olivenölen

Ziel der Untersuchung war die Differenzierung hochwertiger nativer Olivenöle (extra-nativ, kaltgepresst) nach ihrer geografischen Herkunft. Dazu wurden sieben verschiedene Olivenöle mittels direkter Headspace-Analyse untersucht, ohne vorherige Extraktion oder chromatographische Trennung. Die Hauptkomponentenanalyse (PCA, Principal Component Analysis) in Kombination mit einer linearen Diskriminanzanalyse (PCA-LDA) zeigte eine klare Trennung der Proben entsprechend ihrer Herkunftsregion.

Bild 2: Klassifizierung von nativen Olivenölen zur Herkunftsbestimmung. © Plasmion

Die entscheidenden Unterschiede lagen dabei vor allem im Terpenbereich sowie im Bereich der Fettsäuren, wobei nicht nur unterschiedliche Massen, sondern auch unterschiedliche Verhältnisse identischer Massen festgestellt wurden. Dies unterstreicht das Potenzial dieser Methode für Authentizitätsprüfungen.

Unterscheidung ätherischer Öle und Mischungen

In einem weiteren Versuch wurden dreizehn verschiedene ätherische Öle analysiert, darunter Einzelkomponenten und komplexe Mischungen. Die Proben wurden sowohl manuell („Direct Sniffing“) als auch automatisiert über einen Autosampler zugeführt. Beide Methoden lieferten konsistente Spektren. Die Hauptkomponentenanalyse ermöglichte eine eindeutige Differenzierung aller Einzelöle und Mischungen. Auch ähnliche Mischungen mit unterschiedlichen Konzentrationen konnten unterschieden werden. Die hohe Reproduzierbarkeit wird auf die stabile Ionisation zurückgeführt.

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Bild 3: PCA-Plot elf verschiedener Öle, dargestellt in den Dimensionen PC1&PC2 (oben) sowie PC1&PC3 (unten). Öle mit nur einer Komponente sind in der Legende gelb markiert. Rote Kreise kennzeichnen Bereiche, welche die Unterscheidung von Ölen auch bzgl. quanitativer Zusammensetzung aufzeigen. © Plasmion

Ein interessantes Detail: Zwei Öle mit identischer Zusammensetzung, jedoch unterschiedlicher Dosierung einzelner Inhaltsstoffe, konnten im Modell klar voneinander getrennt werden (wie die Sorten YL Raven und YL RC). Dies zeigt, dass die Methode auch quantitative Unterschiede in komplexen Matrizes abbilden kann.

Terpenprofile und Rückstände in Tees

Für diese Untersuchung wurden Teeblätter unterschiedlicher Sorten und Marken direkt im Headspace analysiert. Ziel war die Unterscheidung der Teesorten sowie der Nachweis potenzieller Rückstände aus Verpackungsmaterialien. Auch hier zeigte die PCA eine klare Trennung der Proben nach Sorte und Marke.

Zusätzlich wurde untersucht, ob sich Rückstände aus Teebeutelmaterialien in den Blättern nachweisen lassen. In mehreren Fällen konnten auffällige Massen (u. a. m/z 223 und m/z 371) detektiert werden, die sich von den bekannten Aromaprofilen der Teesorten abgrenzten. Diese auffälligen Massen traten sowohl in den Teebeuteln als auch in den Blättern auf, was auf Migration während der Lagerung schließen lässt.

Potenziale und Grenzen der Methode

Die dargestellten Ergebnisse zeigen, dass mit Hilfe einer Kombination aus moderner Ionisationstechnik, kompaktem Massenspektrometer und statistischer Datenauswertung sowohl qualitative als auch quantitative Aussagen über komplexe Probenmatrizes ohne chromatographische Trennung getroffen werden können. Dies eröffnet neue Möglichkeiten insbesondere für Authentizitätsnachweise (z. B.: geografische Herkunft) und in Qualitätskontrolle (z. B.: Zusammensetzung von Mischungen) und Rückstandsanalytik (z. B.: Nachweis migrierter Substanzen aus der Verpackung).

Gleichzeitig muss betont werden, dass diese Methodik die klassische chromatographische Analytik nicht grundsätzlich in allen Fällen ersetzen kann. Dies gilt insbesondere für die Identifikation unbekannter Einzelverbindungen – wie etwa der exakten Bestimmung auffälliger Massenpeaks bei Tees – sowie für den Nachweis gesetzlich vorgegebener Grenzwerte, die eine spezifische Identifikation und Quantifizierung erfordern. Als ergänzende, schnelle Screening-Methode oder zur Mustererkennung ist der Ansatz jedoch vielversprechend – besonders im Rahmen automatisierter Prozesse mit hohem Probendurchsatz.

Fazit

Die Kombination aus direkter Ionisation, massenspektrometrischer Detektion und statistischer Auswertung kann für einige Anwendungen eine effiziente Alternative zu klassischen Methoden der Lebensmittelanalytik darstellen – insbesondere dort, wo Schnelligkeit und einfache Handhabung gefragt sind. Für Labore mit hohem Probendurchsatz ergibt sich daraus die Möglichkeit, Prüfprozesse zu beschleunigen. Die vorgestellten Anwendungsbeispiele zeigen Möglichkeiten der Methodik für die Lebensmittelkontrolle.

AUTORIN
Petra Romero
Plasmion GmbH, Augsburg
Tel.: 0821/2071 3355
[email protected]
http://www.plasmion.de

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