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Poröse graphitische Kohlenstoffpartikel

PGC in der HPLC

Die Autoren zeigen Ergebnisse zur chromatographischen Trennung einiger polarer Pestizide sowie von Vitamin-D-Metaboliten und deren Epimeren mit Hilfe von neu entwickelten 2,7 μm porösen graphitischen Kohlenstoffpartikeln (PGC) als stationärer Phase.
Kohlenstoffpartikel. © Merck

Poröser graphitischer Kohlenstoff (Porous Graphitic Carbon, PGC) bietet besondere Retentionsmechanismen, die über die Möglichkeiten von üblichen Umkehrphasenmaterialien hinausgehen. Die Annahme, dass sich ein Träger, der vollständig aus Kohlenstoffatomen besteht, wie eine „perfekte“ unpolare Phase ohne aktive Silanolgruppen verhalten würde, bildete die Grundlage für die Entwicklung des PGC. Weitere Untersuchungen zeigten jedoch, dass dies nicht der Fall war. Es stellte sich heraus, dass sich die Retentionseigenschaften von PGC von denen herkömmlicher unpolarer Phasen unterscheiden. Studien von Möckel [1], Tanaka [2] und Ross [3] zeigten verschiedene Eigenschaften beim Vergleich von PGC mit ODS (C18)-Phasen. Zusammengefasst:

  • PGC verhält sich für viele Analyten wie die herkömmlichen ODS-Phasen.
    Typischerweise muss im Vergleich zum ODS ein höherer Organikanteil in der mobilen Phase verwendet werden.
  • PGC neigt dazu, polare Verbindungen stärker zu retardieren als ODS-Phasen.
    Größe und Form des Analyten sind hierbei wichtige Parameter. Planare Verbindungen, insbesondere aromatische, sind interessante Analyten, die durch Wechselwirkungen ihrer freien Elektronenpaare mit der Elektronenwolke des graphitischen Kohlenstoffs retardiert werden.
  • Da PGC unterschiedliche Wechselwirkungsstärken mit den Analyten entsprechend ihrer Elektronenverteilung (deren Größe, Form und Orientierung sind ebenfalls wichtige Faktoren) haben kann, kann es zwischen chemisch eng verwandten Verbindungen, wie Isomeren oder sich ähnelnden Verbindungen mit geringen Unterschieden in den funktionellen Gruppen, differenzieren.
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Bild 1: Vier polare Pestizide, getrennt auf Supel™ Carbon LC, 5,0 cm x 3,0 mm I.D., 2,7 μm; Daten zu den Peaks s. Anhang am Ende des Artikels. (Chromatographische Bedingungen s. Tabelle 1.) © Merck

Analyse von polaren Pestiziden

Ein Anwendungsbereich, in dem PGC von Vorteil sein kann, ist die Bestimmung von Analyten, die zu polar für eine klassische Umkehrphasensäule sind und daher im Totvolumen koeluieren. Ein Beispiel hierfür ist die Trennung von polaren Pestiziden wie Glyphosat und verwandten Analoga. Bei der Verwendung einer herkömmlichen C18-Säule ist diese nicht in der Lage, solche Verbindungen zu retardieren, und es kommt daher zur Koelution.

Untersuchungen zeigten hingegen, dass die Supel™ Carbon LC-Säule in der Lage ist, vier polare Pestizide (Aminomethylphosphonsäure/AMPA, Glyphosat, Glufosinsat und Acetyl-n-glufosinat) unter Verwendung eines einfachen Gradienten mit einem Massenspektrometrie MS)-freundlichen Puffer zu retardieren (s. Tabelle 1 und Bild 1).

Tabelle 1: Chromatographische Bedingungen für die Trennung von polaren anionischen Pestiziden auf Supel™ Carbon LC (Bild 1). Quelle: Merck KGaA

.

Trennung von Vitamin-D- Metaboliten und ihren Epimeren

Bild 2: Strukturen von 25-Hydroxyvitamin D2 und D3 und ihrer jeweiligen Epimere. © Merck

Eine weitere Anwendung, die die Vorteile von PGC-Materialien unterstreicht, ist die Fähigkeit, geometrische Isomere, wie z. B. Vitamin-D-Metaboliten und deren Epimere, zu trennen. Vitamin-D-Metaboliten werden als Biomarker für mögliche Krankheitszustände und Vitaminmangel verwendet. Der Test basiert auf dem Spiegel von zwei Metaboliten im Blut: 25-Hydroxyvitamin D2 und D3. Es wurde festgestellt, dass diese Biomarker durch einen C3-Epimerisierungsweg epimerisiert werden können, was zu zwei weiteren Formen von Metaboliten führt, C3-epi-25-Hydroxyvitamin D2 und D3 (Bild 2); [4]. In letzter Zeit wurde diskutiert, ob diese Epimere die gleiche biologische Funktion haben wie die Ursprungsverbindungen. Daher ist es notwendig, den Anteil der Epimere unter den Metaboliten mit LC-MS zu bestimmen.

Bild 3: Trennung von 25-Hydroxyvitamin D2 und D3 und deren Epimeren auf SupelTM Carbon LC. Es werden gute Peakformen und Empfindlichkeit erreicht. (Chromatographische Bedingungen s. Tabelle 2.) Elutionsreihenfolge: 1) 3-epi-25-(OH)-D3: 8,294 min; 2) 25-(OH)-D3: 9,125 min; 3) 3-epi-25-(OH)-D2: 11,126 min; 4) 25-(OH)-D2: 12,062 min © Merck

Da die Epimere das gleiche m/z-Verhältnis aufweisen, ist es notwendig, diese vor der MS-Detektion chromatographisch zu trennen [4, 5]. PGC hat sich hier als effektiv erwiesen, um sowohl die Vitamin-D2- und -D3-Metaboliten als auch die Epimer-Analoga aufzutrennen.

Tabelle 2: Chromatographische Bedingungen für die Trennung von 25-Hydroxyvitamin D2 und D3 und der jeweiligen Epimere (zu Bild 3). Quelle: Merck

Unter Verwendung eines einfachen Gradienten mit starken organischen mobilen Phasen können so alle vier Verbindungen in einer angemessenen Analysezeit basisliniengetrennt werden (Bild 3).

Zusammenfassung

Poröser graphitischer Kohlenstoff (PGC) ist eine alternative stationäre Phase, die zusätzliche Optionen zur Trennung anspruchsvoller Verbindungen bietet, die über den Bereich der konventionellen Umkehrphasen-Chromatographie auf Kieselgel-basis hinausgehen. Während sich die Säule in vielerlei Hinsicht wie eine Umkehrphasen-Säule verhält, bietet PGC die Vorteile einer erhöhten Temperatur- (bis 250 °C), Lösungsmittel- und pH-Stabilität (pH 1 – 14). Zudem können aufgrund der einzigartigen Eigenschaften von graphitischem Kohlenstoff hochpolare Verbindungen, die ansons-ten HILIC- oder Ionenaustauschbedingungen benötigen, auf einer PGC-Säule retardiert werden. Obwohl die Retentionsmechanismen noch nicht vollständig geklärt sind, ist offensichtlich, dass PGC besonders gute Retentions-Eigenschaften gegenüber polaren Verbindungen besitzt – insbesondere gegenüber planaren Molekülen oder Analyten mit konjugierten Doppelbindungen, die mit der Elektronenwolke von Graphit interagieren können. PGC ist damit eine einzigartige stationäre Phase unter den konventionellen stationären HPLC-Phasen, und zukünftige Forschung zu den PGC-Partikeln könnten deren Anwendungsgebiet noch erweitern.

Literatur:

[1] H. J. Möckel, A. Braedikow, H. Melzer & Gaby Aced, A Comparison of the Retention of Homologous Series and Other Test Solutes on an ODS Column and a Hypercarb Carbon Column, Journal of Liquid Chromatography, 1991, 14:13, 2477-2498

[2] Nobou Tanaka, Tetsuya Tanigawa, Kazuhiro Kimata, Ken Hosoya, Takeo Arai, Selectivity of carbon packing materials in comparison with octadecylsilyl- and pyrenylethylsilylsilica gels in reversed-phase liquid chromatography, Journal of Chromatography, A, 1991, Volume 549, 29-41

[3] Knox, J. and Ross, P. Advances in Chromatography, 1997, 37, 73-119

[4] Shah, I., James, R., Barker, J. et al. Misleading measures in Vitamin D analysis: A novel LC-MS/MS assay to account for epimers and isobars. Nutr J, 2011, 10, 46 https://doi.org/10.1186/1475-2891-10-46

[5] Karras, S. N., Kotsa, K., Angeloudi, E., Zebekakis, P., & Naughton, D. P. The Road Not So Travelled: Should Measurement of Vitamin D Epimers during Pregnancy Affect Our Clinical Decisions?. Nutrients, 2017, 9 (2), 90. https://doi.org/10.3390/nu9020090

AUTOREN
Clinton Corman, Cory Muraco, William Maule, Michael Ye
Merck KGaA, Darmstadt
SigmaAldrich.com/carbonLC

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Daten zum Spektrum in Bild 1Tabelle zu Bild 1
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