InterviewJürgen Fürstenberg-Brock

Der studierte Betriebswirt Jürgen Fürstenberg-Brock ist seit Juni 2014 als Projektleiter bei der Deutschen Messe AG für die LABVOLUTION verantwortlich. Davor war er rund zehn Jahre, ebenfalls bei der Deutschen Messe, als Projektleiter für die BIOTECHNICA zuständig. Der 61-Jährige hat viele Jahre als Geschäftsführer und Vertriebsleiter in unterschiedlichen IT-und Telekommunikations-Unternehmen gearbeitet.

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Jürgen Fürstenberg-Brock

LABO:
Seit etwa einem Jahr ist bekannt, dass die Deutsche Messe AG diesen Herbst eine neue Labortechnik-Messe veranstalten will. Wie läuft’s?

Fürstenberg-Brock:
Insgesamt sehr gut. Wo auch immer wir die LABVOLUTION vorstellen und über sie sprechen, stoßen wir auf Zustimmung. Diese positive Resonanz ist für uns eine gute Basis für die Aussteller- und Besuchergewinnung. Wir haben uns realistische Ziele gesetzt und werden diese auch erreichen. Wichtig ist für uns, dass wir das Projekt smartLAB und wichtige marktführende Unternehmen vor Ort haben werden, wie zum Beispiel Bruker, Büchi, Mettler Toledo, Olympus Europa, BioFroxx, Krüss, Bandelin oder Sysmex.

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LABO:
Die LABVOLUTION wird parallel zur BIOTECHNICA stattfinden. Wie grenzt sich die neue Messe ab?

Fürstenberg-Brock:
In unserer Kommunikation betonen wir ganz klar, dass wir hier zwei unterschiedliche Messen haben, die aber zur gleichen Zeit am gleichen Ort stattfinden und für die auch eine gemeinsame Eintrittskarte gilt. Mit der BIOTECHNICA zielen wir bei der Labortechnik auf die Life Sciences. Darüber hinaus stehen in der BIOTECHNICA biotechnologische Anwendungen, wie etwa aus der Bioökonomie oder der Personalisierten Medizin, im Fokus. Die LABVOLUTION konzentriert sich ausschließlich auf Labortechnik, Laborinfrastruktur und instrumentelle Analytik. Das spricht neue Zielmärkte an. Für eine große Zahl der Aussteller und Besucher sind beide Messemarken relevant. In der fast 24 000 Quadratmeter großen Halle werden Sie sich auch anhand der unterschiedlichen Teppichfarben orientieren können. Die Farbe der LABVOLUTION ist grün.

LABO:
Die BIOTECHNICA steht seit Jahren auch für Labortechnologie. Was bringt die LABVOLUTION Neues?

Fürstenberg-Brock:
Ganz klar: die Branchenvielfalt. Während die BIOTECHNICA klassisch Biotechnologie und die Life Sciences abbildet, kommt mit der LABVOLUTION zum bestehenden Feld der Labortechnik für die Biotechnologie nun die ganze Welt der Labortechnik für Branchen wie Chemie, Pharma, Umwelttechnik, Qualitätskontrolle oder Lebensmittelindustrie hinzu. So haben alle gemeinsam – Aussteller wie Besucher beider Messen – den Vorteil, dass in Hannover ein sehr viel breiteres Produktsortiment gezeigt und ein großes Spektrum an Branchen abgebildet wird. Damit sind wir gerade auch durch unseren Standort im Norden Deutschlands attraktiv.

LABO:
Worin liegt Ihrer Ansicht nach der Standortvorteil von Hannover in diesem Zusammenhang?

Fürstenberg-Brock:
Wir sind überzeugt, dass es im Norden noch einen Bedarf gab für eine bedeutende Messeplattform zur Geschäftsanbahnung im Schwerpunktthema Labortechnik. Messen haben nun einmal generell eine besondere regionale Strahlkraft. Das gilt über alle Themen und Branchen hinweg. Der größte Teil der Besucher kommt üblicherweise aus einem Umkreis von ungefähr 500 Kilometern. Aus Sicht vieler Fachbesucher macht es einen erheblichen Unterschied, ob sie in wenigen Bahn- und Autostunden einen Messestandort erreichen und deshalb anstelle einer größeren Dienstreise auch nur für einen Tag anreisen und die Messe besuchen können.

Für den Norden Europas, also Nord-, West- und Ostdeutschland sowie die Länder Großbritannien, Benelux, Nordfrankreich, Skandinavien, Polen und Baltikum fehlte es bislang an einer nennenswerten Messe mit dem Schwerpunkt Labortechnik. Dass wir aber natürlich auch die Besucher aus dem Süden ansprechen, ist klar. Unser Anspruch ist, ein internationaler Treffpunkt in Sachen Labortechnik zu sein.

LABO:
Welches inhaltliche Konzept verfolgt die LABVOLUTION?

Fürstenberg-Brock:
Wir bilden die gesamte Welt der Labortechnik für Forschungs-, Analyse-, Produktions- und Ausbildungslabore ab – und zwar branchen- und themenüber- greifend entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die LABVOLUTION wird ein Treffpunkt für Industrie, Forschung und Wissenschaft sein, um dort Geschäfte anzubahnen und sich auszutauschen über Neuheiten, Trends und Zukunftsthemen. Gerade dieser Punkt ist uns wichtig. Die LABVOLUTION versteht sich auch als Kommunikationsplattform für die Zukunft des Labors. Hier haben wir mit der Sonderschau „smartLAB – das intelligente Labor der Zukunft“ ein wirklich großartiges und einzigartiges Projekt zu bieten.

LABO:
Was wollen Sie denn mit smartLAB erreichen?

Fürstenberg-Brock:
Es vergeht nicht ein Tag, an dem wir nicht etwas über Industrie 4.0 hören oder lesen. Wo bleibt das Labor 4.0? Auch hier müssen verstärkt Digitalisierung, Vernetzung und Automation Einzug finden. Es stehen neue Technologien und Anwendungen zur Verfügung, um das Labor grundlegend zu erneuern. Mit smartLAB zeigen wir, wohin diese Reise gehen könnte. Nämlich dorthin, wo eine Laborumgebung flexibel und individualisiert auf die jeweiligen Anforderungen zugeschnitten ist. Die Zukunft ist smart. Integrierende Software, Automatisierung, Informationstechnologie, Mensch-Maschine-Interaktion und das Lernen aus Big Data werden eingesetzt, um die Qualität zu verbessern sowie den Kosten- und Zeitaufwand möglichst gering zu halten.

LABO:
smartLAB ist also weit mehr als eine Sonderschau?!

Fürstenberg-Brock:
Ja, definitiv. Es ist ein Projekt, in dem eine Arbeitsgruppe aus Industrie, Wissenschaft und Forschung ein intelligentes Zukunftslabor entwickelt und umsetzt. Zur LABVOLUTION feiert das smartLAB dann Weltpremiere. Es wird zum ersten Mal aufgebaut und wir werden in live vorgeführten Anwendungs-Szenarien sehen, wie sich das Laborleben in Zeiten der Digitalisierung verändern wird. Parallel dazu läuft auf der rund 500 Quadratmeter großen Sonderfläche ein Forumsprogramm zu den verschiedenen Aspekten rund um das Labor 4.0.

LABO:
Wer gehört alles zur smartLAB- Arbeitsgruppe und welche Rolle spielen Sie als Deutsche Messe dabei?

Fürstenberg-Brock:
Wir waren sozusagen Geburtshelfer dieser Idee und haben das Projekt von Anfang an begleitet. Die Leitung der Arbeitsgruppe und damit die Koordination liegt beim Institut für Technische Chemie an der Leibniz Universität Hannover. Außerdem sind das Fraunhofer IPA, das Laserzentrum Hannover sowie zahlreiche Unternehmen Teil der Arbeitsgruppe und leisten ihren Beitrag, um das smartLAB in beeindruckend kurzer Zeit auf die Beine zu stellen. Die Unternehmen sind Eppendorf, iTiZZiMO, Köttermann, labfolder, Merck, PreSens Precision Sensing, Sartorius, Stäubli Tec-Systems Robotics und eben wir als Deutsche Messe AG. Gefördert wird das Projekt unter anderem durch das Land Niedersachsen. Niedersachsen soll ein Zentrum für moderne Labortechnik werden.

LABO:
Sie sprachen von Live-Vorführungen. Was wird es genau im smartLAB zu sehen geben?

Fürstenberg-Brock:
Es fängt schon mit dem Aufbau an. Das smartLAB ist nach dem Ballroom-Konzept gestaltet. Die Grundstruktur sind Labormöbelmodule, die wegen ihrer innovativen Wabenstruktur größte Flexibilität ermöglichen. Robotik wird ebenso eine Rolle spielen wie der Einsatz von intelligenten Lab-Glasses. Dass außerdem extra ein digitales Framework geschaffen wurde, um die Geräte unterschiedlicher Hersteller miteinander kommunizieren zu lassen, werden Sie dann in Aktion erleben.

An jedem Messetag werden in wiederkehrenden Live-Shows insgesamt vier verschiedene Anwendungsfälle gezeigt. Dabei handelt es sich aus dem Bereich Biotechnologie um eine Medienpräparation, aus der Chemie um eine spektroskopische Analyse, aus der Biologie um eine Polymerase-Kettenreaktion und aus der Prozesstechnologie um einen 3D-Druck-Prozess.

LABO:
Es wird nicht nur die LABVOLUTION und die BIOTECHNICA im Oktober in Hannover geben, sondern auch die European Lab Automation. Wie ist die ELA in die Veranstaltung integriert?

Fürstenberg-Brock:
Wir freuen uns sehr, dass die ELA gleich zur Premiere Teil der LABVOLUTION sein wird. Immerhin handelt es sich dabei um ein äußerst erfolgreiches Format. Die European Lab Automation ist Europas größte Konferenzmesse zum Thema Labor-Automatisierung und Robotik. Zuletzt hatte SelectBio sie an den Standorten Hamburg und Barcelona ausgerichtet. Jetzt kommt die ELA nach Hannover. Die ELA-Ausstellung wird dann Teil der LABVOLUTION sein, also in unsere Ausstellung integriert.

Das kostenpflichtige Konferenzprogramm findet im Convention Center statt, also gleich nebenan. Die drei Konferenzstränge der ELA befassen sich mit den Themen Laborautomation und Robotics, Genome Engineering und Personalisierter Medizin. Damit schlägt sie dann auch den Bogen zur BIOTECHNICA, wo personalisierte Medizin-Technologien ebenfalls ein Schwerpunktthema sind.

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