Pflanzen mit neuem Verfahren „austricksen“

Alternativen zu Soja-Importen für Landwirte

Mikroorganismen greifen Pflanzen mit ihren Enzymen an, mitunter zerstören sie sie sogar. Doch die Pflanzen versuchen sich dagegen zu wehren und bilden gegen die Enzyme Abwehrstoffe. Nur bei Starkregen, wenn sich die Mikroorganismen gigantisch vermehren und unter diesen Bedingungen viele Enzyme bilden, funktioniert der Selbstschutz der Pflanzen nicht mehr. Dann knickt beispielsweise das Getreide um. Die Abwehrstoffe reichen also nicht. Wissenschaftler der Agrar-und Umweltwissenschaftlichen Fakultät (AUF) der Universität Rostock nehmen diesen Prozess in Laborversuchen näher unter die Lupe.

Die Forscher Bassel Ibrahim, Dr. Mathias Schlegel und Prof. Norbert Kanswohl (v. l.) vergleichen die übliche Silierung mit einem neuen Verfahren zur Verbesserung des Geschmacks von heimischen Eiweisfuttermitteln. (Foto: Uni Rostock/Julia Tetzke)

„Pflanzliche Abwehrstoffe, die einerseits für das Gedeihen der Pflanzen unerlässlich sind, schmecken andererseits Nutztieren wie Kühen, Schweinen oder Ziegen nicht“, erläutert Dr. Mathias Schlegel von der AUF das Forschungsanliegen. Deshalb besteht für die Rostocker Wissenschaftler die Herausforderung darin, ernährungsschädliche Abwehrstoffe auszuschalten. Dann stünde rundum nur schmackhaftes Grünfutter für die Tiere zur Verfügung.

Eine Illusion? „Oh nein“, sagt der junge Forscher Bassel Ibrahim. Unter seiner Projektleitung entwickeln die Rostocker Wissenschaftler jetzt ein innovatives Verfahren, ähnlich dem der Silageherstellung. Das Besondere daran: die ernährungsschädlichen Substanzen in abgeernteten Pflanzen werden durch einen Trick, ähnlich wie eben bei Starkregen, ausgeschaltet. „Was die lebenden Pflanzen nicht vertragen, mögen die geernteten auch nicht“, sagt Bassel Ibrahim.

Anzeige

Die Forscher konzentrieren sich bei ihren Untersuchungen auf Pflanzen mit hohem Eiweißanteil wie Ackerbohnen, Erbsen, Lupinen und die tropische Jackbohne. Letztere hatte Luis Gonzales, ein Doktorand aus Kuba, für Versuche aus seiner Heimat mit an die Uni Rostock gebracht.

Den zerkleinerten Pflanzen wird in einem Behälter ein hoher Wasseranteil von 80 bis 90 Prozent zugeführt. „Das ist genau die Menge, ähnlich einem Starkregen in der Natur, den die Pflanzen nicht mögen. Die Enzyme der Mikroorganismen greifen die Pflanzen unter diesen Bedingungen an. Der hohe Wassergehalt ist dabei der Nährboden für eine Population von Mikroorganismen, die nötig ist, um eine hohe Enzymflut zu generieren“, sagt Bassel Ibrahim. Bislang dauert es mindestens vier Wochen, bis Silage reif zum Verfüttern ist.

Aber das übliche silierte Futter beinhaltet immer noch die ernährungsschädlichen Substanzen. „Das ist ganz anders bei unserem innovativen und in zwei Tagen abgeschlossenen Verfahren“, erläutert Dr. Mathias Schlegel, der an dem vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt mitwirkt und die Idee inzwischen erfolgreich als Patent angemeldet hat.

Es gelang den Rostocker Forschern mit dem neuen Verfahren Alternativen zu Soja-Importen anzubieten. Die sind wegen der immer relevanter werdenden Gentechnik auch umstritten. „Wenn heimische Eiweißpflanzen wie Erbse, Lupine oder Ackerbohne dem neuen, an der Uni Rostock entwickelten Verfahren ausgesetzt werden, erhöhen wir deren Schmackhaftigkeit für die Tiere“, sagt Dr. Schlegel.

„Das Ersetzen von nur einem Prozent des importierten und teurer werdenden Sojas in Europa kann 40 Millionen Tonnen CO2“-Ausstoß verhindern“, hat Professor Norbert Kanswohl, der eine Professur für Agrartechnologie und Verfahrenstechnik innehat, errechnet. Beispielsweise würden Schiffstransporte überflüssig.

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige

Effizienz und Leistung

Die neue Pioneer mit vielen Funktionen zum intelligenten Betrieb in Ihrem Labor. Mit antistatischem Stab zur Erdung. Weitere Informationen über die Waagen Pioneer PX

 

mehr...
Anzeige