Editorial
Seit 30 Jahren strahlende Zukunft
Vor ziemlich genau 30 Jahren, nämlich am 26. April 1986, ereignete sich bedingt durch einen missglückten Sicherheitstest in Tschernobyl der erste Reaktor-GAU der Menschheitsgeschichte. Seitdem ist in einem Radius von 30 Kilometern um den Unglücksreaktor eine Sperrzone eingerichtet, die vermutlich noch Jahrhunderte bestehen bleiben muss. Über 400 000 Menschen verloren ihr Zuhause und Hab und Gut.
Zehntausende sogenannter Liquidatoren versuchten, die Katastrophe wenigstens einigermaßen in den Griff zu bekommen. Sie schütteten über 5000 Tonnen Blei und Sand in den zerstörten Reaktorblock, um den weiteren Austritt von radioaktiven Substanzen zu verhindern. Wie viele von den Arbeitern und den in weniger verseuchten Gebieten wohnenden Menschen starben, darüber gibt es keine gesicherten Daten. Doch Schätzungen gehen von Hunderttausenden aus.
Außerdem wurde nach dem GAU hastig ein Beton-Sarkophag über dem Unglücksreaktor errichtet, um ihn abzudichten. Doch auch dieser ist inzwischen mehr eine Ruine als eine Schutzhülle. Deshalb wird in einiger Entfernung schon seit Jahren ein neuer riesiger Tresor aus 25 000 Tonnen Stahl (rund 260 Meter breit, 165 Meter lang und 110 Meter hoch) errichtet, der 2017 auf Schienen über den maroden Betonbunker geschoben werden soll.
Die eingekerkerten Radionuklide sind unter anderem Cäsium-137 sowie verschiedene Plutonium- und Uranisotope. Die Halbwertszeit von Cäsium-137 beträgt rund 30 Jahre, von Plutonium einige tausend und von Uran bis zu mehreren Milliarden Jahre. Die 200 Tonnen Uran aus den geschmolzenen Kernbrennstäben, die dort im Boden lagern, werden eventuell also noch strahlen, wenn unsere Sonne zum Roten Riesen wird und die Erde verschlingt. Spätestens dann ist auch Fukushima entsorgt, was mich aber irgendwie auch nicht richtig beruhigt…
Dr. Hans-Jürgen Hundrieser, Chefredakteur
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