Detektion von Produktfälschungen

Sicherheitscodierungen nicht nur für Arzneimittel

Schätzungen zufolge sterben täglich etwa 2000 Menschen durch die Einnahme von gefälschten Arzneimitteln. 2019 tritt daher eine EU-Richtlinie in Kraft, die eine Sicherheitskennzeichnung für verschreibungspflichtige Medikamente verbindlich macht und so das Risiko für Kunden reduzieren soll.

Um Produktpiraterie wirksam zu unterbinden, müssen die gefälschten Produkte nicht nur eindeutig erkennbar sein; Pharmahersteller sollten auch wissen, wo die Plagiate in ihre Vertriebskette gelangen und wo Graumarktverschiebungen stattfinden. Das Schweizer Sicherheitsunternehmen U-Nica hat daher ein neuartiges Verfahren entwickelt, das über die gesamte Lieferkette hinweg eine kontinuierliche Authentifizierung von Produkten und somit einen flächendeckenden Fälschungsschutz erlaubt. Basis der Technologie mit dem Namen scryptoTrace ist ein mehrfach patentiertes digitales Mustererkennungsverfahren, das bestimmte, für das Auge nicht wahrnehmbare Sicherheitscodierungen auf einem Etikett oder einer Verpackung zuverlässig erfasst. Die nötige Software lässt sich auf mobilen Geräten wie Smartphones oder Tablets installieren und über eine App komfortabel bedienen. Zudem können die Hersteller auch den Kunden ermöglichen, die Echtheit ihres Medikaments mittels dieser App überall und jederzeit am Verkaufspunkt selbst zu überprüfen.

2015 beschlagnahmte Interpol im Rahmen der Operation Pangea eine Rekordzahl von 20,7 Mio. gefälschten Medikamenten mit einem geschätzten Wert von 81 Mio. US-Dollar. Gefälschte Medikamente stellen neben dem enormen Gesundheitsrisiko für die Konsumenten auch ein großes wirtschaftliches Problem für die Pharmabranche dar: „Sie schaden der Reputation der Industrie und können zu Umsatz- und Kundenverlusten führen, indem der Endverbraucher das Vertrauen in das Medikament oder den Hersteller verliert und das Medikament durch ein anderes ersetzt“, erklärt Alfred Rutz, CEO der U-Nica-Gruppe. Seit Februar 2016 gibt im Hinblick auf den Konsumentenschutz nun auch eine EU-Verordnung zur Fälschungsschutzrichtlinie von 2011 verbindlich vor, welche Sicherheitskennzeichnungen verschreibungspflichtige Medikamente zukünftig tragen sollen. Da alle Pharmahersteller diese Anforderungen bis 2019 erfüllen müssen und auch in den USA sowie Asien ähnliche Vorschriften in Umsetzung beziehungsweise in Planung sind, gewinnen fälschungssichere Kennzeichnungsverfahren im Pharmasektor weltweit immer mehr an Bedeutung.

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Kontrolle über die gesamte Lieferkette
„Um erfolgreich gegen die Fälschungsindustrie vorzugehen, ist es nicht ausreichend, Plagiate eindeutig identifizieren zu können“, so Rutz. „Die Pharmahersteller sollten auch darüber Bescheid wissen, wo genau die Fälschungen in ihre Distributionskette gelangen beziehungsweise wo im Markt sie auftauchen und wie die Waren verschoben werden.“ U-Nica hat daher eine neuartige Sicherheitslösung entwickelt, die nicht nur die Vorgaben der Verordnung erfüllt, sondern im Gegensatz zu alternativen Technologien auch einen flächendeckenden und wirkungsvollen Fälschungsschutz gewährleisten kann: scryptoTrace schließt eine Lücke im bestehenden Angebot von Sicherheitslösungen und erlaubt es erstmals, Markenprodukte auf dem Weg vom Herstellungsort bis zum Verkaufspunkt an sämtlichen neuralgischen Stellen mittels Smartphone-Technologie auf ihre Authentizität hin zu kontrollieren. Die Produzenten werden damit in die Lage versetzt, in Echtzeit Kenntnis über das Auftauchen einer Fälschung oder über Graumarktverschiebungen zu erhalten.

Bild 1: Beim scryptoTrace-System werden Sicherheitselemente auf Verpackungen aufgebracht und lassen sich mittels einer speziellen Erkennungssoftware besonders einfach auslesen. Bild: © U-NICA.

Die Voraussetzung dafür bilden dynamische Markierungen, die in die Medikamentenverpackungen eingebracht werden. Die Codierungen werden auf dem scryptoTrace-Server vom Pharmahersteller selbst generiert, verwaltet und je nach Bedarf dynamisch und flexibel eingesetzt. Für die Generierung von Codierungen wird lediglich das Original-Printlayout benötigt. Das Layout sowie die Druckprozesse bleiben unverändert, ohne dass zahlreiche Drucker, die teils selbst eine Sicherheitslücke in bestimmten Ländern darstellen, zum Einsatz kommen müssen. „Die Software-basierte Sicherheitslösung kann im Gegensatz zu physischen Sicherheitslösungen sehr gut global skaliert werden und die Ausgaben für herkömmliche Sicherheitsaufwendungen eines Herstellers drastisch reduzieren“, erläutert Rutz.

Kontrolle mittels Smartphones
Zu diesem Zweck werden an verschiedenen Kontrollpunkten entlang der Vertriebskette Stichproben mit einem handelsüblichen Smartphone oder einem Tablet vorgenommen, indem das Produkt fotografiert wird. Die App eruiert anschließend innerhalb von Sekunden, ob das Produkt echt oder gefälscht ist und übermittelt das Resultat zusammen mit wichtigen Informationen wie Datum, Zeit, Ort und Nutzer über das Mobilfunknetz an die Unternehmenszentrale. Der Pharmahersteller erfährt somit unverzüglich, wo Fälschungen oder Graumarktprodukte im Umlauf sind und kann die gesammelten Daten effizient auswerten sowie das Risiko identifizieren und quantifizieren.

Durch den automatischen Abgleich mit dem scryptoTrace-Server, auf dem alle Informationen gespeichert werden, können die Unternehmen ihre Lieferkette und die Wirksamkeit ihrer Markenschutz-Maßnahmen genau analysieren, punktgenau optimieren und die Ressourcen zielgerichtet einsetzen. Darüber hinaus kann die Codierung bei jeder Druckcharge ohne zusätzlichen Aufwand und je nach Bedarf per Software sehr schnell und fortwährend beliebig nach Land, Produkt, Absatzkanal und Zeit verändert werden. Diese wirkungsvolle Methode verhindert, dass Plagiate in unkontrollierbarem Ausmass auf den Markt kommen, erhöht die Zuverlässigkeit der Erkennung von Fälschungen und Graumarktbewegungen und liefert zusätzlich differenzierte Auskünfte über den Distributionsablauf und das Kundenverhalten.

Bild 2: Mit einem handelsüblichen Smartphone oder einem Tablet werden an verschiedenen Kontrollpunkten entlang der Vertriebskette Stichproben vorgenommen, indem das Produkt fotografiert wird. Bild: © U-NICA.

Da die Technologie herkömmliche Smartphones und Tablets nutzt, ist sie global sowie offline einsetzbar und sehr bedienerfreundlich: „Ein entscheidender Vorteil ist, dass Mitarbeiter, Inspektoren, Zoll, Polizei oder andere Partner entlang der nationalen oder globalen Distributionskette in der Lage sind, die Stichproben benutzergeführt und ohne Schulung oder teure Lesegeräte zu prüfen“, so Rutz. Das Verfahren erfordert außerdem keine Investitionen oder Veränderungen der Geschäftsprozesse und kann damit ohne lange Vorlaufzeit oder aufwendige technische Anpassungen eingeführt und skaliert werden, so dass der Schutz der Markenprodukte umgehend gewährleistet wird. Davon profitieren insbesondere internationale Unternehmen mit komplexen Organisationsstrukturen und breitem Produktspektrum, die ein hohes Gefährdungspotenzial haben. Die Lösung schließt eine Lücke im gegenwärtigen Angebot von Sicherheitstechnologien und lässt sich, kombiniert mit einer bestehenden Logistiklösung oder Serialisierung der Produkte, zu einer Track-und-Trace-Lösung verbinden. Sie ist damit deutlich kostengünstiger und fälschungssicherer als konventionelle Verfahren.

Endverbraucher kontrollieren selbst
Außerdem eröffnet scryptoTrace den Herstellern zusätzlich die Möglichkeit, mit den Endverbrauchern zu interagieren und Vertrauen aufzubauen: „Durch die App können Pharmaproduzenten jedem Smartphone- oder Tablet-Nutzer ermöglichen, die Authentizität eines Medikaments am Verkaufspunkt zu überprüfen“, erläutert Rutz. „Endverbraucher können die Kontrolle mit dem eigenen Smartphone durchführen, anstatt sich auf jemand anderen verlassen zu müssen. Das gibt den Kunden Sicherheit und den Pharmaunternehmen eine stärkere Kundenbindung“. Für die Endverbraucher entstehen dabei keinerlei Kosten und auch für sie gilt, dass die App an jedem Ort der Welt und zu jeder Zeit genutzt werden kann – unabhängig davon, ob gerade eine Verbindung zu einem Mobilfunknetz besteht oder nicht.

Bild 3: Die App eruiert nach der Aufnahme des Bildes innerhalb von Sekunden, ob das Produkt echt oder gefälscht ist und übermittelt den Befund zusammen mit wichtigen Informationen wie Datum, Zeit, Ort und Nutzer über das Mobilfunknetz an die Unternehmenszentrale. Durch den automatischen Abgleich mit dem scryptoTrace-Server, auf dem alle Informationen gespeichert werden, können die Unternehmen ihre Lieferkette und die Wirksamkeit ihrer Markenschutzmaßnahmen genau analysieren und punktgenau optimieren. Bild: © U-NICA.

Die direkte Kontrolle durch Kunden beziehungsweise Konsumenten könnte jedoch noch einen wichtigeren Nebeneffekt haben: „Wenn der Verbraucher die Fälschung sofort am Point of Sale identifiziert, wird automatisch mehr Druck auf die Distributionskette dahingehend ausgeübt, dass weniger Fälschungen auf den Markt gelangen und unseriöse Verkaufspunkte öffentlich bekannt werden“, erklärt Rutz. „Damit wären die Hersteller nicht mehr mit dem globalen Fälschungsproblem allein und müssten es auch nicht mehr unbedingt durch kostspielige Inspektionen und aufwändige Detektionsverfahren lösen. Eine potenzielle globale Kontrollmannschaft aus 1,9 Mrd. Konsumenten mit Smartphones könnte sie zukünftig unterstützen und Produktpiraten deutlich mehr abschrecken als alle bisherigen Maßnahmen.“

System für verschiedenste Branchen geeignet
Die Sicherheitslösung eignet sich neben dem Bereich Pharma Security auch für jede andere Branche, wie beispielsweise die Kosmetik- oder Lebensmittelindustrie. So ist der Sicherheitslösungsanbieter U-Nica in diesen Branchen tätig, um den Produktschutz voranzubringen. Unter anderem ist U-Nica eine Vertriebskooperation mit dem international tätigen Pharmazie-Wirkstoffhändler Fischer Chemicals AG eingegangen, der die Lösung seinen Kunden ebenfalls anbietet. Das Verfahren lässt sich darüber hinaus in vielen weiteren Branchen, etwa der Ersatzteile- oder Elektronikindustrie, nutzen, um Fälschungen zu identifizieren und die Distributionskette zu kontrollieren. Namhafte multinationale Grosskonzerne, welche ihre wertvollen Marken schützen wollen, haben die Lösung bereits weltweit eingesetzt oder befinden sich im globalen Rollout, und die Nachfrage nach dieser wirkungsvollen Sicherheitstechnologie nimmt stetig zu: „Wir dürfen bereits die Top-Branchenleader zu unserer Kundschaft zählen“, erklärt Rutz.

Bild 4: Mit der App können Pharmaproduzenten jedem Smartphone- oder Tablet-Nutzer ermöglichen, die Authentizität eines Medikaments am Verkaufspunkt zu überprüfen. Bild: © U-NICA.

Weitere Weltneuheit
Auch in der Medizinalbranche hat U-Nica ihre digitale Sicherheitslösung unter dem Markennamen scryptoTrace als „Fingerprint“-Lösung bereits erfolgreich getestet. Mit einem führenden Hersteller für chirurgisches Equipment wurde das System im Rahmen eines national geförderten Technologieprojektes auf den Originalteilen selbst, respektive deren Oberflächenstruktur, erprobt. „Das Unternehmen entdeckte Fälschungen seiner Verbrauchsartikel im Markt und erhielt Augenzeugenberichte darüber, dass Originalteile mehrfach wiederverwendet wurden“, so Rutz. „In einem Fall wurde derselbe Artikel direkt nacheinander für mehrere Patienten genutzt und hatte dabei Kontakt zu Körperteilen und -flüssigkeiten.“ Die scryptoTrace „Fingerprint“-Lösung, welche im Gegensatz zu eingebrachten Codierungen die bestehenden Zufallsmuster von Materialoberflächen zuverlässig detektiert, wurde eingesetzt, um unbenutzte Originalprodukte und Verbrauchsmaterialien in Echtzeit zu identifizieren: Sie warnt das Personal bei chirurgischen Eingriffen beziehungsweise vor dem Kontakt des Kunden mit möglicherweise kontaminierten Teilen davor, dass das Produkt schon einmal in Gebrauch war oder allenfalls nicht vom Originalhersteller stammt. Der Einsatz von Verbrauchsartikeln, die eventuell in einem nicht sterilen Umfeld hergestellt wurden, kann so bei Operationen ausgeschlossen werden.

Die Technologie kann auch dahingehend benutzt werden, dass Geräte nur dann funktionieren, wenn auch Originalverbrauchsmaterialien eingesetzt werden, was wiederum ganz andere Anwendungsmöglichkeiten eröffnet. U-Nica wird diese Lösung Ende 2016 als Weltneuheit auf den Markt bringen. Dabei konzentriert sich der Lösungsanbieter speziell auf Anwendungen bei hochwertigen und systemkritischen Produkten, die mit hohen Haftungsrisiken verbunden sind, wie bei Medizinalgeräten und -zubehör im Gesundheitssektor, bei Ersatzteilen der Flugzeug- und Fahrzeugbranche, Industrieteilen und -anlagen oder wertvollen Gegenständen wie Markenuhren, Edelmetallen und Goldmünzen.


Über U-Nica
U-Nica wurde 2004 von Alfred Rutz, einem Experten für die Sicherheit von Banknoten, gegründet und seitdem erfolgreich zu einer internationalen Unternehmensgruppe aufgebaut. Das breite Produkt- und Technologieportfolio umfasst ausschließlich innovative Sicherheitstechnologien für den globalen Markt, insbesondere für den Bereich Dokumentensicherheit (Banknoten, ID, Pässe und ähnliche sicherheitskritische Dokumente) sowie den Produkt- und Markenschutz.

Das Unternehmen, das seinen Hauptsitz in Malans in der Schweiz hat, hält zwischenzeitlich mehr als 300 Patente  weltweit. U-Nica ist global tätig und hat neben insgesamt fünf Standorten in Deutschland und der Schweiz auch Verkaufsniederlassungen in Asien und den USA.

2015 wurde das Unternehmen umstrukturiert und in zwei selbständige Unternehmensgruppen aufgespalten: Die Unica Holding hält die Beteiligungen an der U-Nica-Gruppe, die sich vorwiegend mit physischen und digitalen Produkt- und Markenschutzlösungen beschäftigt, sowie an der Actilor-Gruppe, die sich auf Biotechnologielösungen für die Bereiche Hochsicherheit und Life Science konzentriert.

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