Heinrich-Emanuel-Merck-Preis 2015

Prof. Dr. Petra Dittrich wird ausgezeichnet

Merck vergibt den diesjährigen Heinrich-Emanuel-Merck-Preis für Analytik an Prof. Dr. Petra Dittrich von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich (Schweiz).

Prof. Dr. Petra Dittrich von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich (Schweiz) erhält den diesjährigen Heinrich-Emanuel-Merck-Preis für Analytik.

Ausgezeichnet wird sie für ihre bahnbrechende Arbeit über Immunoassays in Kombination mit mikrofluidischen Plattformen für die Einzelzellanalyse. Der mit 15000 Euro dotierte Preis wird Frau Prof. Dr. Dittrich am 10. September 2015 auf der Euroanalysis 2015 in Bordeaux (Frankreich) übergeben.

Mikrofluidik ist eine vielversprechende Technologie und liefert ein enormes Instrumentarium für die analytische und bioanalytische Methodik im Allgemeinen. Im Hinblick auf die Zellanalyse hat die Entwicklung von mikrofluidischen Plattformen den Weg geebnet für innovative Analysestrategien zur Positionierung, Behandlung und Beobachtung lebender Zellen, zur Schaffung von chemisch definierten flüssigen Umgebungen und zum Herstellen maßgeschneiderter mechanischer oder physischer Bedingungen bzw. Zustände.

Diese methodischen Verbesserungen haben zu faszinierenden Einblicken in Zellprozesse geführt. In diesem Kontext ist die Einzelzellanalyse von besonderem Interesse und für viele Bereiche wie Systembiologie, medizinische Diagnostik, Pharmazeutik und Biotechnologie von Bedeutung.

Die Forschungsgruppe von Prof. Dr. Dittrich führte eine Methode ein, mit der die chemische Analyse einzelner Zellen, das heißt die Quantifizierung von intrazellulären Verbindungen wie Proteinen und Metaboliten, erleichtert wird. Die neue Methode kombiniert das mikrofluidische Einfangen und Isolieren von Zellen mit der analytischen Leistungsfähigkeit von Immunoassays, insbesondere Enzymimmunoassays (ELISAs).

Anzeige

Einzelzellen werden in einem definierten Volumen von lediglich wenigen hundert Pikoliter eingefangen. Diese winzige Analysekammer ist zentrale Voraussetzung für einen hochsensiblen Nachweis von Zielmolekülen direkt im Zelllysat, selbst wenn diese nur in sehr geringen Kopienzahlen vorhanden sind.

Die mikrofluidische Analyseplattform eignet sich für ein breites Spektrum von Molekülen, aber auch für verschiedene Zellarten, etwa Säugetierzellen, Hefezellen oder Bakterien. Daher wird erwartet, dass sie neue Ansätze für metabolomische und proteomische Studien von Einzelzellen eröffnet. Sie ist außerdem ein hervorragendes Mittel zur Untersuchung von Zellmodellen wie Lipidbläschen.

„Petra Dittrich ist eine sehr begabte und erfolgreiche Wissenschaftlerin“, erläuterte Prof. Reinhard Niessner (TU München), der Vorsitzende der internationalen Jury für den Heinrich-Emanuel-Merck-Preis. „Mit diesem Preis zeichnen wir sie für ihre bahnbrechenden Arbeiten und Fortschritte im Forschungsgebiet der Bioanalytik aus.“

Frau Dr. Petra Dittrich (41) ist seit 2014 Außerordentliche Professorin für Bioanalytik am Department of Biosystems Science and Engineering (ETH Zürich). Bei ihrer Forschung im Bereich der Lab-on-Chip-Technologien konzentriert sie sich auf die Miniaturisierung von hochempfindlichen Vorrichtungen für chemische und biologische Analysen und die mikrofluidisch gestützte Organisation von Materialien.

Frau Dr. Petra Dittrich studierte Chemie an der Universität Bielefeld und an der Universidad de Salamanca in Spanien. Im Jahr 2003 promovierte sie in Göttingen am Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie über die Fluoreszenz-Korrelations-Spektroskopie in fluidischen Kanälen. Sie setzte ihre wissenschaftliche Arbeit am MPI Göttingen noch ein weiteres Jahr fort und arbeitete anschließend von 2004 bis 2008 am Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften (ISAS) in Dortmund. Forschungsaufenthalte führten sie an die Cornell University in New York (2002) und die Universität von Tokio (2005). Im Jahr 2008 wurde sie zum Assistant Professor der Organic Chemistry Laboratories des Department of Chemistry and Applied Biosciences (ETH Zürich) berufen.

Seit mehr als 25 Jahren werden mit dem Heinrich-Emanuel-Merck-Preis Wissenschaftler bis zum Alter von 45 Jahren gewürdigt, die sich mit neuen Methoden in der chemischen Analyse und ihrer Weiterentwicklung in Anwendungen zur Verbesserung der menschlichen Lebensbedingungen befassen. Hierzu gehören z. B. die Bereiche Life-Science, Umweltschutz oder Biowissenschaften.

Heinrich-Emanuel-Merck-Preis

Merck stiftet den Heinrich-Emanuel-Merck-Preis seit 1988 in Erinnerung an die erstmalige Standardisierung von analytischen Methoden vor 100 Jahren durch den Merck-Chemiker Dr. Karl Krauch. Die Liste der Preisträger dokumentiert die Bedeutung des Preises in der Welt der Analytical Sciences, die oft mit ihren Arbeiten die Basis für wichtige Erfindungen geschaffen haben. Vorherige Preisträger des Heinrich-Emanuel-Merck-Preises waren:

  • 1988 Prof. M. Hiraide, Japan; Professor O.S. Wolfbeis, Österreich
  • 1990 Dr. B. Bidlingmeyer, USA; Professor R. Niessner, Deutschland
  • 1993 Prof. A. Amirav, Israel
  • 1996 Prof. D.J. Harrison, Kanada; Professor A. Manz, Großbritannien
  • 1998 Prof. R. Zenobi, Schweiz
  • 2000 Prof. N. Dovichi, Kanada
  • 2002 Prof. J.V. Sweedler, USA
  • 2004 Prof. Y. Baba, Japan
  • 2007 Dr. A. Makarov, Deutschland; Professor S. Nie, USA
  • 2010 Prof. Luisa Torsi, Italien
  • 2012 Prof. Aaron Wheeler, Kanada
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige

Chip-Technologie

Kleinstlabor für die Wundheilung

Um maßgeschneiderte personalisierte Medizin auf kleinstem Raum zu ermöglichen, vereint die CellChipGroup an der TU Wien komplexe Biologie mit der Chip-Technologie. Auf der LABVOLUTION 2017 stellen die Österreicher nun der internationalen Fachwelt...

mehr...